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Ihre Projekte haben sie weit in die Welt geführt (v.l.): Samuel Woithon, Enna Drege, Emma Mayer-Schierning, Henrike Koring, Fiene Westedt, Mika Sindram und Marc-Philipp Mache. Foto: kre

Schüler erobern die Welt

Dahlem. Die meisten von ihnen sind nicht einmal volljährig – und doch haben sie in ihren jungen Jahren schon mehr erlebt und mehr von der Welt gesehen, als so mancher Erwachsene in seinem bisherigen Leben. Emma Mayer-Schiering (17) beispielsweise war jetzt für einige Zeit in Ecuador, um dort aktiv an einem Tierschutzprojekt mitzuarbeiten – mitten im Dschungel. Mit all den damit verbundenen Herausforderungen und Schwierigkeiten.

Imagefilm in China gedreht

Samuel Woithon (18) reiste nach China, um einen Imagefilm für eine deutsche Reiseagentur zu drehen, während Enna Drege (16) und Henrike Koring (17) drei Wochen lang den Jakobsweg in Spanien gelaufen sind. Alleine – ohne Begleitung eines Erwachsenen. Vier junge Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie alle besuchen die Schule Marienau. Die Oberstufenschüler nahmen an einem Projekt für die 11. Klassen teil, das die Jugendlichen dazu bringen sollte, die Komfortzone Schule zu verlassen (LZ berichtete).

Getreu der Devise „Du kannst mehr, als Du glaubst“, sollten sich die jungen Männer und Frauen den Herausforderungen des Lebens stellen und Verantwortung übernehmen. Das haben die angehenden Abiturienten gemacht – und dabei so manches Abenteuer erlebt. Insgesamt nahmen 40 Jugendliche an dem Marienauer Pilotprojekt teil, reisten dabei zum Teil in die entlegendsten Länder der Welt, realisierten die ungewöhnlichsten Projekte. Um es vorweg zu nehmen: Alle Schüler sind heil wieder zurückgekehrt.

Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken

Vertrauen gewinnen und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken stärken – auch das ist ein Lernziel der Schule Marienau.

Wie berichtet, sollten die Elft­klässler ganz bewusst Herausforderungen meistern, die sich so im normalen Schulalltag nicht stellen. „Bei der Wahl ihrer Projekte hatten wir den Schülern freie Hand gelassen“, berichtet Lisette Buhr, an der Schule Marienau für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Eine Voraussetzung war allerdings, dass die Schüler ihre Trips selbst planen und vorbereiten mussten. Von der Routenplanung, über die Visa-Beantragung bis hin zur Klärung der Frage, welche Schutzimpfung für das Zielland vorgeschrieben ist.

Die „Fridays for Future“-Bewegung zeigt, dass Jugendliche in der Lage sind, sich selbst zu organisieren, dass sie politisch interessiert sind.

„Ein beeindruckendes Treffen“

Als politisch interessiert beschreiben sich auch Marc-Phi­lipp Mache und Mika Sindram: Die beiden Marienau-Elftklässler nutzten die Projektwoche nicht für eine Fernreise, sondern, um das politische Berlin näher kennenzulernen, mit Politikern ins Gespräch zu kommen und hinter die Kulissen des Berliner Politik-Betriebes zu schauen. Dabei trafen die Oberstufenschüler auch einen ehemaligen Marienauer – Wolf-Dieter Hasenclever, von 1986 bis 1999 Leiter der Schule Marienau. „Ein beeindruckendes Treffen“, bilanzieren Mika und Marc-Philipp. Der ehemalige Schulleiter gab den beiden unter anderem Tipps, wie der Einstieg in die Politik gelingen kann. „Zuerst etwas Anständiges lernen, lautete einer seiner Ratschläge“, fasst Marc-Philipp zusammen. Hasenclever muss es wissen, war Mitglied der SPD, Gründungsmitglied der Grünen und gehörte der FDP an. Seit 2010 als Beamter im Ruhestand engagiert er sich heute als selbstständiger Politik-, Projekt- und Unternehmensberater.

Lediglich Fiene Westedt und Samuel Woithon scheiterten mit ihrem ursprünglichen Projekt. Nicht, weil sie sich überfordert fühlten, sondern weil sie für die Realisierung ihres Vorhabens noch zu jung sind. Die beiden wollten ein Benefiz-Konzert organisieren. Bands, Veranstaltungstechnik… alles war organisiert. „Gescheitert ist das Projekt letztlich daran, dass für so eine Veranstaltung auch Versicherungen abgeschlossen werden müssen. „Und das dürfen wir erst im Alter von 21 Jahren“, bedauern die beiden.

Gründung einer kleinen Filmproduktion

Also mussten die beiden sich kurzfristig neue Projekte suchen, Fiene nahm als Gasthörerin an der Leuphana-Universität teil, Samuel stieß per Zufall auf Facebook auf ein Unternehmen, das einen Videografen für ein Filmprojekt in China für eine Reiseagentur suchte. Mit einem Kumpel hat er mit „saxacut“ eine eigene kleine Filmproduktion gegründet, neben der Schule. Das er schließlich den China-Auftrag erhielt, ist für den 18-jährigen Samuel ein Glücksfall. „Die Reise, die Unterkunft in den Hotels das wurde alles von Unternehmen bezahlt.

Der Erfolg der Schüler beflügelt auch die Schulleitung in Marienau. Auf die Frage, ob diese Projektwoche auch in künftigen 11. Klassen durchgeführt werden soll, sagt Lisette Buhr: „Auf alle Fälle!“

Von Klaus Reschke