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Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlergruppe Göhrde, zeigt eine der Waffen Kurt-Werner Wichmanns. Im Garten fanden sich unter anderem Frauenstiefel, ein Ring und Flaschen. Foto: phs

Funde im Garten des Serienmörders

Lüneburg. 366 Asservate lagern im Raum T 10 im Keller des Behördenzentrums, Spuren im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann. Sechs Stahltüren im ehemaligen Atombunker muss öffnen, wer sie sehen will. Oder ins Internet gehen. Denn die Polizei setzt bei der Aufklärung der Göhrde-Morde, des Mordes an Birgit Meier sowie möglicher weiterer Taten des Friedhofsgärtners nun auf die Öffentlichkeit. Die sieben Männer und eine Frau der „Ermittlungsgruppe Göhrde“ präsentieren auf der Website der Polizeidirektion – https://www.pd-lg.polizei-nds.de/startseite/ – Funde der intensiven Suche in und an Wichmanns Elternhaus vor einem Jahr.

„Cadaver-Dogs“ schlugen an

423 Funde machten die Fahnder im Haus und im Garten. Dabei halfen ihnen niederländische Kollegen mit einem Bodenradar und auch Archäologen. „Keine der Spuren bringt Wichmann oder den noch lebenden, als Mittäter Beschuldigten in Verbindung mit anderen Fällen“, sagt Jürgen Schubbert, Leiter der Göhrde-Ermittler. Dennoch seien die Funde bizarr genug, um Verdacht zu erregen. Vor allem, da die ermordete Birgit Meier in der Werkstattgrube in Wichmanns Garage verscharrt worden war, und er sogar einen ganzen Ford Probe in einem Hang vergrub, in dem mit großer Wahrscheinlichkeit eine Leichte transportiert wurde. Auch ein frühes Opfer Wichmanns, das die Tat überlebte, von ihm aber für tot gehalten wurde, sollte vergraben werden. „Wichmann hatte eine Affinität zum Graben“, sagt Schubbert.

212.000 Euro kostete es, zählte Schubbert auf, das Dachgeschoss und den Garten von dem Mann umzupflügen, der gehofft hatte, dass niemals Fahnder den Weg zu dem Häuschen am Stadtrand finden würden. An und unter der Terrasse hatten „Cadaver Dogs“ angeschlagen, die auch noch extrem verweste Leichen riechen können. Es fanden sich Handtaschen, Kleidung, Autoteile, Messer, Äxte und Pistolenteile. Wäre Kurt-Werner Wiechmann der einzige Verdächtige im Fall der Doppelmorde in der Göhrde und des Mordes an Birgit Meier, würde dieser Aufwand nicht betrieben werden. Wichmann richtete sich 1993 hinter Gittern selbst. Gegen Tote wird nicht ermittelt. Aber: In Wichmanns engem Umfeld führen die Akten der Fahnder einen Mann als „Beschuldigten“. Sie vermuten, dass er Wichmann bei den Taten half.

Hatte Wichmann einen Helfer?

Besonders bizarr: Im Mord an der Hannoveraner Unternehmerin Andrea K. von 2015 fanden sich DNA-Spuren aus den Göhrde-Morden 26 Jahre zuvor. Tests ergaben: Vom „Beschuldigten“ stammten sie nicht.

Der frische Blick auf die verstaubten 2050 Spurenakten bringt neue Ansätze, sagte Thilo Speich, der stellvertretende Leiter der Ermittlergruppe. „Die Faustformel lautet: Vier alte Spuren ergeben eine neue Spur.“

Manchmal gibt es aber auch Überraschungen: Der Koffer aus dem Nachlass Wichmanns, der im Oktober 2018 der LZ angeboten worden war, brachte 53 neue Asservate für Raum T 10. Darunter ein Revolver, eine Schreckschusswaffe, die wieder scharf gemacht worden war. Man konnte mit ihr Kleinkaliberpatronen verschießen. Auf Nachfrage eines Reporters, ob nicht auch die Opfer des Göhrde-Mörders von solchen Projektilen getroffen worden waren, sagte Schubbert: „Das ist Täterwissen, deshalb behalte ich das für mich.“

Von Joachim Zießler

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