Dienstag , 17. September 2019
Aktuell
Home | Lokales | Einer, der allen stets zuhörte und nun sehr fehlt
Rainer Schubert ist tot. Er wurde nur 58 Jahre alt. Foto: be

Einer, der allen stets zuhörte und nun sehr fehlt

Wenn man zu Rainer Schubert ins Büro kam, um ein Wort zu reden, lehnte er sich zurück – eine Camel in der Hand, der Aschenbecher übervoll – und hörte zu. Ärger und Freude landeten bei ihm. Ein Lächeln, ein aufmunternder Blick. Irgendwie machte das den Frust etwas kleiner und man wusste, so allein war man nicht. Jetzt bleibt Rainers Stuhl für immer leer. Unser Kollege ist nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren gestorben.

Der Redakteur, der Ende 1985 aus dem Rheinland nach Lüneburg kam, war einer unser dienstältesten Kollegen. Ich habe Rainer 1986 kennengelernt, als ich ein Praktikum machte. Ich mochte ihn schon damals, und als ich 1990 erst zur Lünepost und dann zur LZ kam, habe ich immer gern mit ihm gearbeitet. Ein liebenswerter und freundlicher Mann. Rainer war damals der Ansprechpartner der Lüneburger Musikszene. Er kannte jeden Mucker, und jeder kannte ihn. 1990 erschien sein detailreiches Rocklexikon, 2007 die Neuauflage „Der Lüneburg Sound“, begleitet und unterstützt von Carsten Junge von der Sparkasse und dem Grafiker Michael Rehr-Hoffmann. Es gibt keinen besseren Überblick über das Leben der vielen, manchmal nur kurzlebigen Bands der Region.

Die Roten Rosen hat er von Anfang an begleitet

Musik war Rainers Leidenschaft, ungezählte Platten und später CDs besaß er. Dazu an die hundert Buddy-Holly-Scheiben, alle irgendwie ein bisschen anders.

Rainer wurde zum Gerichtsexperten, der nicht nur die Richter, Staatsanwälte und Verteidiger kannte, sondern auch die Wachtmeister und Protokollantinnen. Er hat mir beigebracht: „Wenn du mehr wissen willst, such‘ den Kontakt zu ihnen.“

Die Roten Rosen hat er von Anfang an begleitet. Was sich bei uns niemand merken konnte: Rainer wusste, welcher „sympathische Rosen-Star“ wann und in welcher Staffel dabei war und was er vorher gemacht hatte. Erstaunlich, dass er jede Woche regelmäßig eine neue Folge in der LZ erblühen ließ. Ehrensache, dass er für seine Urlaubszeit vorproduzierte.

Wir haben schon einmal sehr um Rainer gebangt

Rainer war aber auch ein einsamer Mensch. Manchmal ist das Leben eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, da sitzt man in einem Loch und weiß nicht so recht herauszukommen. Wir teilten ein Problem, das verbindet. Wir haben oft gesprochen, ob nicht doch etwas geht. Es ging, ein kleines bisschen.

Aber er hatte sich sehr zurückgezogen mit seinem Begleiter, dem Kater Tarny. Seine ehemalige Freundin Ute kümmerte sich rührend um Rainer und den Kater, der ja irgendwo bleiben musste.

Wir haben schon einmal sehr um Rainer gebangt, als in seiner Wohnung ein Feuer ausbrach und er so verletzt wurde, dass die Ärzte auf der Brandintensivstation in Lübeck um sein Leben kämpften. Damals hat Rainer gewonnen. Dieses Mal war der Krebs stärker als der schlaksige Mann in seinem zu weiten Anzug und der Schiebermütze.

Du warst ja ein Teil von uns

Rainer, auch wenn in Deinem Büro immer dieser kalte Qualm der gerauchten Zigaretten hing, habe ich gern da gesessen. Dir zugehört, wenn Du eine Geschichte aus den ewig scheinenden LZ-Zeiten erzählt hast und so herzlich ansteckend gelacht hast. Das ging nicht nur mir so. Du hast mir gesagt, wie sehr Du Dich gefreut hast, dass die Kollegen Dich an Deinen letzten Tagen im Krankenhaus besucht haben. Selbstverständlich, Du warst ja ein Teil von uns – auch wenn Du das wohl oft nicht merken konntest.

Rainer, mach‘s gut, alter Junge. Du fehlst.

Carlo Eggeling
im Namen der Redaktion