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Ein Blick in die Produktionshalle bei Yanfeng: Mitarbeiter machen sich Sorgen, das Unternehmen will Maschinen nach Tschechien verlagern. Foto: A/t&w

Es mangelt an Garantien

Lüneburg. Der Umzug der Gewerkschaften am 1. Mai könnte in diesem Jahr größer ausfallen als in den Vorjahren: Denn in der 1000-köpfigen Belegschaft des Autozulieferers Yanfeng bleibt die Stimmung mies. Wie berichtet, will das Management den Beschäftigten übertarifliche Teile ihrer Bezüge kürzen, auch am Kernlohn will die Arbeitgeberseite Abstriche durchsetzen. Doch über allem schwebt die Sorge, dass der Konzern den Standort Lüneburg über kurz oder lang dicht macht. Das bestreitet das Unternehmen. Doch Gewerkschaft BCE und Betriebsrat macht skeptisch, dass die Führungsriege offenbar plant, Maschinen an einen Standort nach Tschechien zu verlegen. BCE-Sekretär Hans-Werner Svensson moniert, dass Yanfeng Forderungen stellt, aber keine Garantien für die Zukunft biete.

Es geht um die „bestmögliche Nutzung des Inventars“

Unternehmenssprecherin Astrid Schafmeister antwortet auf die Frage, ob Maschinen nach Osteuropa geschafft werden, vage: „Bei all unseren Projekten und bei allen internen Auftragsvergaben an unsere Standorte steht stets die Gesamtwirtschaftlichkeit unserer Projekte im Vordergrund. Dazu gehört auch die standortübergreifend bestmögliche Nutzung des vorhandenen Inventars.“

Ein wichtiges Datum ist für die Beteiligten das Jahr 2025. Denn dann laufen Pachtverträge für die Standorte an der Lüner Rennbahn und in der Goseburg aus. Die Belegschaft berichtet, dass es ihres Wissens keine Folgeaufträge aus der Automobilindustrie gebe. Astrid Schafmeister hingegen erklärt: „Es gibt bestehende Aufträge, die über 2025 hinausgehen. Neuaufträge, die über 2025 hinausgehen, werden zu so einem frühen Zeitpunkt noch gar nicht vergeben. Wenn wir jetzt um neue Programme pitchen und diese gewinnen, dann erfolgt der Serienstart in der Regel nicht vor Ende 2021 bis Mitte 2022. Es ist also zum jetzigen Zeitpunkt viel zu früh beziehungsweise nicht möglich, Aussagen zu Neuaufträgen, die über 2021 hinausgehen, zu tätigen.“

Aufträge an Land gezogen, die sich gar nicht rechnen?

Im Betrieb halten sich hartnäckig Gerüchte, nach denen die alte Werksleitung schlecht verhandelt haben und so Aufträge in die Werke geholt habe, die sich nicht rechnen. Laut Svensson fordert Yanfeng, dass die Belegschaft in den kommenden zwei Jahren finanzielle Einbußen in Höhe von 3,4 Millionen Euro leisten soll. Auf einer Betriebsversammlung fiel die Äußerung aus der Chefetage, dass das Unternehmen in Lüneburg aktuell 16 Millionen Euro Verlust mache.

Astrid Schafmeister bleibt auch in diesem Punkt unbestimmt: „Wenn aufgrund des rückläufigen Autoabsatzes in Deutschland vonseiten unserer Kunden entsprechend weniger Interieur-Komponenten benötigt werden, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Aufträge.“ Zur Rentabilität wolle sie nichts sagen. Laut Statistischem Bundesamt sei die Produktion von Autos und Teilen im zweiten Halbjahr 2018 um gut sieben Prozent gesunken. Allerdings berichten Beschäftigte, dass sie hier Überstunden machen sollen, weil man an der Lüner Rennbahn gut ausgelastet sei.

Der Streit dürfte vermutlich demnächst das Arbeitsgericht erreichen. Denn die Kürzung der Prämien von rund 180 Euro im Monat wollen Mitarbeiter in der Produktion nicht einfach hinnehmen. Gewerkschaftssekretär Svensson hat bereits Hunderte von Klagen angekündigt.

Von Carlo Eggeling

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Der Wahlkampf ist ein zentrales Thema bei den Veranstaltungen zum 1. Mai, Thema bundesweit: „Europa. Jetzt aber richtig!“ In Lüneburg spricht Dierk Hirschel, der beim ver.di-Bundesvorstand die Abteilung Wirtschaftspolitik leitet. Der 38-Jährige ist gelernter Tischler, studierter Volkswirtschaftler und hat in Lüneburg promoviert. Die Gewerkschafter treffen sich am Mittwoch, 1. Mai, am Theater, ziehen von dort aus durch die Stadt zum Lambertiplatz, wo sich neben dem DGB Einzelgewerkschaften und Organisationen präsentieren. Für Kinder gibt es auch ein Programm. Musik macht die Band Stew`n`Haggis.

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