Donnerstag , 21. November 2019
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Mohamad Darwish blickt über den Tellerrand: Für den gleichnamigen Verein stellt er Veranstaltungen auf die Beine, die zur Integration beitragen sollen. (Foto: t&w)

Beim Kochen Vorurteile abbauen

Lüneburg. Kochen ist mehr, als Speisen zu erhitzen für die nächste Mahlzeit. Kochen kann etwas mit Lebensgefühl zu tun haben, mit Genuss sowieso und mit der eigenen Kultur. Und es kann Begegnungen schaffen, im besten Falle Freundschaften. Dafür setzt sich Mohamad Darwish ein, das ist jetzt sogar sein Job.

Der 28 Jahre alte Syrer ist vor drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, seit eineinhalb Jahren lebt er in Lüneburg. In seiner alten Heimat Damaskus habe er Betriebswirtschaftslehre studiert, doch wie viele seiner Landleute musste er sich in einem für ihn fremden Land erstmal neu orientieren. Er stieß auf den Verein „Über den Tellerrand“, der sich für die Integration stark macht und dabei vor allem auf gemeinsame Koch-Veranstaltungen setzt.

Kooperationen mit der Familien-Bildungsstätte

Zusammen mit einem halben Dutzend ehrenamtlicher Mitstreiter organisiert Darwish diese Events rund ums Essen für Menschen mit und ohne Flucht­erfahrung in Lüneburg – im Rahmen eines 30-Stunden-Jobs jetzt als einer von bundesweit lediglich fünf hauptamtlichen Mitarbeitern. Er sieht sich vor allem als Sozialarbeiter. „Wir glauben ans Kennenlernen beim Kochen“, sagt der Syrer. Beim Gemüseschnippeln, Fleischbruzzeln oder Suppewürzen sollen sich Menschen unterschiedlicher Kulturen unabhängig von ihrem Bildungsgrad näherkommen, ei­nander besser verstehen lernen und Vorurteile abbauen. Doch es soll nicht nur gekocht werden, auch gemeinsames Tanzen und Spielen soll für engere Bande sorgen.

Das ist „Über den Tellerrand“

Der Verein wurde 2013 in Berlin gegründet und will dazu beitragen, dass die Integration in die Gesellschaft und soziale Teilhabe von Menschen mit Fluchterfahrung gelingt. Er ermöglicht Begegnung und Austausch auf Augenhöhe, will Freundschaften zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung fördern und beidseitig Vorurteile abbauen, Offenheit und Respekt fördern sowie Sprachkenntnisse und kulturelles Wissen weitergeben.

Finanziert werden die Mitarbeiter und Veranstaltungen vor allem mit Einnahmen aus eigenen Kochbüchern und Kochkursen, durch Bundesmittel, Sponsoren und Spenden. Das Netzwerk umfasst interkulturelle Communities in mehr als 30 Städten, wo kulinarische, künstlerische und sportliche Veranstaltungen den Integrationsgedanken fördern sollen.

Kontakt: lueneburg@ueberdentellerrand.org

Sein Büro ist bei der Evangelischen Familien-Bildungsstätte im Schatten der Johanniskirche angesiedelt, mit der Einrichtung gab es auch schon erste Kooperationen, weitere folgen. Am Sonnabend, 27. April, zum Beispiel organisiert Darwish in der Familien-Bildungsstätte unter dem Titel „Allerweltsfrauen“ ein Kochevent nur für Frauen, am Donnerstag, 9. Mai, ist in Zusammenarbeit mit der muslimischen Community der Leuphana ein Fest zum Fastenbrechen am Ende der Ramadanzeit im Zen­tralgebäude der Universität geplant. Am Freitag, 17. Mai, gibt es dann noch einmal ein Fest zum Fastenbrechen in der Familien-Bildungsstätte. Die Teilnehmer werden in allen Fällen jeweils um eine kleine Spende gebeten.

Mehr Teilnehmer erwünscht

Die Angebote will Darwish in Gemeinschaftsunterkünften bekannt machen, über soziale Netzwerke veröffentlichen und auf Faltblättern bewerben. Größere Zielgruppen sieht er zum Beispiel an der Universität und im Haus der Kulturen an der Katzenstraße. Bei den ersten Lüneburger Veranstaltungen des Vereins habe sich das Verhältnis Geflüchtete gegenüber Einheimischen die Waage gehalten. Insgesamt aber dürfen es noch mehr Teilnehmer werden.

Deshalb stellt das Team von „Über den Tellerrand“ heute ab 18.30 Uhr bei einem Info-Abend in der Familien-Bildungsstätte, Bei der St.-Johanniskirche 3, sich und seine Angebote vor. Es ist zugleich die feierliche Eröffnung des Lüneburger Büros.

Von Alexander Hempelmann