Donnerstag , 21. November 2019
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Der Artlenburger Deichverband mäht regelmäßig auf beiden Seiten der Deiche. Foto: nh

Naturschutz jenseits des Deichfußes

Hohnstorf/Avendorf. Noch weiteren Handlungsbedarf bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten an der Elbe sah der Kreistag Harburg und beauftragte die Verwaltung, die Entwürfe zu überarbeiten. Diese liegen jetzt vor und sind öffentlich ausgelegt worden. Das teilt der Landkreis Harburg mit. Somit gehen die Verfahren zur Ausweisung der geplanten Naturschutzgebiete „Elbeniederung von Avendorf bis Rönne“ und „Tideelbe von Rönne bis Bunthäuser Spitze“ in die nächste Runde. Eine wesentliche Änderung in der Schutzgebietsverordnung ist die Herausnahme eines 15 Meter breiten Streifens entlang der Deiche, der Schardeiche und technischen Bauwerke zum Hochwasserschutz in beiden Gebieten. „Die Entscheidung ist gut und in unserem Sinne“, sagt Ansgar Dettmer, Geschäftsführer des Art­lenburger Deichverbandes (ADV) auf LZ-Anfrage. Die geplanten Naturschutzgebiete liegen im Verbandsgebiet des ADV.

Furcht vor Ausgleichsmaßnahmen

Dieser hatte in seiner Stellungnahme zum Entwurf der Schutzgebietsverordnung einen 20 Meter breiten Streifen gefordert. „Aber mit den 15 Metern können wir leben“, so Dettmer.

Er betont, dass Deichunterhaltung und Hochwasserschutz auch ohne die Herausnahme des Streifens wie gewohnt gewährleistet gewesen wären. Vielmehr gehe es dem Deichverband um formale und juristische Fragen. „Es gab eine sogenannte Freistellung für den Deichbau und Unterhaltungsarbeiten. Das reichte uns nicht, weil diese jederzeit hätte widerrufen werden können. Die Herausnahme des 15 Meter breiten Streifens markiert hingegen eine feste Grenze, die Bestand hat. Das gibt uns Rechtssicherheit“, sagt der ADV-Geschäftsführer. Der Deichverband befürchtet ihm zufolge, dass Ausgleichsmaßnahmen für Deichbau und Pflegemaßnahmen fällig werden könnten für den Fall einer Rücknahme der Freistellung. „Und das könnte im ungünstigsten Fall teuer werden für den Deichverband“, so Dettmer.

Den Abstand zum Deichfuß, wie ihn der Nachbarkreis Harburg jetzt ausgewiesen hat, wünscht sich der ADV-Geschäftsführer gleichermaßen für das geplante Naturschutzgebiet „Elbeniederung von Hohnstorf bis Artlenburg“ im Landkreis Lüneburg.

„Die Forderung des Artlenburger Deichverbandes, einen 20 Meter breiten Streifen entlang der Deiche aus dem Naturschutzgebiet herauszunehmen, ist uns bekannt. Wir haben dazu mehrere Gespräche mit dem Deichverband geführt. Allerdings halten wir diese Lösung naturschutzrechtlich nicht für tragbar und sinnvoll“, sagt Kreisrätin Sigrid Vossers.

Biosphärenreservat dient als Beispiel

Wenn die geforderten Streifen entlang der Deiche herausgenommen werden, gilt das FFH-Gebiet nach ihren Worten als unvollständig und damit aus EU-Sicht nicht gesichert. „Diese Sicherung ist aber unser Ziel.“ Naturschutz stehe dem Hochwasserschutz nicht im Wege, so die Kreisrätin. Das zeige der Deichbau im streng geschützten Biosphärenreservat.

„Wir stehen mit dem Artlenburger Deichverband weiterhin im konstruktiven Austausch, und ich bin sicher, dass wir eine rechtlich einwandfreie Lösung finden werden, mit der alle Beteiligten gut leben können“, gibt sich die Kreisrätin recht optimistisch.

Von Stefan Bohlmann

Hintergrund

EU fordert besonderen Schutz

Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg bereitet derzeit die Neuausweisung der Naturschutzgebiete „Elbeniederung von Avendorf bis Rönne“ (von der Grenze des Landkreises Lüneburg bis zur Staustufe Geesthacht) und „Tideelbe von Rönne bis Bunthäuser Spitze“ (von der Staustufe Geesthacht bis zur Landesgrenze von Hamburg) vor. Der Landkreis Lüneburg muss die Elbeniederung von Hohnstorf bis Artlenburg durch eine Naturschutzverordnung sichern. Alle Gebiete müssen gemäß den Vorgaben der Fauna-Flora Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union unter besonderen Schutz gestellt werden. Die geplanten Naturschutzgebiete sind Bestandteil des FFH-Gebietes „Elbeniederung zwischen Schnackenburg und Geesthacht“ beziehungsweise dienen der Sicherung des FFH-Gebietes „Elbe zwischen Geesthacht und Hamburg“. Die überarbeiteten Unterlagen des Kreises Harburg können im Internet unter www.landkreis-harburg.de/nsgtideelbe und www.landkreis-harburg.de/nsgelbeniederung eingesehen werden.