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Miteinander im Gespräch bleiben wollen (v.l.) Dr. Barbara Hanusa, Christine Schmid und Marc Rath beim Thema Verkehr auch mit den Lüneburgern bei der Veranstaltung am 21. Mai im Glockenhaus. Foto: t&w

Jeder gegen jeden?

Lüneburg. Wer morgens zeitig unterwegs ist und mit dem Fahrrad zum Bahnhof radelt, weiß um den Wahnsinn, der in diesen Stunden auf den Straßen Lüneburgs stattfi ndet. Der Kampf zwischen Autos, Bussen, Radfahrern und Fußgängern um den schnellsten Weg zum Ziel hat Formen angenommen, die nicht wenige als bedrohlich empfinden. Wie diese Situation des „Jeder gegen jeden“ aufgelöst werden kann, ist Thema eines neuen Veranstaltungsformats, das unter dem Titel „Lüneburg spricht!“ am 21. Mai im Glockenhaus stattfindet.

„Der Straßenverkehr in unserer Stadt birgt viel Konfliktpotenzial und führt nicht selten zu Erregung, Druck und Ärger bei allen Beteiligten, manchmal mit ernsthaften Folgen“, sagt Superintendentin Christine Schmid. „Wir wollen fragen, wie ein gutes Zusammenleben aller Verkehrsteilnehmer gelingen kann.“

„Gehört Religion in die Schule?“

Um darüber mit den Lüneburgern ins Gespräch zu kommen, haben der ev.-luth. Kirchenkreis und die LZ die Veranstaltungsreihe „Lüneburg spricht!“ ins Leben gerufen. Den Start bildet das Thema „Wer hat Vorfahrt?“. Eine Fahrradfahrerin, eine Fußgängerin, ein Autofahrer und ein Busfahrer werden ihre Sicht der Lage darstellen und sich mit allen Teilnehmern austauschen. Mit von der Partie sind Vertreter von Stadt und Polizei sowie Geschäftsleute. Eine Podiumsdiskussion bildet die Schlussrunde.

Die Idee entstand im vergangenen Jahr im Anschluss an die Diskussionsrunde „Gehört Religion in die Schule?“, angestoßen durch die 2017 erfolgte Absage der Weihnachtsfeier am Johanneum. „Ein kontroverses Thema, bei dem hitzig diskutiert wurde“, sagt Schmid, die eine solche Debatte auch beim Thema Verkehr erwartet. Das Format sei von der Veranstaltungsreihe „Deutschland spricht“ übernommen. Orientierung gab darüber hinaus das Projekt „Hamburg gibt Acht!“ (siehe Kasten).

„Es geht um Verständigung“

LZ-Chefredakteur Marc Rath erklärt das neue Projekt: „Format und Partner passen gut zum Weg, wohin sich der Lokaljournalismus heute entwickelt: als Plattform, auf der unterschiedliche Menschen und deren Meinungen und Positionen zusammenkommen. Dabei ist jeder, der Lüneburg bewegt und bewegen will, herzlich willkommen.“

Warum ausgerechnet die Kirche sich des Themas angenommen hat, erläutert Pastorin Dr. Barbara Hanusa, die Studenten im Fach Religionspädagogik an der Uni begleitet: „Nachhaltigkeit, die sich in der Stadt auch durch zunehmenden Radverkehr ausdrückt, ist für uns als Kirche ein Top-Thema.“ Auch gehe es darum, als Betroffener mal einen Perspektivwechsel einzunehmen. „Wir diskutieren meist nur in unserer jeweiligen Blase“, sagt die Pastorin. Superintendentin Schmid ergänzt: „Es geht um Verständigung und darum, die Position des anderen zu verstehen.“ Rath wiederum erhofft sich von dem Abend „neue Ideen, die dann in Politik, Verwaltung oder Verbänden weiterentwickelt werden können.“ Konkrete Beschlüsse seien daher am 21. Mai bewusst nicht geplant.

Wann die Reihe fortgesetzt wird, soll nach Auswertung der ersten Runde entschieden werden. „Genügend Themen haben wir jedenfalls“, sagt Schmid.

Von Ulf Stüwe

Ablauf der Veranstaltung

Lüneburg spricht!

  • 19.00 Uhr Musik und Begrüßung: Christine Schmid
  • 19.05 Uhr Anmoderation: Dr. Barbara Hanusa
  • 19.10 Uhr Input: Hamburg gibt Acht!: Lukas Domaschke
  • 19.30 Uhr Vorstellung der Insel-Teilnehmer Miriam Ihnen (Fahrradfahrerin), Karl-Peter Plaschka (Autofahrer), Renate Rudolph (Fußgängerin), Timo Kniestädt (Busfahrer), Martin Schwanitz (Polizei), Karl-Heinz Rehbein und Markus Moßmann (Stadt Lüneburg), Heiko Meyer (Handel)
  • 20.00 Uhr Inselgespräche I
  • 20.20 Uhr Musik zum Wechsel: Stierl & Füllgrabe
  • 20.25 Uhr Inselgespräche II
  • 20.45 Uhr Musik zum Zusammenkommen
  • 20.50 Uhr Schlussrunde/Podiumsdiskussion: Marc Rath
  • 21.15 Uhr Ende

Kampagne mit Promis

Hamburg gibt Acht!

Auch in Hamburg sind die Konflikte im Straßenverkehr ein Dauerthema. Der Landesbetrieb Verkehr und die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation haben deshalb die Kampagne „Hamburg gibt Acht!“ ins Leben gerufen. Die Bürger der Elbmetropole sind dabei aufgerufen, Vorschläge für ein besseres Miteinander auf Hamburgs Straßen zu machen. Prominente Hamburger unterstützen das Projekt. Die 20 besten Vorschläge sollen gekürt werden, daraus dann die „acht goldenen Regeln“ für ein besseres Verkehrsklima gewählt werden.