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Bei der Diskussion um den Bau der Arena stand Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer meist im Vordergrund und Landrat Manfred Nahrstedt (beide SPD) mehr im Hintergurnd. Foto: t&w

„Viele Fehler von Vielen“

Lüneburg. Am Tag, nach dem im Kreishaus der Misstrauensantrag der Grünen gegen den Ersten Kreisrat eingegangen ist, geht Jürgen Krumböhmer selbst in die Offensive. Zum „alleinigen Sündenbock“ will sich der Volljurist nicht machen lassen. „Viele Fehler sind von vielen Personen gemacht worden“, betont er – ohne dabei ins Detail zu gehen.

Einen Fehler hat Krumböhmer gemacht und vor wenigen Wochen auch eingeräumt. Als im vorigen November neue Zahlen zum Stand der Baukosten für die Arena Lüneburger Land eingingen, habe er diese zunächst „falsch eingeschätzt“, hatte er Mitte März in den Gremien des Kreistags eingeräumt.

„Nun wird eine Hexenjagd auf mich eröffnet“, kritisiert er. Krumböhmer ist damals als Projektleiter für den Bau abberufen worden, dessen Kosten sich binnen eines Jahres von 10,3 Millionen Euro (netto) auf 25,8 Millionen Euro (brutto) katapultiert haben.

Auf Krumböhmers Tisch lagen zahlreiche Großprojekte

„Man sollte so fair sein, Opfer und Täter nicht zu verwechseln“, appelliert der Erste Kreisrat an die Kreispolitik. Unter ihren Augen war Krumböhmer mitunter zeitgleich für zahlreiche große Infrastrukturprojekte zuständig – Glasfaserbau, Nahverkehrsplan, Alpha E, Elbbrücke und Reaktivierung der Bahnstrecken – verantwortlich. „Dafür musste ich regelmäßig von Montag bis Sonntag arbeiten und auch während meiner Urlaube.“

Was Krumböhmer zudem nicht versteht, ist, dass die Grünen zuvor nicht das Gespräch mit ihm gesucht hätten. So habe er „keine Chance gehabt, belegbare Fakten einzubringen“, wundert sich der Sozialdemokrat über die Partei, die er „für ihre offene Diskussionskultur, Transparenz und Bürgerbeteiligung“ ansonsten sehr schätze.

Seit Juli 2007 Erster Kreisrat

Die Grünen betonen in ihrem Antrag, dass das „Vertrauensverhältnis zur Verwaltungsspitze nachhaltig gestört“ sei: „Daher reicht dort die anstehende personelle Veränderung (Anm.: gemeint ist die Neuwahl des Landrates am 26. Mai) nicht aus.“ Das Vertrauen, das für eine künftige Zusammenarbeit erforderlich wäre, sei nicht mehr gegeben.

Jürgen Krumböhmer ist seit Juli 2007 Erster Kreisrat. 2014 wurde er vom Kreistag einstimmig bis Mitte 2023 in seinem Amt bestätigt. Der 59-Jährige kennt das Geschäft hinreichend. Daher wundert ihn eines nicht: „Politik kann ein hartes Geschäft sein und in einem harten Geschäft müssen zu Wahlkampfzeiten bei einem anstehenden Wechsel auf dem Stuhl des Landrates auch andere Stühle freigeräumt werden, um sie aus den eigenen Reihen nachzubesetzen.“ Wenn dies auch im Landkreis der Fall sein sollte, „sollte man öffentlich dazu stehen und mir nicht Dinge vorwerfen, die mit der objektiven Faktenlage überhaupt nichts zu tun haben.“

Würde es zu einer Abwahl kommen, hätte Krumböhmer bis zum Ende seiner eigentlichen Amtszeit Anspruch auf 71,75 Prozent seiner Bezüge.

Von Marc Rath

Kommentar

Die Fakten müssen auf den Tisch

Von Marc Rath

Na klar: Es ist in diesen Tagen nur allzu reizvoll, den Ersten Kreisrat verantwortlich für so vieles zu machen, was da im Kreishaus zuletzt schiefgelaufen ist. Davon gibt es offensichtlich eine ganze Menge. Aber ob das an nur einer Stelle festzumachen ist? Dies lässt sich herausbekommen, wenn man die jetzt angekündigte Aufklärungsoffensive zur Aufarbeitung der Explosion der Arena-Kosten auch wirklich ernst meint und dann die Fakten auf den Tisch legt.

Wenn man diese Aufklärung ernst nimmt, verbietet sich aber auch eine Vorab-Verurteilung – auch wenn sie im aktuellen Wahlkampf noch einmal so richtig für Zunder sorgt. Dafür sollte sich der Kreistag zu schade sein. Nichtzuletzt muss sich die Kreispolitik selbst fragen, ob sie selbst ihrer Kontrollpflicht ausreichend nachgekommen ist. Zudem wird die Rolle von Landrat Manfred Nahrstedt zu beleuchten sein. Wenn sich Jürgen Krumböhmers zarte Andeutungen bewahrheiten, wird die Luft für den Landrat auf den letzten Metern im Amt dünn.

Dabei darf die Kernfrage nicht auf der Strecke bleiben: Was für ein Bau ist jetzt noch möglich und nötig und wie kann er so kostensparend wie möglich gebaut werden?

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