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Alltag Am Sande: Neben den Bussen fahren dort Handwerker und Zustelldienste mit ihren Fahrzeugen. Foto: t&w

Stadt will weniger Lieferverkehr im Zentrum

Lüneburg. Die Lüneburger Innenstadt ist nicht nur Anziehungspunkt für Kunden und Touristen, sondern wird auch stark frequentiert von Lieferverkehr. Den möchte die Stadtverwaltung nicht nur reduzieren, sondern ihn auch emissionsärmer gestalten. Welche Wege dazu beschritten werden sollen, stellte sie im Wirtschaftsausschuss vor.

Vorfahrt für CO₂-freie Fahrzeuge

Derzeit können Fahrzeuge unter anderem von Handwerks- und Entsorgungsbetrieben, Taxen, sozialen Diensten und Anwohnern die Fußgängerzonen im Innenstadtbereich noch mittels Ausnahmegenehmigung in der Zeit von 18 bis 11 Uhr ansteuern. Künftig soll der Lieferverkehr nur noch von 19 bis 10 Uhr möglich sein, also zwei Stunden weniger, außerdem soll es eine neue Richtlinie zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen geben. Diese könnten damit verbunden sein, dass nur noch CO₂-freie Fahrzeuge hier rollen dürfen, kündigte Oberbürgermeister Ulrich Mädge an.

Vorfahrt haben sollen zum Beispiel Elektro-Fahrzeuge. Benziner und Dieselfahrzeuge im Handwerkerverkehr sollen laut Mädge ab 2025 nicht mehr die Innenstadt ansteuern. Die Stadt will bei ihrer Fahrzeug-Flotte mit gutem Beispiel vorangehen, verweist aber auch auf Förderprogramme zur Umrüstung von Handwerkerfahrzeugen oder Lieferwagen.

Rathaus startet Pilotversuch

Ein großes Problem ist der rasant zunehmende Lieferverkehr aufgrund des Online-Handels. Bestellt ist im Internet schnell, mit ein paar Klicks ist die Sache erledigt. Doch bei der Auslieferung kommt es oft zu Problemen, weil der Paketdienst den Empfänger zu Hause nicht antrifft. Das führt zu wiederholten Fahrten. Das Start-up-Unternehmen Pakadoo bietet dazu eine Lösung an. Dazu muss der Arbeitgeber, beziehungsweise ein Unternehmen, sozusagen Päckchenempfänger sein und erlauben, dass in der Firma an eine Paket-Station ausgeliefert wird.

Pakadoo-Chef Markus Ziegler erläuterte im Ausschuss: Sobald ein Betrieb mit seinem Unternehmen einen Vertrag schließt, kann der Mitarbeiter sich registrieren lassen, indem er einen individuellen Code beantragt. Diesen gibt er bei einer Bestellung bei einem Online-Shop mit der Adresse des Unternehmens an. Sobald das Paket im Betrieb angekommen ist, erhält der Mitarbeiter eine Benachrichtigung per E-Mail und kann dann das Paket dort abholen, wo es vom Arbeitgeber vorgesehen ist.

Bundesweit nutzen dieses System bereits mehrere Dutzend Unternehmen, auch die Stadt will fürs Rathaus sowie die Tochterunternehmen Klinikum und Psychiatrische Klinik Lüneburg einen Pilotversuch ab Sommer starten. Kosten pro Standort: 1200 Euro pro Jahr. Auch der örtliche Handel profitiere von dem System, sind sich Mädge und Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagements (LCM), einig. Denn Händler müssen nicht nur gut stationär aufgestellt, sondern auch als Online-Shop vertreten sein. Auch in Verbindung mit der Kaufhaus-Lüneburg-App könne das Pakadoo-System genutzt werden.

Ideen für die „letzte Meile“

Eine weitere Idee zur Reduzierung des städtischen Lieferverkehrs stellte Dr. Jürgen Glaser, Prokurist der Süderelbe AG & Logistik-Initiative Hamburg, vor. Smart Last Mile Logistic (SMILE) heißt das Konzept für die Belieferung der letzen Meile einer Innenstadt, das die Süderelbe AG in der Metropolregion Hamburg umsetzen möchte. Lüneburg könnte dabei federführend ein Standort sein.

Knapp gesagt, geht es dabei um eine Anlieferstation, die Kurier-, Express- und Paketdienste ansteuern. Möglicherweise wäre das eine Güterhalle am Bahnhof, die die Stadt für 20 Jahre gemietet hat. Von dort aus könnte die Anlieferung der Pakete in die Innenstadt – also die letzte Meile – mit Elektrofahrzeugen, Lastenrädern oder zu Fuß erfolgen. Zustellpunkte könnten Container an festgelegten Stellplätzen, Paket-Shops oder Paketboxen in der Innenstadt sein oder auch Poststellen von Unternehmen im Rahmen des Pakadoo-Systems. Das Konzept fand Zuspruch bei den Ausschussmitgliedern.

von Antje Schäfer