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Die Arena-Baustelle an der Lüner Rennbahn gegenüber dem Media-Markt. Foto: t&w

Mauls Mängelliste

Lüneburg. Die von der Kreisverwaltung sogenannten „Reibungsverluste“ beim Bau der momentan auf 25,8 Millionen Euro taxierten Arena Lüneburger Land sind offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Über die neuesten Erkenntnisse hat Projektleiter Hans-Richard Maul die Mitglieder des Hochbauausschusses des Kreistags bereits im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am 2. April informiert.

Aus Sicht der CDU-Fraktion lässt Mauls Bericht „schwere Mängel bei der Ausschreibung der Gewerke vermuten“. So steht es in einem Antrag der Christdemokraten für die außerordentliche Sitzung des Kreisausschusses am Donnerstag, 18. April.

Statik nach Erhöhung offenbar nicht geprüft

Aufgeschreckt hat die CDU-Politiker und andere Ausschussmitglieder nach LZ-Recherchen unter anderem die Ankündigung der mit dem Rohbau beauftragten Firma, die Arbeiten nach Fertigstellung des Fundaments vorerst einzustellen. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass bislang keine geprüfte Statik für den Arena-Bau vorliegt. Hintergrund ist, dass nach Ausschreibung der Arbeiten im September 2018 die Dachlast noch zweimal erhöht wurde. Diese Änderungen sind offenbar noch nicht von einem Prüfstatiker abgesegnet worden.

Auch soll es bei der Ausschreibung des Fahrstuhls erhebliche Pannen gegeben haben. Nach LZ-Informationen passt der bestellte Lift nicht zum bereits fertigen Fahrstuhl-Fundament.

Doch scheinen dies bei Weitem nicht die einzigen Probleme zu sein, mit der sich Maul derzeit herumschlagen muss. Seit Januar prüfen er und drei weitere Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft beim Kreis die Arena-Unterlagen. Erst Ende März hatte Maul die Projektleitung für den aus dem Ruder laufenden Millionen-Bau vom bis dahin verantwortlichen Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer übernommen, der rund zweieinhalb Jahre federführend bei dem Projekt war.
Nun tritt offenbar immer deutlicher zutage, dass es erhebliche Diskrepanzen gibt zwischen der Ausführungsplanung und den anschließend erfolgten Ausschreibungen. Die Abweichungen sind anscheinend so groß, dass die CDU-Fraktion die Sondersitzung des Kreisausschusses beantragt hat.

In ihrem Antrag stellen die Christdemokraten drängende Fragen. Dabei wollen sie nicht nur wissen, welche Mehrkosten durch die Abweichungen und Pannen entstehen und ob der Landkreis Regressansprüche prüft. Vielmehr fragen die Politiker auch, ob „ein Baustopp im Lichte neuer Erkenntnisse unter Umständen sinnvoll“ wäre, „um die offensichtlichen Mängel bei der Umsetzung der Ausführungsplanung in Leistungsverzeichnisse nicht zu vermeidbaren Kosten führen zu lassen“?

Dach entspricht nicht den Brandschutzanforderungen

Zwar dürfte das Wort „Baustopp“ viele Kreistagsabgeordnete vor allem in den Reihen der SPD zusammenzucken lassen, doch werden die Arbeiten nach der Ankündigung der für den Rohbau zuständigen Firma voraussichtlich ohnehin für einige Zeit ruhen. Das Ziel der CDU ist nun offenbar, diese Zeit für weitere Prüfungen zu nutzen.
Dass dies dringend notwendig ist, zeigt ein weiteres Detail auf Mauls Mängelliste: So soll auch die ausgeschriebene Dacheindeckung nicht der ursprünglichen Planung entsprechen. Noch entscheidender: In der jetzigen Ausführung erfüllt sie noch nicht einmal die geforderten Brandschutzmaßnahmen.

Angesichts der bislang festgestellten Mängel will die CDU auch weitere personelle Konsequenzen geprüft wissen. So lautet eine weitere Frage in dem Antrag: „Ist der derzeitige Bauleiter, …, angesichts der aufgetretenen Fehler noch tragbar“?

Ein Plus von mehr als 40 Prozent

Dabei spielt offenbar auch eine Rolle, dass die Akteneinsicht einiger Kreistagsmitglieder unter Federführung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Günter Dubber ergeben hat, dass dem damaligen Projektleiter und Juristen Krumböhmer wohl seit März 2018 kein fachlicher Berater mehr zur Seite stand. Um so dringlicher stellt sich damit nun die Frage, wer die Abweichungen zwischen der Ausführungsplanung und den Leistungsverzeichnissen als Grundlage für die Ausschreibungen der Gewerke veranlasst und abgesegnet hat. Für die Ausführungsplanung war noch der Architekt Herbert Buddelmeyer aus Vechta verantwortlich, die Leistungsverzeichnisse hat das bauausführende Architektenbüro Ernst² erstellt.

Unter dem Strich steht an dieser Stelle der Arena-Planung ein Kostensprung von 11,3 auf 16,1 Millionen Euro – ein Plus von mehr als 40 Prozent. Vertretbar gelten in Architektenkreisen maximal fünf Prozent Abweichung zwischen der Kostenberechnung der Ausführungsplanung und Leistungsverzeichnissen/Angeboten. Deshalb gerät nun neben Krumböhmer zunehmend Bauleiter Ulrich Jarke in die Kritik.

Von Malte Lühr

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