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Das Areal Bilmer Strauch gegenüber dem Hafenbecken kommt aus Sicht des BUND für einen Flugplatz nicht infrage. Foto: be

Nicht akzeptabel

Lüneburg. Mit Empörung und Unverständnis reagiert der BUND, Regionalverband Elbe-Heide, auf den Vorschlag des Luftsportvereins, im Bilmer Strauch einen alternativen Standort für einen Flugplatz zu entwickeln. „Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass man vor dem Hintergrund des Artensterbens und Klimawandels 20 Hektar Wald zur Disposition stellen will“, schimpft BUND-Mitglied Karl Wurm. „Wir lehnen diesen Standort strikt ab. Wir werden aber Gespräche mit dem Verein aufnehmen.“

Betreibervertrag läuft Ende Oktober 2020 aus

Wie berichtet, läuft der Betreibervertrag des Luftsportvereins mit der Stadt für den Flugplatz an der Zeppelinstraße Ende Oktober 2020 aus. Die Stadt hatte jüngst erneut deutlich gemacht, dass das Areal künftig als Gewerbefläche genutzt werden soll. Richard Meier, Vorsitzender des Luftsportvereins, hatte angeregt, dass ein neuer Flugplatz im Bilmer Strauch vis-à-vis dem Hafenbecken entstehen könnte, im bestehenden Flächennutzungsplan sei dort eine Flugplatzfläche ausgewiesen. Der Verein hatte sich in einem Schreiben an die Stadtverwaltung und die Politik gewandt. Denn er brauche eine Willensbekundung seitens des Rates, um das Projekt in Angriff zu nehmen.

Aus Sicht von Karl Wurm gehört der private Luftsport „in heutiger Zeit nicht mehr zu den akzeptierten Freizeitbeschäftigungen“. Eine Handvoll Leute, die ihrem Hobby frönten, würde öffentliche Flächen, die dem Gemeinwohl zustünden, in Anspruch nehmen, argumentiert er. Da stimme das Verhältnis grundsätzlich nicht. Völlig unverständlich sei es, dass die Mitglieder des Luftsportvereins kein Problem hätten, „für ihr Hobby 20 Hektar platt machen zu wollen“. Wurm erinnert daran, dass auch schon vor 30 Jahren, als die Stadt den Bilmer Strauch als Flugplatz-Areal in Erwägung gezogen hatte, Umweltverbände und Bürger dagegen Sturm gelaufen seien. Das Projekt wurde damals zu den Akten gelegt, der Flugplatz entstand am jetzigen Standort.

Umweltverband auch gegen längeren Pachtvertrag

Wurm macht auch deutlich: „Wir sprechen uns auch dafür aus, dass der Betreibervertrag 2020 auslaufen muss und die komplette Flugplatzfläche einer natürlichen Entwicklung überlassen wird.“ Den Plänen von Politik und Verwaltung, dort Gewerbe anzusiedeln, zeigt der BUND die rote Karte. „Wenn das passiert, bedeutet das die ökologische Vernichtung von vorhandenen Flächen unterschiedlicher Biotop-Arten.“ Auch der Luftsportverein hatte in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass sich der Flugplatz zu einem Brut- und Erholungsraum bedrohter Vogelarten entwickelt habe. Der Verein habe durch seine Pflege dazu beigetragen.

Die Stadt hatte außerdem Anfang 2018 Ausgleichsflächen auf dem Flugplatz als Refugium für die bedrohte Haubenlerche angelegt. Die mussten errichtet werden, weil zwei Vogel-Pärchen auf dem Uni-Gelände gesichtet worden waren. Ohne Ausgleichsflächen hätte der Libeskind-Bau nicht errichtet werden können. Der Luftsportverein hatte gehofft, dass es aufgrund dessen zur Verlängerung des Betreibervertrages kommen könnte. Doch die Stadt argumentierte, die Ansprüche der Haubenlerche könnten weiter berücksichtigt werden, wenn es zu einer anderen baulichen beziehungsweise gewerblichen Nutzung des Geländes komme, da die Ausgleichsfläche nur einen Teil des Areals ausmache. Außerdem sei der Piepmatz von seinem Wesen ein „Baustellenvogel“.

Für Karl Wurm dagegen wäre es ein Unding, wenn Ausgleichsflächen beschnitten oder gar nach Belieben und Bedürfnissen der Stadt verschoben werden. Er sagt auch: „In meiner Biografie gibt es die Haubenlerche nicht, die es in Baugebiete zieht.“

Von Antje Schäfer