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Bürgervereinsvorsitzende Gundula Meyer (M.) leitete die Diskussion mit den beiden Adendorfer Bürgermeisterkandidaten, Christina von Mirbach und Amtsinhaber Thomas Maack. Foto: t&w

Zwei Kandidaten für einen Sessel

Adendorf. Zumindest bei einem Thema waren sich Christina von Mirbach und Thomas Maack, die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 26. Mai, einig. Sie waren „überwältigt“ vom Interesse der Adendorfer am Wahlforum, das am Mittwochabend stattfand. Mit 120 Interessierten war die Bibliothek voll besetzt. Gundula Meyer, 1. Vorsitzende des Bürgervereins, leitete die zweieinhalbstündige Diskussion.

Er sei ein „Bürgermeister mit Leib und Seele“, erklärte der 58-jährige Thomas Maack seine Motivation, zum zweiten Mal nach 2011 für das Amt anzutreten. Die Tätigkeit „an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung“ reizt Christina von Mirbach, 56 Jahre alt und stellvertretende Leiterin des Staatlichen Gewerbeaufsichts­amts Lüneburg, an der Aufgabe „Bürgermeisterin“.

Mit der Einigkeit zwischen Maack und von Mirbach war es aber schon bei der Wahl der Lieblingseissorte, abgefragt von Gundula Meyer, vorbei. „Erdbeer“ bevorzugt Maack, „Schoko“ bestellt sich von Mirbach am liebsten. Straßenausbaubeitragssatzung, Gestaltung des Ortszentrums, Bahnlinie Lüneburg-Bleckede – in vielen Bereichen skizzierten die Konkurrenten unterschiedliche Ansichten oder Ansätze. Einige Beispiele:

Bahn Lüneburg-Bleckede

„Vieles spricht dafür“, erklärte Thomas Maack, er sieht aber auch die Probleme, die eine Reaktivierung der Linie für Anwohner der Strecke bringen würde. „Lärmschutz“ sei nur eine Maßnahme, die anzugehen wäre.

Für Christina von Mirbach ist die Diskussion über die Reaktivierung der Strecke noch zu viel „Kaffeesatzleserei“. Ob die Strecke jemals wieder ertüchtigt werde, „steht noch in den Sternen“. Im Zuge eines künftigen Beteiligungsverfahrens würde sie sich aber „selbstverständlich für die Belange der Anlieger einsetzen“.

Straßenausbaubeiträge

„Es gibt bei diesem Thema nicht die eine gerechte Lösung, die alle zufriedenstellt“, erklärte Christina von Mirbach. Wer künftig das Bürgermeisteramt besetze, müsse sich „mit der Verwaltung darum kümmern, ein Konzept vorzulegen, das machbar ist“ – ob das nun weiter eine Form der Beitragsfinanzierung sei oder eine „ganz andere Lösung“. Persönlich sagte sie ein klares „Ja“ zur Abschaffung der „Strabs“.

„Zurzeit nicht“, erklärte Thomas Maack zum Thema Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung, verwies darauf, dass es zurzeit keine Straßen gebe, die abgerechnet werden müssen. Die Abrechnung über die „Strabs“ sei eine Art der Finanzierung, die nicht mehr gerecht ist. „Aber wir müssen abwarten, welche neue Regelung bei den Grundsteuern es gibt, heute eine neue Regelung darzulegen, ist unseriös.“

Polizeistation Adendorf

Thomas Maack: „Es steht in keinster Weise in der Diskussion, dass Adendorf keine Polizeistation mehr haben wird. Adendorf wird seine Polizei behalten.“

„Wann immer es einen Ansatz gibt, die Polizeistation in Adendorf zu schließen, würde ich mich als Bürgermeisterin sofort dagegen wehren“, sagte Christina von Mirbach. Wenn sie gewählt werde, würde sie sich dafür einsetzen, dass die Polizei auf den Straßen präsenter werde.

Artenvielfalt

Eine „Grüne Lunge“ für Adendorf, auf einem großen Gelände nördlich der von-Stauffenberg-Straße, schwebt Christina von Mirbach vor. Ein vorhandener Bebauungsplan sehe dort zurzeit ein Wohngebiet vor. „Lassen Sie uns darüber nachdenken, wie wir stattdessen eine Grüne Lunge schaffen können.“

Als „Vorzeigeprojekt“ bezeichnete Thomas Maack die im vergangenen Jahr angestoßenen Bemühungen der Gemeinde, großflächige bienen- und insektenfreundliche Flächen zu schaffen. In der Überlegung sei, ob man eher bienen- und insektenfeindliche Gartenformen wie den „Steingarten“ künftig nicht mehr zulassen werde.

Verkehr Ortsmitte

Seit über 30 Jahren lebe sie in Adendorf, „der Verkehrsfluss hat sich in dieser Zeit zum Nachteil verändert“, so Christina von Mirbach. Werde sie Bürgermeisterin, werde sie unter anderem für die Umgestaltung des Kirchwegs zwischen Rathausplatz und Tankstelle kämpfen. Sie werde sich dort für einen „Shared-Space-Bereich“, eine Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, einsetzen.

Thomas Maack setzt darauf, das Tempolimit im Kirchweg zunächst auf 30 km/h, dann auf 20 km/h herabzusetzen. Von einem „Shared Space“ halte er nichts. In Bohmte im Landkreis Osnabrück, das einen „Shared-Space-Bereich“ habe, hätten die Unfallzahlen in den letzten Jahren zugenommen.

Von Ingo Petersen