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Ein Schwarzstorch wie dieser auf einem Archivfoto fand den Weg in den Garten von Kerstin Hantel in Dahlenburg. Foto: privat/Kelm

Seltener Schwarzstorch zu Gast

Dahlenburg. Nur ein paar Augenblicke dauerte das seltene Naturschauspiel im Garten von Kerstin Hantel in Dahlenburg. Ein Schwarzstorch landete an ihrem kleinen Gartenteich, blieb drei bis vier Minuten fast regungslos stehen. Dann fühlte er sich gestört. Denn Kerstin Hantel griff zur Handy-Kamera, um den einmaligen Moment im Bild aus der Entfernung festzuhalten. „Leider musste das Fotografieren schnell gehen. Deshalb kam keine besonders gute Bildqualität zustande“, sagt sie. Einen Schwarzstorch habe sie in der Region bislang nur im Tierpark gesehen.

Goldfische im Visier gehabt?

Heinz Georg Düllberg von der vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg bestätigt, dass die Sichtung eines Schwarzstorches in der Tat eine ausgesprochene Rarität ist. „Das ist schon etwas Besonderes, einen Schwarzstorch zu Gesicht zu bekommen. Im Gegensatz zu den im Vergleich schon fast zutraulichen Weißstörchen sind Schwarzstörche sehr scheu und meiden die Nähe von uns Menschen“, sagt er. Die Vögel benötigen ihm zufolge viel Ruhe. Zudem sei ihr Bestand kleiner, weil es kaum noch große und entlegene Wälder gibt, die Schwarzstörche als Lebensraum benötigen.

Im Landkreis Lüneburg seien die Tiere daher nur sporadisch anzutreffen. „Wir haben weniger als zehn Brutpaare. Regelmäßig sind zwei bis drei da, überwiegend in Amt Neuhaus in der großen und weiten Carrenziener Forst“, berichtet Düllberg. Dennoch sei im vergangenen Jahr im Bereich Dahlenburg schon einmal ein Schwarzstorch gesichtet worden. „Das spricht dafür, dass es in der Nähe vermutlich ein Brutpaar gibt.“

Er hat es auf die Fische im Teich abgesehen

Heinz Georg Düllberg glaubt deshalb auch, dass der Vogel den Gartenteich von Kerstin Hantel abermals besuchen wird. „Er hat es auf die Fische im Teich abgesehen. Denn Fisch steht bei Schwarzstörchen deutlich häufiger auf der Speisekarte als bei Weißstörchen“, erläutert der Experte. Darum brüten die schwarzen und etwas kleineren Artgenossen nicht nur in ruhigen Wäldern, sie bevorzugen darüber hinaus die Nähe zu Gewässern. Aber nur dort, wo sie auch wirklich ungestört sind. „Sind etwa Spaziergänger in der Nähe, sind die Schwarzstörche schnell weg und brüten nicht.“

Bereits erfolgreich war die Brut bei den Weißstörchen in Bleckede. „Vier Junge sind in dem Nest auf der alten Bäckerei geschlüpft. Das ist wunderbar im Biosphaerium zu beobachten. Dort gibt es eine Live-Übertragung aus dem Nest.“ Dass der Nachwuchs jetzt schon da ist, wundert Düllberg. „Das ist schon extrem früh. Vielleicht ist es aber ja ein Hinweis darauf, dass wir ein gutes Storchenjahr bekommen werden“, hofft er.

Von Stefan Bohlmann