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Kanu-Touren
Das Paddeln auf der Luhe und Teilen der Ilmenau unterliegt künftig strengeren Regelungen. (Foto: A/t&w)

Fahrverbot an Himmelfahrt und Pfingsten

Lüneburg. Mit dem Kanu auf der Ilmenau oder der Luhe paddeln, ist auch künftig erlaubt – aber mit Einschränkungen. Die beiden Flüsse dürfen künftig nur noch zwischen 9 Uhr und 20 Uhr von Booten und Flößen befahren werden, an Christi Himmelfahrt und Pfingsten sollen die Gewässer – genau wie ganzjährig die Lopau – für Ausflügler komplett gesperrt werden. Für die Ilmenau gilt die Regelung für den Bereich zwischen Uelzener Kreisgrenze und Stadtgrenze Lüneburg.

So sieht es die „Kanu-Verordnung“ vor, die der Umweltausschuss des Lüneburger Kreistags in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich auf den Weg brachte. Am Montag, 13. Mai, soll der Kreistag die endgültige Entscheidung treffen, damit die Verordnung zum 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten kann.

„An Himmelfahrt und Pfingsten steht die Natur an unseren Gewässern durch den Ausflugsverkehr besonders unter Stress“, erklärte Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg, den Ausschussmitgliedern. „Das merken wir seit Jahren an den Rückmeldungen aus der Bevölkerung und durch unsere Naturschutzwarte.“

Auszeit für seltene Tiere

Dabei sind Ilmenau, Luhe und Lopau streng geschützt, denn sie bieten Lebensraum für Arten wie Eisvogel und Fischotter, die anderswo längst ausgestorben sind. „Mit der neuen Kanuverordnung schaffen wir eine Auszeit, in der die Tiere ungestört ihrer Futtersuche und ihrem Brutgeschäft nachgehen können“, sagte der Fachdienstleiter. Es gebe kaum noch Gewässer, die nicht reglementiert sind. Wir müssen eine Regelung treffen, sonst kommen alle Paddler zu uns.“

„Mit der Verordnung schaffen wir nun klare Regeln, die angemessenen Raum für Mensch und Natur bieten.“ – Stefan Bartscht, Leiter Fachdienst Umwelt

Tagsüber soll es durch das Zeitfenster zwischen 9 und 20 Uhr weiter gute Möglichkeiten für Paddler und Erholungssuchende geben, auf dem Wasser unterwegs zu sein. Die neue Regelung gilt nicht für Wassersportler, die in Vereinen organisiert sind. Für sie sieht die neue Verordnung eine Ausnahme vor.

„Zusammen mit den Kanu-Verleihern und vielen anderen Akteuren sind wir in den letzten Jahren schon wichtige Schritte gegangen: Eine Kennzeichnung der Boote, bessere Aufklärung von Ausflüglern und Paddel-Anfängern“, sagt Stefan Bartscht. „Mit der Verordnung schaffen wir nun klare Regeln, die angemessenen Raum für Mensch und Natur bieten.“

Die Hoffnung von Politik und Verwaltung: Dass Störungen und Vandalismus in den Naturschutzgebieten, besonders an den Feiertagen, damit endlich ein Ende haben.

Ein weiter Weg bis zum Beschluss

Bis es zu dem Beschluss kam, hatten die Ausschussmitglieder aber einen weiten Weg zurückgelegt. Norbert Thiemann (CDU) etwa wandte sich strikt gegen den Entwurf der Verwaltung, der noch ein Paddelverbot ab 18 Uhr vorsah. „Wir stimmen dem nicht zu.“ Dem schloss sich Christian-Eberhard Niemeyer (AfD) an.

Für die SPD stellte Hinrich Bonin den Antrag, das Paddeln bis 20 Uhr zuzulassen, Bernhard Stilke (beratendes Mitglied) schlug 19 Uhr vor, wies aber auch darauf hin: „Ich habe gesehen, welche Schäden auch kleine Boote verursachen können.“

Ein Plädoyer für strenge Schutzbestimmungen hielt Thomas Mitschke, als Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) beratendes Mitglied im Ausschuss. „Die Ilmenau ist FFH-Gebiet, das ist der höchste Schutzstatus, den es gibt. 18 Uhr muss die Grenze sein, wann sollen Vögel denn noch auf Nahrungssuche gehen? Wir haben ein massives Artensterben. Es kann doch nicht sein, dass wir die Natur bis zuletzt auspressen.“

Absprache mit dem Kreis Uelzen?

Jürgen Hövermann (CDU) kritisierte das Vorgehen: „Der Landkreis Uelzen hat keine Kanu-Verordnung, und wir preschen vor. Warum sprechen wir uns nicht erst mit Uelzen ab, wir haben doch keinen Zeitdruck?“ Mit einer Verordnung, die 20 Uhr als Grenze vorsieht, könne auch sie leben, erklärte Nicole Ziemer (SPD).

Zur Abstimmung: Mehrheitlich abgelehnt wurde der Antrag, die Kanu-Verordnung zu vertagen, bis eine gemeinsame Regelung mit dem Landkreis Uelzen gefunden ist, ebenso die ursprünglich vorgesehene 18-Uhr-Regelung. Für die Verordnung, die die Erlaubnis für das Paddeln zwischen 9 und 20 Uhr enthält, stimmten sieben Ausschussmitglieder, zwei waren dagegen, zwei enthielten sich.

Von Ingo Petersen