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Gemeinsam im Stroh kuscheln, fanden Labradorhündin Luna und die drei Lämmchen tierisch schön. Foto: t&w

Luna und ihre Lämmchen

Lüneburg. Luna liegt geschafft auf dem Teppich, gönnt sich erstmal eine Ruhepause. Gerade hatte sie mal wieder ein waches Auge auf Max, Moritz und Karlchen, die auf staksigen Beinchen im Garten der Familie Corleis über den Rasen getollt sind. Die Familie hatte die verwaisten, erst wenige Tage alten Moorschnucken-Lämmchen bei sich aufgenommen. Labradorhündin Luna erwies sich für das Trio als liebevolle Ersatzmama .

Max und Moritz wurden vor drei Wochen im Lüneburger Arche-Park geboren, in dem alte Nutztiere leben und für den Erhalt gezüchtet werden. Darunter auch vier Weiße Hornlose Moorschnucken. „Die Mutter von Max und Moritz ist nach der Geburt gestorben“, erzählt Lenja Corleis. Deren Vater Frank ist Leiter des Schubz, das den Arche-Park am Ochtmisser Kirchsteig betreibt. Schnell waren sich Lenja und ihre Mutter einig: Wir nehmen die Lämmchen bei uns auf. Denn die anfängliche Versorgung rund um die Uhr war im Arche-Park schwer zu leisten, dazu war es dort im Stall für die Frischgeborenen viel zu kalt. Kurz darauf kam Karlchen als tierisches Pflegekind noch dazu. Die Mutter hatte ihn nicht angenommen, weil sie keine Milch hatte.

Alle zwei Stunden das Fläschchen

Schnell wurde in der Waschküche im Keller des Hauses ein Ersatz-Stall für die Drei eingerichtet. Dick mit Stroh ausgelegt, darüber eine Wärmelampe. „Damit sie überhaupt trinken, müssen sie gewärmt werden“, klärt Lenja auf. Und das mit dem Trinken war für Mutter und Tochter in den ersten Tagen ein Rund-um-die-Uhr-Job. Anfänglich mussten sie Max und seinen Kumpanen alle zwei Stunden das Fläschchen geben. Nachts wechselten sie sich ab. Mit dem Fieberthermometer wurde jedes Mal gemessen, ob die Milch auch genau 38,5 Grad warm ist. Denn zu kalte Milch schlägt den Lämmlein auf den Magen und führt zu Durchfall.

Die Fläschchen hatte eine tierliebe Nachbarin auf die Schnelle gestiftet, ebenso das erste Milchpulver, Baby-Anfangsnahrung. „Das hatte uns ein Schäfer aus Bleckede empfohlen, zu dem mein Mann Kontakt aufgenommen hatte“, berichtet Linda Corleis. Die Schäferei hatte außerdem Biest-Milch zur Verfügung gestellt, die Säugetiere normalerweise nach der Geburt an ihre Nachkommen abgeben. Die ist wichtig, weil sie das Immunsystem des Nachwuchses stärkt.

„Die erste Zeit war schon anstrengend, aber wir haben viel gelernt. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sich die Drei entwickelt haben“, sind sich Mutter und Tochter einig. Die süßen Tierkinder begeisterten auch Mädchen aus der Nachbarschaft, beim Fläschchen geben halfen sie gerne. Und wenn Linda Corleis zur Arbeit und Lenja zur Schule musste, sprang Wolfgang Wagner, Tierpfleger im Arche-Park, ein.

„Luna war vom ersten Moment an begeistert“

Distanziert haben erst einmal die Katzen Lissy und Filou den Familienzuwachs beäugt. Nur gut, dass man das Schaffell im Wohnzimmer nicht mit den Böckchen teilen musste, fand Lissy. Die Katze liebt es, sich darauf auszustrecken – obwohl das eigentlich die Ruhestätte von Labradorhündin Luna ist. Aber die kann die beiden Stubentiger gut leiden, liebt es gesellig und ist ein echtes Familientier. Soll doch die Lissy ruhig auf ihrem Schaffell schlummern, scheint die gutmütige Luna zu finden, schließlich hat sie mit den Zwillingen Max und Moritz sowie Karlchen genug zu tun.

„Luna war vom ersten Moment an begeistert, als die Drei zu uns kamen. Sie hat sie sofort abgeleckt, wie sie das bei eigenen Welpen tun würde“, sagt Lenja. Ganz Ersatzmama wich sie den weißen Wollknäueln nicht von den Fersen, war immer dabei, wenn die von den Zweibeinern gefüttert wurden, kuschelte sich mit ins Stroh, um die kleinen Racker liebevoll zu wärmen und begleitete sie beim Ausflug im Garten. Die drei Hühner der Corleis fanden das zum Gackern, das Hauskaninchen beobachtete stets mümmelnd das Quartett. Eine Tier-Idylle.

Von Antje Schäfer