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Mit digitalen Brillen in eine andere Welt eintauchen: Erika Marbs-Cornils (2.v.l.) vom Museum Oldendorf/Luhe und die Koordinatorin des Museumsnetzwerks Melanie Meyer probieren die "Virtuelle Realität" aus, Frederik Wockenfuß (l.) und Raphael Haus von der Braunschweiger Firma "Mobfish" assisitieren dabei. (Foto: t&w)

Mittendrin statt nur dabei

Lüneburg. Der jungsteinzeitliche Tonkrug in der Vitrine des Lüneburger Museums ist gewiss ein spannendes Ausstellungsstück. Doch wie wäre es, könnte man durch die Zeit reisen, und den Erschaffer dieser Töpferware bei seiner Arbeit beobachten? So etwas in der Art soll schon in knapp zwei Jahren im Museum Lüneburg sowie in zehn Partnermuseen in der Region möglich sein – und zwar mithilfe von „Virtual Reality“, kurz VR. Dazu setzen die Besucher einfach eine digitale Brille auf und tauchen ein in prähistorische – oder mittelalterliche, vielleicht neuzeitliche Zeiten, je nachdem, was das Programm vorgibt. Durch die Rundumsicht fühlt er sich so wie ein Teil des Geschehens, und nicht nur als Zuschauer.

„Wir werden die erste regionale Museumslandschaft mit Virtual-Reality-Technik sein“, sagte Düselder jetzt bei der Auftaktveranstaltung im Museum Lüneburg zu den Vertretern der Partnermuseen und dem Landkreis. Denn die Idee des Projektes ist es, mit den Partnern gemeinsam eine virtuelle Themenwelt zu erschaffen, die die Besucher an jedem beteiligten Standort erleben können. Denn so verschieden die Museen sein mögen, die angesprochenen Themen und Sammlungsbestände seien sehr ähnlich, erklärt Hannah Heberlein vom Museum Lüneburg. „Die Klammer bilden die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur und die Frage nach der Bedeutung der Natur für den Menschen.“ Denn die Natur habe über die Zeiten hinweg ganz unterschiedliche Bedeutungen für den Menschen gehabt: „Sie bedeutete Bedrohung, Arbeit, Rohstoff, Forschung, Schönheit und Verantwortung.“ Und genau diese Begriffe stehen für die sechs Themenwelten, die mithilfe von VR-Technik dargestellt werden sollen.

Mehrere VR-Brillen pro Standort

Mit diesem Angebot wollen die Museen ihre Häuser attraktiv machen, insbesondere für jüngere Gäste. Denn gerade die kleineren Museen in der Region hätten Nachwuchssorgen und die Ehrenamtlichen fragten sich: „Wer soll das nach uns übernehmen?“, sagt die Leiterin des Museums Lüneburg, Heike Düselder. Die moderne Technik könne dabei ein Schlüssel sein, die Standorte zukunftsfähig zu machen. Für dieses Projekt des Lüneburger Museums mit seinen Partnermuseen gab es im vergangenen Monat auch EU-Fördermittel in Höhe von 180 000 Euro, insgesamt sind 300 000 Euro an Kosten veranschlagt (LZ berichtete am 1. April 2019). Jeder Standort soll mehrere „Virtual Reality“-Brillen erhalten, zwischen fünf und zehn Stück allein für das Museum Lüneburg. Für die Anschaffung der Hardware hätten laut Museum zwei Lüneburger Unternehmen insgesamt 15 000 Euro gespendet.

In regelmäßig stattfindenden Workshops mit dem Braunschweiger Startup „Mobfish“, das für die technische Umsetzung und Beratung zuständig ist, sollen jetzt die Geschichten der Themenwelten entwickelt werden – und bestenfalls am Ende des Jahres auch gedreht werden. Doch schon der erste Workshop in der vergangenen Woche sorgte für fruchtbare Ergebnisse: Das Heimatmuseum Dahlenburg etwa könnte sich eine 360°-Darstellung der schönen Göhrde für die Themenwelt „Natur bedeutet Schönheit“ vorstellen, und dazu den krassen Kontrast eines ebenfalls 360°-Videos der Göhrde-Schlacht liefern. Etwas friedlicher wäre eine Idee des Arche-Zentrums Amt Neuhaus: Dies stellte in Aussicht, dass in den noch vorhandenen rustiaklen Höfen ein 360°-Film gedreht werden und damit der Bezug zur Themenwelt „Natur bedeutet Arbeit“ hergestellt werden könne.

2021 soll alles fertig sein

Ob die Videos komplett als Realfilm gedreht werden, computeranimiert oder als Mischform realisiert werden, steht derzeit noch nicht fest. Das sollen in den kommenden Workshops herausgearbeitet werden – der nächste findet am 24. Juni statt. Der Plan ist derzeit, das Projekt im Frühjahr 2021 abzuschließen – dann sollen an allen Standorten die Brillen und Themenwelten verfügbar sein.

von Robin Williamson