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Nach mehr als zwölf Jahren im Amt scheidet Gellersens Bürgermeister Josef Röttgers am Monatsende aus dem Amt. (Foto: t&w)

Es gibt wichtigere Dinge im Leben

Reppenstedt. Josef Röttgers scheidet am 30. April mit zwiespältigen Gefühlen aus dem Amt. Gerne hätte er als Samtgemeindebürgermeister in Gellersen bis 2021 weitergemacht. Schließlich war er bis zu diesem Zeitpunkt gewählt. Doch eine schwere Krankheit lässt dies nicht zu, und so räumt er nun den Chefsessel im Reppenstedter Rathaus und verabschiedet sich in den Ruhestand. „Mit Wehmut“, gibt er zu. „Aber im Leben gibt es wichtigere Dinge als den Job. Und zwar die Gesundheit. Ich werde jetzt in aller Ruhe alles für meine Genesung tun.“

Mit ruhigem Gewissen übergebe er, wie er sagt, „ein gut bestelltes Haus“ an seinen Nachfolger, der am Sonntag, 26. Mai, oder eben zwei Wochen später bei einer Stichwahl von den Bürgern in der Samtgemeinde Gellersen gewählt wird.

Einst ein politisch unbeschriebenes Blatt

„Wir haben gemeinsam die Orte in der Samtgemeinde gut für die Zukunft aufgestellt“, blickt der Verwaltungschef zurück und betont dabei vor allem das nach seinen Worten hervorragende Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Mitgliedsgemeinden.

Die Ära Röttgers hatte im September 2006 mit seiner Wahl zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Samtgemeinde begonnen. Josef Röttgers, als parteiloser Kandidat der CDU seinerzeit ein politisch unbeschriebenes Blatt, setzte sich gegen die weitaus bekannteren Konkurrenten Uwe Nehring (SPD) und Andreas Meihsies (Grüne) durch. Der Kirchgellerser trat sein neues Amt am 1. Januar 2007 an, folgte als Verwaltungschef damit dem damaligen Samtgemeindedirektor Wolfgang Albrecht.

Straße für Straße abgeklappert

Der neue Chef im Rathaus war politisch ein Neuling in der Verwaltung – aber ein Fachmann. Josef Röttgers kam vom niedersächsischen Landesrechnungshof mit Büro in Lüneburg nach Gellersen. „Mit einigem Respekt vor der neuen Aufgabe“, erinnert er sich. Viele Themen habe er damals aus dem Wahlkampf heraus von den Bürgern mitgenommen, als er Straße für Straße abklapperte und nach eigenem Bekunden 80 Prozent aller Haushalte in den Dörfern der Samtgemeinde besucht hatte. „Die Wünsche der Menschen waren vor allem mehr Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder und mehr Verkehrssicherheit auf den Straßen und Wegen“, berichtet der 60-Jährige.

„Als ich im Amt begonnen habe, hatten wir keinen einzigen Krippenplatz, heute sind es mehr als 120.“ – Josef Röttgers , Bürgermeister

Vieles davon habe er dann aufgegriffen und in Angriff genommen: „Als ich im Amt begonnen habe, hatten wir keinen einzigen Krippenplatz, heute sind es mehr als 120. Dazu haben wir durchgehend eine Zweidrittel- beziehungsweise Ganztagsbetreuung für Kinder.“

Samtgemeinde ist zu einem großen Arbeitgeber geworden

Das habe zur Folge gehabt, dass sich im Laufe der Jahre die Zahl der Mitarbeiter in der Samtgemeindeverwaltung von einst 70 inzwischen mehr als verdoppelt habe. „Besonders wegen des Ausbaus bei der Kinderbetreuung, die wir in kommunaler Hand halten. So ist die Samtgemeinde zu einem großen Arbeitgeber vor Ort geworden.“

Als Erfolg für sich verzeichnet Röttgers auch, dass alle Orte zukunftssicher an ein Glasfasernetz für schnelles Internet angeschlossen sind beziehungsweise es absehbar werden. „Wir haben insgesamt für eine hohe Lebensqualität in den Gemeinden gesorgt.“ Darüber hinaus sei kräftig und zukunftsweisend in Fahrzeuge und Gebäude bei den Feuerwehren investiert und alle Schulen seien auf Vordermann gebracht worden.

Auch Niederlagen eingesteckt

Doch habe er auch schlaflose Nächte erlebt. Gründe waren ihm zufolge das juristische Tauziehen um die defekte Holzhackschnitzelheizung an der Gellersenhalle in Reppenstedt ab 2008 und die Einsturzgefahr der Halle aufgrund eines Rechenfehlers in der Dachstatik 2007.

Nicht alles in seiner gut zwölfjährigen Amtszeit lief rund: „Eine ganz persönliche Niederlage für mich war die Bürgerbefragung zum Thema Einheitsgemeinde, die ich befürwortete, die aber keine Mehrheit fand.“

Das war im Oktober 2014 und ist jetzt Geschichte. „Ich werde nach meinem Abschied keine neue Aufgabe annehmen, sondern halte es frei nach Hermann Hesse mit dem Zitat ‚Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben‘.“

Von Stefan Bohlmann