Aktuell
Home | Lokales | Eine Brücke für alle Fälle
Nur zu Demonstrationszwecken präsentiert sich Thomas Mitschke auf der Goseburgbrücke. Ihr Betreten ist aber nach wie vor verboten. Foto: us

Eine Brücke für alle Fälle

Lüneburg. Ausgereift sind die Überlegungen, die Oberbürgermeister Ulrich Mädge kürzlich im Rat der Stadt erläuterte, zwar noch nicht. Doch seine vage vorgestell ten Pläne für eine Rad- und Fußgängerbrücke über die Ilmenau als Zuwegung für den Arena-Bau lassen beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schon jetzt die Alarmglocken läuten. Seine Sorge: Die Brücke würde mitten in ein FFH-Schutzgebiet gesetzt. Von einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer hält er dennoch viel – und hat dafür sogar einen konkreten Vorschlag.

Dem Prinzip der Straßenbahn folgen

„Wir schlagen vor, die 2015 sanierte Ilmenaubrücke der sogenannten Goseburgbahn so umzugestalten, dass auch Fußgänger und Radfahrer sie nutzen können“, sagt Thomas Mitschke, erster Vorsitzender des Nabu Lüneburg. Die Idee: Das Gleisbett wird dem Prinzip der Straßenbahn angepasst, wodurch die Gleise in die Fläche integriert und ein „Mischbetrieb“ für Bahnverkehr und Fußgänger möglich wäre. „Der Aufwand gegenüber einem Neubau wäre deutlich niedriger, der Vorteil für Natur und Stadtsäckel aber immens.“

Denn vor allem der Schutz des wertvollen Areals liegt dem Nabu am Herzen. Dafür nennt Jörg-Dietrich Kaufmann, zweiter Vorsitzender des Nabu Lüneburg, gleicht mehrere Gründe: Die Ilmenau ist Bestandteil des besonders geschützten Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiets, das sowohl den Fluss als auch die Uferbereiche einschließt. Ein Eingriff wäre nur dann zulässig, wenn dieser den besonderen Schutz-Status nicht beeinträchtigt. Auch schließe der Bereich unmittelbar an ein Landschaftsschutzgebiet an.

Zuwegungen wären der Kompromiss

Aber auch geschützte Biotope und Landschaftsbestandteile sowie Entwicklungsflächen für sogenannte Trittsteinbiotope – wichtige Verbindungsachsen für Insekten, Pflanzen und Amphibien, die in verschiedenen Arealen leben und auf einen „Gen-Austausch“ untereinander angewiesen sind – wären gefährdet, sollte es zu einem Neubau kommen. „Außerdem ist der gesamte Verlauf der Ilmenau Lebensraum des besonders geschützten Fischotters“, erklärt Kaufmann.

Doch es gibt noch mehr Hindernisse: „Die Ilmenau ist Überschwemmungsgebiet, dafür gibt es besondere Auflagen“, sagt Mitschke. Hinzu komme, dass die Ilmenau immer noch eine Bundeswasserstraße ist, „der Bund wäre ein weiterer Verhandlungspartner“.

Es handelt sich um eine Eisenbahnbetriebsanlage

Zwar müssten für die Nutzung der Brücke auch für Fußgänger und Radfahrer Zuwegungen geschaffen werden, doch das wäre der „Kompromiss“, den der Nabu bereit sei, als Alternative für einen Neubau einzugehen.

Auch mögliche Gefahren durch eine Doppelnutzung von Bahn- und Fußgängerverkehr sehen die beiden Nabu-Vorstände nicht. „Bahnbegleitpersonal könnte Fahrten vorab sichern, das ist bei Industriebahnen durchaus üblich.“ Und sie weisen darauf hin, dass die Bahnstrecke offenbar schon seit Längerem nicht mehr genutzt werde. Dem widerspricht Lars Strehse, Geschäftsführer der Hafen Lüneburg GmbH als Betreiberin der Bahnstrecke, zwar nicht. Er macht aber deutlich, dass es sich bei der Brücke um eine Eisenbahnbetriebsanlage handelt, die „vollumfänglich in Betrieb ist“.

Eines aber, was sich vor allem der Landkreis als Arena-Bauherr von einer Fußgängerbrücke über die Ilmenau verspricht, werde es Mitschke zufolge wohl nicht geben: eine Entlastung der noch ungelösten Parkplatzsituation. „Es ist mir rätselhaft, wo in der Goseburg die Parkflächen sein sollen, auf die der Landkreis setzt.“ Für die Lösung dieses Problems aber soll die Fußgängerbrücke eigentlich sorgen.

Vorhandene Ressourcen nutzen

Zum aktuellen Stand der Planungen heißt es seitens der Stadt, man sei ganz am Anfang. Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel: „Es hat erste Überlegungen gegeben, welcher Standort sinnvoll für die Querung ist, und es haben erste Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde stattgefunden, da es sich ja um ein FFH-Gebiet handelt und hier deshalb besonders sensibel geplant werden muss.“

Doch genau das möchte Thomas Mitschke verhindern: „Mit Blick auf den tiefen ökologischen Fußabdruck, welchen wir hinterlassen, aber auch mit Blick auf den Finanzetat in Stadt und Kreis gilt es, zusammenzurücken und vorhandene Ressourcen zu nutzen.“

Von Ulf Stüwe