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Frank Pischke (l.) und Marc Brammer wollen mit der Dachs-Brauerei nach Lüneburg in unmittelbare Nähe zur Arena ziehen. (Foto: phs)

Dachsbrauer zieht’s nach Lüneburg

Sommerbeck/Lüneburg. Der Dachs wechselt den Bau: „Wir wollen unser Bier schon bald in Lüneburg brauen“, sagt Frank Pischke, bei der kleinen Dachs-Brauerei aus Sommerbeck zuständig für das Marketing. Pischke und sein Mitstreiter Marc Brammer (38) wollen sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllen. „Unser Traum ist es, als Lüneburger Jungs mit Lüneburger Wasser Bier in Lüneburg für Lüneburger zu brauen“, bringt es der Marketing-Experte auf den Punkt. Jetzt wird das Projekt offenbar konkret – ein Standort für die Brauerei sei schon ins Auge gefasst – in unmittelbarer Nachbarschaft zur im Bau befindlichen „Arena“. Zudem gebe es zwei Investoren, die das Projekt unterstützen, „aber namentlich noch nicht genannt werden wollen“, sagt Pischke.

Im Lüneburger Rathaus jedenfalls wird das Projekt mit großem Interesse verfolgt: „Das würde mich sehr freuen, wenn es klappt. Die Dachs-Brauerei ist ein interessantes und sympathisches Unternehmen, das mit seiner regionalen, ökologischen Ausrichtung gut in unsere Stadt passt“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) auf LZ-Anfrage.

Investitionen in Höhe von drei Millionen Euro

In der Vergangenheit hatte der Rathauschef bereits mehrere Gespräche mit dem Unternehmen geführt und versucht zu unterstützen, Kontakte zu vermitteln. „Seitdem hatte ich länger nichts gehört. Umso schöner, wenn sich etwas entwickelt hat“, so Mädge. Erste Bemühungen, die Dachs-Brauerei nach Lüneburg umzusiedeln, waren noch gescheitert. Pischke und sein Kompagnon mussten um- und neu planen.

Herauskristallisiert hat sich jetzt ein Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zur „Arena“. Pischke freut sich: „Für unsere Zwecke geradezu ideal.“ Spätestens im Juli solle die Finanzierung für das Drei-Millionen-Euro-Projekt stehen, Mitte 2020 dann das erste Bier am neuen Standort gebraut werden.

Die Nähe zur „Arena“ sei bewusst gewählt, deshalb hänge der Erfolg des Brauerei-Projektes auch von der Fertigstellung und Eröffnung der Veranstaltungshalle ab. Auch wenn die aufgrund der jüngsten Kostenexplosion beim Bau in die Schlagzeilen geraten ist (LZ berichtete). „Die ‚Arena‘ ist Teil unseres Geschäftsmodells“, sagt Pischke, „mit ihr steht oder fällt unser Geschäftsmodell“, gibt der Jungunternehmer unumwunden zu. Der 43-Jährige untermauert seine Worte mit Zahlen: 350 000 Liter sollen in der neuen Brauerei jährlich gebraut werden, 100 000 Liter hoffen die beiden, bei Veranstaltungen in der „Arena“ an durstige Kehlen ausschenken zu können.

Weltweit ist der Biermarkt hart umkämpft, aber regionale Produkte – sogenanntes Craft-Beer – findet immer mehr Liebhaber. Unter „Craft-Beer“ versteht man im engeren Sinne solche Biere und Biersorten, die in kleinen, unabhängigen Bier-Manufakturen auf handwerkliche und traditionelle Art und Weise produziert werden. „Also genau das, was wir machen“, sagen Brammer und Pischke.

Besucher wollen regionale Produkte

Über mangelnden Absatz ihres Gerstensaftes können die beiden nicht klagen. „Viele industriell hergestellte Biere sind bei Blindverkostungen doch gar nicht mehr unterscheidbar. Die Standardbiere gibt es so in jeder Stadt in jeder Kneipe. Sie sind austauschbar geworden“, kritisiert Pischke, der deshalb bei den Verbrauchern einen Trend zu regional erzeugten Produkten erkennt: „Davon profitieren auch wir“, ist er überzeugt.

Die beiden Bier-Experten haben sich schlau gemacht: „2018 hatten wir in Lüneburg 353 000 Übernachtungen.“ Und viele dieser Lüneburg-Besucher würden ganz bewusst nach Spezialitäten aus der Region fragen – eben auch nach Bier, das in Lüneburg gebraut werde.

Um diese Nachfrage zu decken, dafür sei der bisherige Standort in Sommerbeck zu klein: Hier liegt der Bier-Ausstoß bei 30 000 Liter jährlich. „Mehr geht hier auch nicht“, sagt Pischke.
Aufgeben wollen die beiden ihren Standort in Sommerbeck aber nicht: „Ich kann mir gut vorstellen, die Anlage dann als kleine Hexenküche weiter zu betreiben“, sagt Marketing-Experte Frank Pischke – „für die Entwicklung neuer Rezepturen.“

Von Klaus Reschke