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Markus Wilson-Zwilling kommt nicht weiter: Im Parkhaus neben dem Filmpalast laufen Bauarbeiten. Die Wege und auch der Zugang zum Kassenautomaten sind für den Rollstuhlfahrer versperrt. Foto: ca

Gruseln im Parkhaus

Lüneburg. Neulich war Marcus Wilson-Zwilling eingesperrt. Der 53-Jährige wollte sich im Film-Palast anschauen, wie es sich auf dem „Friedhof der Kuscheltiere“ ein bisschen gruseln lässt. Doch gruselig war‘s schon im Parkhaus: Der 53-Jährige sitzt im Rollstuhl: „Ich bin auf den Behinderten-Parkplatz gefahren und wollte dann ins Kino. Doch ich bin nicht rausgekommen. Die Zugänge sind mit Bauzäunen und Planen abgesperrt.“ Er rollte an der Schranke vorbei, dann die Zufahrtsstraße entlang auf die Bockelmannstraße. Einen Gehweg gibt es dort nicht, aber viel Verkehr. Ein Freund half ihm, mit dem Rollstuhl den Kantstein zu überwinden. Auf dem Rückweg setzte sich der kleine Horror fort: Den Kassenautomaten konnte Wilson-Zwilling nicht erreichen, ohne Hilfe hätte er wieder ein dickes Problem gehabt.

„Das ist ja wirklich blöd gelaufen“

„Das kann doch nicht sein“, sagt der Lüneburger. „Es muss doch irgendwo einen Ausgang für Rollifahrer und Menschen geben, die gehbehindert sind.“ Gibt es aber nicht. Im Rathaus sagt Sprecherin Suzanne Moenck: „Wir sind letztlich erst durch die Anfrage darauf aufmerksam geworden, in welch misslicher Lage sich Parkhaus-Nutzer im Rollstuhl dort momentan befinden. Wir bedauern das sehr.“

Das Parkhaus betreibe die Gesellschaft Lüneparken und stehe quasi unter städtischer Verwaltung, erklärt Moenck. Doch der Eigentümer sei ein anderer und der habe die Sanierungsarbeiten in Auftrag gegeben.

Offensichtlich hat niemand so recht an Menschen mit Behinderungen gedacht. Bei einem Ortstermin der LZ mit Wilson-Zwilling entschuldigten sich die Bauarbeiter sofort. „Das tut uns leid, aber wir haben ausgeführt, was man uns gesagt hat“, erklärt einer von ihnen. „Wir ändern das gern, wenn wir den Auftrag bekommen. Das ist ja wirklich blöd gelaufen.“

Sanierungsarbeiten haben 2018 begonnen

Ein zufällig anwesender Mitarbeiter von Lüneparken hingegen hatte weniger Verständnis: „Dann müssen Sie eben mit einer Begleitperson kommen.“ Und weil Wilson-Zwilling das Parkhaus mit seinem VW-Kombi verlassen wollte und wie gesagt nicht an den Parkscheinautomaten herankommt, sagte der Mann vermeintlich großzügig: „Das ist Ihr Glückstag, ich nehme Sie kostenlos mit raus.“ Der Rollifahrer wäre glücklicher gewesen, wenn er allein darüber bestimmen könnte, wann er das Parkhaus verlassen kann.

Die Sanierungsarbeiten haben 2018 begonnen und werden nun fortgesetzt. Aktuell werden laut Stadt ein Teil der Fahrbahn und der Eingangsbereich in Richtung Kino in der Ebene 0 und die Rampen zu den Untergeschossen mit einem Beschichtungssystem instand gesetzt.

Einschränkungen in einigen Bereichen

In weiteren Schritten folgen die Untergeschosse und die Treppenhäuser. Diese werden abschnittsweise auf Vordermann gebracht, sodass immer über jeweils ein Treppenhaus die Zugänglichkeit zu den Parkebenen gewährleistet wird. Weiterhin soll immer ein Parkautomat zu erreichen sein. Die Bauarbeiter haben noch drei bis vier Monate zu tun. Suzanne Moenck: „Es wird sicherlich immer wieder in einigen Bereichen zu Einschränkungen kommen, aber nicht mehr in diesem Maße.“

Und was passiert jetzt für Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen können. Moenck bedauert: „Für den ersten Bauabschnitt ist da nichts sinnvoll zu verändern. Das heißt, die Zuwegung wird tatsächlich noch ein paar Tage um den Gebäudekomplex herumführen und auch der Kassenautomat wird vorerst für Rollstuhlfahrer nicht zu bedienen sein.“

Beschilderung soll verbessert werden

Und weiter: „Lüneparken wird aber auf jeden Fall die Ausschilderung deutlich verbessern. Außerdem gilt für Rollstuhlfahrer, die nicht zum Beispiel Hilfe durch eine Begleitperson haben, dass sie vorerst auch ohne bezahltes Ticket mit ihrem Auto zur Ausgangsschranke fahren, dort den Fernsprech-Knopf bedienen und ihren Schwerbehindertenausweis vorzeigen, dann wird die Ausfahrt geöffnet. Dort ist eine Kamera angebracht. Diese Zwischenlösung soll während des aktuellen Bauabschnitts gelten, der voraussichtlich Ende kommender Woche beendet ist. Ab dem 13. Mai soll dieser Bereich wieder barrierefrei zu nutzen sein.“

Das hofft Markus Wilson-Zwilling. Denn er besucht das Kino gern, auch um mal ziemlich schräge Filme zu sehen. Ein bisschen Gruseln auf der Leinwand reicht – im Parkhaus braucht er das nicht.

Von Carlo Eggeling