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Der Vorstand des Freundeskreises „Literatur in der Region“ (v.l): Norbert Meyer, Erika Tipke, Rainer Wohlfahrt und Gundula Weishorn-Ruff. Foto: Frank/nh

Bewahrer der Geschichte

Bleckede. Erika Tipke, 1. Vorsitzende des Bleckeder Freundeskreises „Literatur in der Region e.V.“, überraschte zu Beginn der Hauptversammlung mit der Erinnerung an einen besonderen Dichter, der seine letzten Lebensjahre nahe Bleckede verbracht hatte: Joseph Wittig, ein bedeutender katholischer Theologe und Schriftsteller, starb am 22. August 1949 in Göhrde. Sein Todestag jährt sich also in diesem Jahr zum 70. Mal, sein Geburtstag, 22. Januar 1879, zum 140. Mal.

Für die meisten Anwesenden war es erstaunlich zu hören, was für ein bedeutender Wissenschaftler und Volksschriftsteller sich hinter dem Namen verbirgt. Für seine revolutionären Gedanken wurde er exkommuniziert, „aber 1946 wieder in der katholischen Kirche aufgenommen“, referierte Tipke.

Erstaunlich zu hören war, dass der bemerkenswerte Theologe gemeinsam mit dem berühmten jüdischen Philosophen Martin Buber und Viktor von Weizsäcker eine Zeitschrift herausgegeben hatte. „Der Friede kommt auf die Erde nur durch die Herzen der Menschen,“ zitierte Erika Tipke den mutigen Religionsphilosophen.

Ein äußerst aktueller Erinnerungstext

Nach dem Verlust seiner schlesischen Heimat kam Joseph Wittig mit seiner Familie nach Göhrde. „Mitten im Wald, 35 Kilometer abseits von Welt, Kirche und Schule“, fand er sich wieder. Schwere Krankheiten und große Einsamkeit prägten seine letzten Lebensjahre. Gundula Weishorn-Ruff las eine Erzählung des Dichters, in der die tiefste Armut des 19. Jahrhunderts äußerst realistisch zu spüren war.

Diese Zeiten zählen zu Joseph Wittigs Leben und prägten seinen Lebensweg. Angesichts der Einführung der Alters- und Invaliditätsversicherung vor 130 Jahren ein äußerst aktueller Erinnerungstext.

Mit Spannung wurde das neue Projekt des Vereins aufgenommen. Erika Tipke: „Zu den Zielen des Freundeskreises gehört es, Gedichte von Bleckedern oder über Bleckede vor dem Vergessen zu bewahren. Hierzu haben wir kürzlich einen Aufruf gestartet.“

„Gedenken gegen das Vergessen“

Erste Erfahrungen berichtete Rainer Wohlfahrt: „Bis jetzt ist die Resonanz noch verhalten. Ein weiterer Aufruf soll im Juni über den Kultur- und Heimatkreis Bleckede erfolgen“. Personen, die weiterhelfen könnten, mögen sich an die Vorsitzende Erika Tipke oder an den zweiten Vorsitzenden Rainer Wohlfahrt wenden.

Der Freundeskreis Literatur gestaltet anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November gemeinsam mit den Schulen und dem Arbeitskreis „Juden in Bleckede“ die Feierstunde „Gedenken gegen das Vergessen“ im Schlosspark der Stadt.

Folgende Personalien ergaben die Vorstandswahlen:

Erika Tipke bleibt Vorsitzende, Rainer Wohlfahrt ihr Stellvertreter. Norbert Meyer ist Kassenwart, Gundula Weishorn-Ruff übernimmt das Amt der Schriftführerin.

Für 2019 möchte der Verein gern öffentlich wahrnehmbarer an Auguste von der Elbe erinnern. Hier hofft man auf die Unterstützung des Rates, damit „die im ausgehenden 19. Jahrhundert namhafteste Tochter der Stadt“ nicht vergessen wird. Gespräche dazu haben mit Bleckedes Bürgermeister Jens Böther bereits stattgefunden. lz