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Christiane Schubert mit den Teilnehmern der Kräuterwanderung Philipp Mundt und Michael und Ute Gliwitzky. Foto: be

Kräuterwanderung im Forst

Vierhöfen. Vier Kilometer von Vierhöfen entfernt befindet sich das BUND Ökologiezentrum Radbruch, mitten im Wald. Seit fünf Jahren leben Christiane Schubert und ihr Mann Dittmar Fromke hier. Sie bewirtschaften das Gelände ehrenamtlich, Fromke ist eigentlich Arbeitsvermittler in Winsen, Schubert Lehrerin.

Bereits seit 30 Jahren engagiert sie sich für den BUND, dennoch hat das Leben hier draußen ihr noch einmal einen völlig anderen Bezug zur Natur eröffnet: „Vorher war vieles theoretisch, jetzt wo ich so im Einklang mit Tieren und Pflanzen lebe, erschließen sich mir ganz neue Zusammenhänge, ich genieße das sehr“, schwärmt sie.

Kräuterwanderung gut besucht

Ihre Wohnung in der Schillerstraße in Lüneburg hat sie dennoch behalten und räumt ein: „Nachts bin ich ungern allein hier draußen, wenn mein Mann nicht da ist, schlafe ich lieber in der Stadt.“ Für das Ehepaar ist klar, dass es in einigen Jahren, wenn es in Richtung Rente geht, wieder in die Stadt ziehen wird. Erstmal haben sie aber auf dem Zettel, bei einem breiteren Publikum Interesse für das Zentrum zu wecken.

„Die Öffentlichkeitsarbeit lag ziemlich brach, so dass wir mit unserem Angebot leider immer nur eine bestimmte Zielgruppe angesprochen haben.“ Das soll sich nun ändern, durch das neue Konzept „Natur erleben“ und den ersten Veranstaltungskalender, der offensichtlich Zuspruch findet: Dass es am letzten Samstag am frühen Morgen hagelt und schneit, tut der Entdeckungslust und der guten Laune der Naturfreunde, die an der vom Ökologiezentrum organisierten Kräuterwanderung im Radbrucher Forst teilnehmen, keinen Abbruch.

Mehr Experimentierfreude in Garten, Wald und Küche

Die Veranstaltung ist ausgebucht: 15 Frauen, Männer und Kinder mit viel, wenig und gar keinem Hintergrundwissen hatten sich im Vorfeld angemeldet, keiner von ihnen macht wegen des Wetters einen Rückzieher. Viele von ihnen berichten, durch den Kalender, der in Cafés, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen in der Umgebung ausliegt, auf die Wanderung gestoßen zu sein. Ein schöner Erfolg für Schubert und Fromke. Die Kräuterwelt des Frühlings erklärt Waldpädagogin Ute Heemann. Zu Beginn hat sie fast Schwierigkeiten, die Gruppe in Bewegung zu bringen, da schon am Startpunkt viele Fragen gestellt und zahlreiche unbekannte Pflanzen gesichtet werden.

Die Faustregeln der Lüneburgerin: „1. Wir kennen`s nicht, wir essen`s nicht, 2. Es gibt kein Unkraut, nur Wildkräuter, 3. Die Wildkräuter bitte essen, nicht nur rausrupfen.“ Sie rät zu mehr Experimentierfreude in Garten, Wald und Küche: Geschlossene Löwenzahnknospen könne man super in Butter und Knoblauch braten, das selbe gelte für Girsch. „Girsch nervt, jeder, der einen Garten hat flucht. Aber er schmeckt. Man kann ihn zubereiten wie Spinat, außerdem ist Girsch gutes Füllmaterial im Salat.“ Zuviel Waldmeister macht Kopfweh, lernen die Kräuterwanderer, „nicht immer ist die Bowle schuld“, sagt Ute Heeman schmunzelnd. Gerade jetzt in der Bärlauch-Saison warnt sie außerdem davor, leckeren Bärlauch nicht mit giftigen Maiglöckchen zu verwechseln.

„Für mich ist alles neu“

„Bärlauch erkennt man nicht nur am Geruch nach Knoblauch, Bärlauchblätter haben erkennbar nur einen Stiel, bei Maiglöckchen sind es eher zwei oder drei Stiele, die einander umwickeln.“ Neu ist den meisten, dass die Heilpflanze Spitzwegerich nicht nur gegen Husten hilft, sondern in zerriebener Form auch schmerzlindernd bei Wunden, Stichen und Verbrennungen wirkt, deshalb wird Spitzwegerich auch Indianerpflaster genannt. Mit Körbchen bewaffnet sammelt die Gruppe zwei Stunden gemeinsam vielfach bislang unbekannte Kräuter, danach sortieren, schneiden und stampfen Jung und Alt einträchtig.

Bei Kräuterquark, Bärlauchbutter, Brot und einer Torte aus dem vermeintlichen Unkraut Gundermann kommen die Teilnehmer, die teilweise extra aus Hamburg angereist sind, ins Gespräch. Mareike Ruhman aus Radbruch freut sich, nun mehr Pflanzen aus dem Garten nutzen zu können, ihren Kindern Lia (5) und Finn (8) haben es vor allem die Brennnesselchips angetan, Brennnesselblätter, die man nur einmal kurz in Öl anbraten muss. „Für mich ist alles neu, ich habe das erste Mal in meinem Leben einen Garten und will herausfinden, was ich damit anfangen kann“, erzählt Neu-Lüneburgerin Charlotte Gutschow. Michael und Ute Gliwitzky, die schon länger als Ehrenamtliche dabei sind, nehmen spontan noch am Kartoffelpflanz-Workshop im Anschluss teil.

Bärlauch und Maiglöckchen sind leicht zu verwechseln

Christiane Schubert ist zufrieden. Mit ihren Bildungsangeboten wollen sie und ihr Mann nicht nur „Insider“, sondern ganz unterschiedliche Menschen für ökologische Themen begeistern und zusammenbringen. „Vor zehn Jahren wäre das schwieriger gewesen, heute ist das Interesse an allen Stellen groß, jeder weiß, dass er was tun muss“, zeigt sich Schubert zuversichtlich. Außerdem seien Ehrenamtliche natürlich immer gerne gesehen, ob als helfende Hände oder als Referenten zu Fachthemen. Auch über Spenden freut sich das Ökologiezentrum Radbrucher Forst – aktuelle Projekte sind der Ausbau eines Fledermauskellers, ein Biotop für Zauneidechsen und die Verbesserung der Übernachtungsmöglichkeiten für Kinder.

Das Jahresprogramm des Ökologiezentrums Radbrucherforst ist im Internet unter www.bund-elbe-heide.de zu finden, die nächsten Veranstaltungen sind die Ameisensafari am 5. Mai und der Waldtag am 25. Mai.

Von Lea Schulze