Aktuell
Home | Lokales | Wenn das Geld zum Wohnen nicht reicht
Ob Wohngeld gewährt wird, hängt vor allem von der Haushaltsgröße sowie vom Einkommen abzüglich möglicher steuerlicher Freibeträge des Antragstellers ab. Fotos: phs/Archiv; Montage: ele

Wenn das Geld zum Wohnen nicht reicht

Lüneburg. Wohnen in Lüneburg? Nicht wenige stehen diesem Thema mit gemischten Gefühlen gegenüber, seit die Mieten auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt klettern und klettern. Aber nicht nur Neu-Lüneburger müssen sich sorgen, eine geeignete Unterkunft zu finden. Auch Alteingesessene bleiben von der Entwicklung nicht verschont, wenn beispielsweise Staffelmieten Wohnen unbezahlbar machen. Und die Stadt? Sie kommt dem Bedarf an preiswertem Wohnraum kaum hinterher. Für Menschen mit kleinem Geldbeutel hat sie dennoch ein Angebot.

Knapp 1,4 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr an Wohngeldzahlungen gewährt, knapp 50.000 Euro weniger als 2017, wie Jens Rumpel, bei der Stadt für soziale finanzielle Hilfen zuständig, im jüngsten Sozialhilfeausschuss berichtete. Seit mehr als 50 Jahren können Menschen mit geringem Einkommen diese Sozialleistung in Anspruch nehmen, doch nicht jeder Berechtigte mache davon auch Gebrauch.

Ein möglicher Grund: Viele wissen von diesem gesetzlich festgelegten Anspruch nichts, andere glauben, gar nicht antragsberechtigt zu sein.

Rund ein Viertel aller Anträge wird abgelehnt

Und dabei ist die Chance, Wohngeld zu erhalten, gar nicht mal schlecht: Von den 1180 gestellten Anträgen wurden lediglich 265 abgelehnt. Ähnlich sah es 2017 aus: hier gab es 319 Ablehnungen auf 1280 Anträge.

Ob Wohngeld gewährt wird, hängt vor allem von der Haushaltsgröße sowie vom Einkommen abzüglich möglicher steuerlicher Freibeträge des Antragstellers ab. Anders als vielfach angenommen, spielt die Größe der Wohnung oder die Höhe der zu zahlenden Miete keine Rolle. Gleichwohl wird pro Haushalt unabhängig von der tatsächlich gezahlten Miete ein Miethöchstbetrag – berechnet aus Kaltmiete plus Betriebskosten ohne Heizkosten – festgelegt. Dieser beträgt in Lüneburg, das aktuell in Stufe fünf von insgesamt sechs Gemeindestufen eingruppiert ist, für einen Ein-Personen-Haushalt aktuell 482 Euro, für einen Zwei-Personen-Haushalt 584 Euro und für einen Drei-Personen-Haushalt 695 Euro.

Welchen Einfluss die jeweilige Gemeindestufe auf das Antragsverhalten hat, machte Rumpel anhand der Vergleichszahlen für die Jahre 2015 und 2016 deutlich. Weil Lüneburg damals von Stufe vier auf Stufe fünf hochrutschte, kletterten die Zahl der Anträge von 1117 in 2015 auf 1433 in 2016. Das ausgezahlte Wohngeld verdoppelte sich im selben Zeitraum sogar: von 770.000 Euro auf über 1,5 Millionen Euro. Ob es in zwei Jahren einen ähnlichen Sprung geben wird, ließ Rumpel offen. Dann sollen die Miethöchstsätze um 9 Prozent erhöht werden, für einen Ein-Personen-Haushalt auf dann 525 Euro.

Keine Stigmatisierung durch Wohngeld

Doch nicht nur Mieter, auch Eigenheimbesitzer können in den Genuss von Wohngeld kommen, das in diesem Fall als Lastenzuschuss gewährt wird.

Wie wichtig Wohngeldanhebungen auch für den städtischen Haushalt sind, machte Rumpel ebenfalls deutlich. Denn bei zu geringen Beträgen rutschten die Leistungsempfänger in den Bereich der Sozialhilfe, die im Gegensatz zum Wohngeld von den Kommunen getragen wird. Und er wies auf einen weiteren Effekt hin: Menschen fühlten sich als Sozialhilfeempfänger immer noch stigmatisiert, als Wohngeld­empfänger nicht. „Wohngeld darf man haben, Sozialhilfe nicht“, fasste Rumpel das Empfinden zusammen.

Auch wenn die Höhe des Wohngeldes für den Einzelnen in der Regel überschaubar bleibt – ein Ein-Personen-Haushalt mit einem monatlichen Netto-Gesamteinkommen von 986 Euro kann gerade mal mit etwa 10 Euro Wohngeld rechnen –, sollten Mietgeplagte den Gang zum Wohngeldamt nicht frühzeitig aufgeben. Rumpel: „Es gibt viele Faktoren, die bei der Berechnung zu berücksichtigen sind und damit das Wohngeld erhöhen können.“

Von Ulf Stüwe

Wohngeld

So hoch darf das Einkommen sein

Neben der Anzahl der Haushaltsmitglieder gelten als Obergrenze für das monatliche Gesamteinkommen aller zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder die folgenden Netto-Gesamteinkommen:

  • 1 Person: 986 Euro
  • 2 Personen: 1350 Euro
  • 3 Personen: 1635 Euro
  • 4 Personen: 2127 Euro
  • 5 Personen: 2419 Euro