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Moderator Marc Rath (v.r.) führt die Kandidaten Erika Romberg, Markus Graff, Jens Böther und Norbert Meyer durch den Reigen der Fragen. Foto: t&w

Viele Fragen fühlen dem Quartett auf den Zahn

Scharnebeck. Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren die meisten Plätze in der Domäne besetzt, stapelweise mussten fortwährend weitere Stühle in den Saal gebracht werden. Das Interesse am LZ-Wahlforum war groß. Mehr als 150 Interessierte waren nach Scharnebeck gekommen, um die vier Kandidaten für die Landratswahl am 26. Mai kennenzulernen, ihren Ideen zu lauschen oder ihnen mit Fragen auf den Zahn zu fühlen. Jens Böther (CDU), Markus Graff (Die Linke), Norbert Meyer (SPD) und Erika Romberg (Grüne) standen Rede und Antwort bei der Veranstaltung, die LZ-Chefredakteur Marc Rath und Redakteur Malte Lühr moderierten.

Claudia Kutzick von der VHS Region Lüneburg als Gastgeberin des Wahlforums sagte zur Begrüßung, „Demokratie funktioniert nur im Miteinander.“ Und: „Die Volkshochschule sorgt dafür, dass Menschen mit unterschiedlicher politischer Auffassung zusammenkommen.“ Bevor die beiden Moderatoren die Fragerunden eröffneten, wünschte Marc Rath den Zuhörern viele neue Erkenntnisse an diesem Abend.

Die Kandidaten sollten darlegen, wie sie als Landräte entscheiden würden bei verschiedenen Themen. Deutlich wurde schnell, dass es vor allem Fragen zu Großprojekten sind, die den Bürgern unter den Nägeln brennen: Arena Lüneburger Land, Elbbrücke Neu Darchau-Darchau und der Nahverkehr waren die Schwerpunkte.

Großprojekte

Norbert Meyer: „Eine Stabsstelle für Großprojekte werde ich in der Kreisverwaltung einrichten, denn das nötige Know-how für solche Projekte ist vorhanden. Aber es werden nicht nur Juristen mitarbeiten, sondern vor allem die entsprechenden Fachleute. Das Personal dafür ist da. Bei Großprojekten muss der Landrat natürlich an erster Stelle vorangehen.“

Markus Graff: „Die Kreisverwaltung braucht klare Zuständigkeiten bei den Kompetenzen, die in den politischen Gremien geklärt werden. Ohne externen Sachverstand geht es aber auch nicht. Es werden Leute benötigt, die Ahnung haben.“

Erika Romberg: „Bevor eine Planung beginnt, muss man zunächst einmal wissen, was man will. Erst muss erst der Bedarf ermittelt werden, bevor die Verwaltung beginnt zu planen. Das gilt grundsätzlich und daher auch für Großprojekte wie die Elbbrücke.“

Jens Böther: „Erste Voraussetzung ist ein Landrat mit Entscheidungsfreude, klarer Sprache, gesunder Grundskepsis gegenüber Projektbeteiligten und Menschenkenntnis. Manchmal kann externes und professionelles Management ergänzend wirken.“

Arena-Bau

Jens Böther: „Ein Desaster, ein Unding. Jetzt müssen dringend Verkehrsführung und Parkplatzproblem geklärt werden. Erst wenn diese Fragen gelöst sind, kann der Bau weitergehen.“

Markus Graff: „Ich bin entsetzt, wie viel Ahnungslosigkeit auf Inkompetenz gestoßen ist. Ein Baustopp muss her.“

Erika Romberg: „Bei der Arena ist das Spektrum breit und bewegt sich zwischen einer Arena für Spiele in der Volleyball-Bundesliga und einer Event-Halle. Die Folge ist, dass keiner weiß, was genau gebaut werden soll. Bei den vielen Details, den vielen Sitzungen und vielen Beteiligten ist der Überblick verlorengegangen.“

Norbert Meyer: „Da gibt es nichts schönzureden. Über den bisherigen Verlauf bin ich traurig und sauer, denn Lüneburg braucht eine solche Halle. Deshalb muss es weitergehen mit dem Projekt. Aber es ist unverständlich, dass es bisher kein Verkehrskonzept gibt, das jedoch inzwischen in Auftrag gegeben wurde.“

Elbbrücke

Erika Romberg: „Ich habe die große Hoffnung, dass das Amt Neuhaus auch ohne Elbbrücke immer attraktiver wird. Für neue Arbeitsplätze auch ohne Brücke bietet das schnelle Internet Chancen. Und ich würde jederzeit Werbung für das Amt Neuhaus als Wohnort machen.“

Jens Böther: „Erst mit der Elbbrücke wird die Einheit des Landkreises Lüneburg vollendet. Deshalb werde ich die Planung für die Brücke anschieben und das notwendige Geld für den Bau besorgen. Das Know-how für den Bau ist in der Kreisverwaltung vorhanden. Wichtig ist, dass sich ein Landrat dem Projekt nicht nur halbherzig widmet. Bis 2026 sollte die Brücke gebaut sein.“

Norbert Meyer: „Die Planung ist beschlossen und das ist gut. Doch da solche Projekte einige Jahre dauern bis zur Realisierung, muss der Landkreis die alte Fähre durch eine neue ersetzen, die weniger reparaturanfällig ist.“

Markus Graff: „Ohne die Elbbrücke bleibt das Amt Neuhaus abgehängt.“

Nahverkehr

Markus Graff: „Wichtig sind für mich funktionierende Zugverbindungen von Lüneburg nach Bleckede und von Lüneburg nach Amelinghausen. Der ÖPNV soll kostenfrei für die Bürgerinnen und Bürger werden, sonst steigt nämlich niemand vom Auto auf den Bus um. Das ist teuer, aber zu schaffen, wenn es eine entsprechende Mehrheit im Kreistag dafür gibt. Wenn wir den Arena-Bau stoppen, bleibt genug Geld über. CarSharing-Stationen und Bürgerbusse ergänzen das Angebot.“

Norbert Meyer: „Mit dem neuen Nahverkehrsplan, der Ende des Jahres startet, sollen die Fahrzeuge auf klimafreundliche Antriebe umgerüstet werden. Der Kreistag muss entscheiden, ob Pendler kostenlos die Elbfähre nutzen können. Mein Wunsch wäre dies.“

Jens Böther: „Wenn das Land es finanziell möglich macht, bin ich sowohl für kostenlose Schüler-Tickets als auch Fährfahrten über die Elbe.“

Erika Romberg: „Es scheint eine Mehrheit dafür zu geben, dass der ÖPNV kostenlos für Schüler ist. Das muss dann in den Haushalt für 2020 aufgenommen werden. Auch die unentgeltliche Nutzung der Elbfähre für Schüler ist von den Kosten her relativ überschaubar. Aber wir müssen natürlich zunächst einmal schauen, wie teuer es wird und wer zahlt.“

In der Donnerstagausgabe lesen Sie die Ansichten der Kandidaten zu den Themen „Bezahlbarer Wohnraum“ und „Neue Beteiligungsformen für Bürger“.

Von Stefan Bohlmann

Publikumsfrage

Plattdeutsch

Carsten Müller aus Betzendorf wollte von den Kandidaten wissen, ob sie denn als die obersten Repräsentanten des Landkreises auch Grußworte auf Plattdeutsch halten können. Jens Böther: „Klar, auf jeden Fall.“ Norbert Meyer: „Verstehen kann ich Platt, aber sprechen kann ich es nur ein wenig.“ Markus Graff: „Ich kann Plattdeutsch nur verstehen.“ Erika Romberg: „Grußworte auf Plattdeutsch würde ich meinen ehrenamtlichen Vertretern überlassen.“

Mehr dazu:

Erika Romberg: Nicht jammern, machen!

Jens Böther: Abba als Film, AC/DC im Auto

Norbet Meyer: Im Kleinen etwas tun

Markus: Graff Mit Udo fängt der Tag gut an