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Der Blick in die Zukunft: Eine Studentin testet im Digital Leadership Lab der Leuphana Universität eine Virtual-Reality-Brille. Foto: Privat

Lüneburg wird zum Freiluft-Labor

Lüneburg. Im Herbst soll die Servicestelle für das Ehrenamt an den Start gehen – als eines der ersten von insgesamt 15 Experimenten im Rahmen des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“. Eineinhalb Jahre lang wird sie ein Anlaufpunkt sein für Menschen, die sich in ihrer Freizeit engagieren oder sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit interessieren. Dort sollen sie zum Beispiel Unterstützung finden, wenn es um die Suche von Räumlichkeiten für Veranstaltungen oder um rechtliche oder finanzielle Fragen geht. Gleichzeitig ist die Servicestelle aber auch dazu gedacht, engagierte Lüneburger mit bereits bestehenden Initiativen zu vernetzen und gemeinsam zu überlegen, wie das Ehrenamt noch besser gefördert werden kann.

1,5 Millionen Euro fließen nach Lüneburg

Wie berichtet, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung Ende 2018 Lüneburg neben sechs weiteren Städten unter die Gewinner des bundesweiten Zukunftsstadt-Wettbewerbs gewählt. Ursprünglich waren mal 160 Kommunen im Rennen. 1,5 Millionen Euro fließen in die Region.

Die Mittel machen es möglich, dass Lüneburg über dreieinhalb Jahre hinweg zu einer Art Reallabor werden kann: So lange hat das Projektteam, bestehend aus städtischen Mitarbeitern, Personal der Leuphana Universität, Studenten und weiteren Aktiven, Zeit, 15 Experimente zu planen, durchzuführen, auszuwerten und bestenfalls dann auch zu verstetigen. Dass diese parallel auch beforscht werden, ist für den Lernprozess besonders wichtig.

Teilprojekt „Lüneburg Maps“

Darauf macht Dr. Antje Seidel aufmerksam, sie hat das Projekt über Jahre hinweg gemeinsam mit Annika Weiser koordiniert. Inzwischen ist sie wieder als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni tätig und betreut das Teilprojekt „Lüneburg Maps“, bei dem es darum geht, den Radverkehr zu fördern. Dabei greift das Team auf die jahrelangen Vorarbeiten des Experten Dr. Peter Pez zurück. Ziel ist eine aktuelle, offene Datenbasis, die für Navigationsapps verfügbar sein und Radler sicherer und vor allem über attraktivere Strecken führen soll.

Seidel nennt generelle Fragen, die sie und ihre Kollegen vor allem bei der wissenschaftlichen Begleitung umtreiben: „Wir möchten gern erfahren, ob die Projekte angenommen werden, ob die Dienstleistungen funktionieren und ob sie mit dem Bedarf zusammenpassen.“ Ziel aller „Lüneburger Lösungen“, die in der zweiten Phase des Zukunftsstadt-Projekts entwickelt wurden, sei es, dass die Region langfristig einen Nutzen davon habe.

„Hier leben und hier bleiben“

Dass es vergleichsweise ruhig um das Projekt geworden ist, hat einen Grund: So gibt es zwar eine Förderzusage, auch wurde der 60-seitige Vollantrag im Februar eingereicht, noch müssen die Hansestadt und die Leuphana Universität aber etliche Feinheiten mit dem Projektträger abstimmen. Die hängen mit dem noch ausstehenden Förderbescheid zusammen.

Nebenher laufen für einige Projekte aus den vier Schwerpunktbereichen „Hier leben und hier bleiben“, „Lokal einkaufen und mobil sein“, „Füreinander und miteinander“ und „Grün und zukunftsfähig“ aber bereits Vorbereitungen. In einem Seminar an der Uni beschäftigen sich Studenten und Akteure aus den ersten beiden Projektphasen zum Beispiel mit Details von fünf Experimenten. Darauf, dass das in Forschungsprojekten nicht unbedingt die Regel ist, macht Antje Seidel aufmerksam. Sie ist überzeugt: „Für die Studenten ist das eine tolle Sache.“ Ein zweites Seminar leitet Annika Weiser: Darin werden erste Ideen für Kommunikationskonzepte entwickelt, außerdem Überlegungen angestellt, wie die Lüneburger für die Reallabore, die bald starten, begeistert werden können.

Von Anna Paarmann