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Diamantene Hochzeit
Wilhelm und Gertrud Petersen sind ein Leben lang zusammengeblieben. Für sie ein großes Glück. (Foto: hof)

Seite an Seite durchs Leben – und das seit 60 Jahren

Lüneburg. Gertrud und Wilhelm Petersen erinnern sich noch gut an ihre erste Begegnung. Es war das Jahr 1958. Sie waren gerade mit einer Reisegruppe auf dem Weg in den Sachsenwald, jeder in einem anderen der beiden Busse, als die Fahrer für Gruppenfotos eine Pause einlegten. Auf der einen Straßenseite stand Gertrud, die 1945 aus Westpreußen mit ihrer Familie nach Visselhövede im Kreis Rotenburg geflüchtet ist, auf der anderen Wilhelm, gebürtiger Lüneburger. „Da muss er sich wohl in mich verguckt haben“, sagt die heute 80-Jährige. Seitdem sind mehr als 60 Jahre vergangen – das Paar feiert seine diamantene Hochzeit im Kreise der Familie.

Nach ihrer ersten Begegnung ging alles ganz schnell: Noch im selben Jahr verlobten sich die beiden, ein Jahr später fand die Hochzeit in der Stube von Wilhelms Mutter in der Lüneburger Papenstraße statt.

Nur die engste Familie war dabei

Es war keine Großhochzeit, nur die engste Familie war dabei. „Für etwas Größeres fehlte uns damals das Geld“, sagt Wilhelm, der heute 83 Jahre alt ist und zu der Zeit als Gehilfe in der Landwirtschaft arbeitete. Als dann kurz darauf die erste Tochter zur Welt kam, bezog die junge Familie ihre erste eigene Wohnung im Lüneburger Stadtteil Kreideberg.

Bald wuchs die Familie, fünf Kinder hat das Ehepaar heute. Dafür musste eine größere Wohnung her. In Neu Hagen fanden sie eine passende Bleibe – bis heute. Seit 1966 wohnt das Ehepaar in ihrer Vierzimmerwohnung der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft. Einen Beruf hat Gertrud nicht erlernt, mit fünf Kindern hatte sie aber genug zu tun: „In unserer Wohnung herrschte immer Trubel.“

Wilhelm arbeitete bis zur Rente als Kraftfahrer im Fernverkehr und war meist mehrere Tage am Stück unterwegs, seine Familie sah er oft nur am Wochenende. Wann immer es ging, verbrachte die Familie ihre Zeit an der frischen Luft – in ihrem Schrebergarten im Kleingartenverein Krähensaal.

Nicht ohne Meinungsverschiedenheiten

Neben Beeten mit Kartoffeln, Bohnen, Salat und Zwiebeln blühten auch immer englische Rosen im Garten – Gertruds Lieblingsblumen. Und einen Fischteich hatten sie auch, der war Wilhelms Hobby. „Der Garten war das Schönste, was wir hatten“, sagen die beiden. Doch vor zwei Jahren musste das Ehepaar den Garten aufgeben. Wilhelm wurde krank, die Arbeit war nicht mehr zu schaffen.

60 gemeinsame Jahre vergehen nicht ohne Meinungsverschiedenheiten. Doch die waren immer schnell wieder vergessen. Das Leben mit all den schönen Erinnerungen – das habe sie zusammengeschweißt. Und sie können sich immer aufeinander verlassen: „Gertrud hat mir versprochen, mich niemals in ein Altenheim zu geben“, erzählt Wilhelm. „Und wir haben uns bei der Hochzeit geschworen, dass wir zusammenbleiben, bis dass der Tod uns scheidet. Dass man gleich zum Rechtsanwalt läuft, wenn mal etwas nicht so gut läuft – das kennen wir nicht von früher“, sagt Gertrud.

Von Anna Hoffmann