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Tickets ein Fall für den Staatsanwalt

Lüneburg. Tausendfach soll eine Lüneburger Ticket-Agentur Kunden geprellt haben, der Vorwurf: Karten wurden nicht geliefert, aber der Preis wurde zum Teil mehrfach abgebucht. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den Inhaber, seine Frau und fünf ehemalige Mitarbeiter. Jetzt gibt es einen Schnitt: Die Anklagebehörde trennte die Verfahren gegen die Kollegen ab.

Gegen einen Angeklagten sei das Verfahren wegen „Geringe der Schuld“ eingestellt, berichtet der Sprecher der Anklagebehörde, Jan Christoph Hillmer. Gegen die anderen vier Beschäftigten seien wegen Computerbetrugs Verwarnungen mit Strafvorbehalt erlassen worden. Vereinfacht übersetzt bedeutet das für Nicht-Juristen: eine Bewährungsstrafe mit der Androhung einer Geldstrafe.

Die Einspruchsfrist läuft noch

Hillmer sagt, dass die Ermittlungen gegen den Chef und dessen Frau weiterlaufen: „Die sind noch nicht abgeschlossen.“ Eine Prognose, wie lange das Verfahren noch dauere, könne er nicht abgeben. Ob die Mitarbeiter die Verwarnungen annehmen, sei noch nicht klar: „Die Einspruchsfrist läuft noch.“

Wie berichtet, geht die Staatsanwaltschaft rund 3000 Fällen des möglichen Betrugs nach. In einem Teil soll der Unternehmer den Schaden aber ersetzt haben. Kunden hatten sich bei der LZ gemeldet und geschildert, dass sie beispielsweise über den Internet-Anbieter Billets für Starlight-Express, König der Löwen oder die Semperoper geordert hätten. Es habe Abbuchungen von ihren Konten geben, doch keine Karten.

Unregelmäßigkeiten auch für Mitarbeiter

Betroffene standen im Dresdener Konzerthaus, mussten aber wieder gehen, weil – anders als zugesagt – keine Tickets für sie hinterlegt waren. Eine Kundin hatte geschildert, dass ihr der Preis für Karten dreimal von ihrem Konto abgezogen worden sei. Sie sei daraufhin an die Firmenadresse gefahren und habe Druck gemacht, schließlich bekam sie Geld zurück.

Unregelmäßigkeiten hat es offenbar auch für Mitarbeiter gegeben. Mehrere ehemalige Beschäftigte hatten erzählt, dass sie Wochen auf ihr Gehalt warten mussten, dass zeitweilig keine oder zu geringe Krankenkassenbeiträge gezahlt wurden. Das Arbeitsgericht Lüneburg hatte auf eine entsprechende Anfrage der LZ erklärt, dass man im Jahr 2018 rund 30 Zahlungsklagen sowie sieben Kündigungsschutzklagen auf dem Tisch gehabt habe.

Gegenüber der LZ wollten weder der Geschäftsmann noch seine Rechtsanwältin Stellung nehmen.

Von Carlo Eggeling

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