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Günther Wagener. (Foto: be)

Auf Regen kommt immer Sonnenschein

Lüneburg. Für unsere Reihe „Hand aufs Herz“ haben wir diesmal Günther Wagener gewonnen. Und der Plattdeutschbeauftragte für die Hansestadt und den Landkreis Lüneburg hat natürlich auf Platt geantwortet. Für alle, die die niederdeutsche Sprache nicht oder nur mühsam verstehen können, hier der kompette Text mit „Übersetzung“. Klicken Sie dazu auf den Spaltentitel:

  • Plattdeutsch
  • Hochdeutsch
Günther Wagener (72), fröher Schoolmester, is siet 2011 Plattdüütschbeopdragter vun de Hansestadt un den Landkreis Lümborg. He is Baas vun de Plattsnackers ut Adendörp un in´n Vörstand vun Lüneplatt e.V. He wahnt nu in Scharnbäck, is verheiradt un hett acht Grootkinner.

Wokeen hett sik annerletzt över Se argert un worüm?

Bestimmt mien Fro. Ik heff mol wedder nich richtig tohört oder ik maak toveel Plattdüütsch.

Welke Schangs in´t Leven hebbt Se verpasst?

Mi deit dat leed, dat ik keen Gitarr spelen kann. Ik weer to fuul to´n Öven.

Wat maakt Se lever: Urlaub an´n Strand oder in de Stadt?

Ik bün neeschierig un kiek mi gern wat an in anner Städte oder anner Landschopp. An´n Strand liggen is mi en Grugel.

Wat kummt na de Arbeid?

Dor verpuust ik mi, snack geern mit Frünnen bi´n Fieravendbeer oder lees´n Book .

Wat kummt na den Dood?

Dat weet keeneen. Aver ik denk, de Lief vergeiht un de Seel „leevt“ wieder.

Se sünd de eenzig Minsch op de Eer. Welket Deert is bi Se?

En Hund.

Wat is dat gröttste Glück för Se?

Mien Familie un wenn ik mien acht Grootkinner üm mi heff.

Wenn dat Huus brennen deit, wat haalt Se dor rut? Un wat is total egol?

Toerst all Minschen un den mien Biller vun fröher.

Welke Egenoort bewunnert Se bi anner Minschen an´n meisten?

Dat se op´n Stutz to all Saken wat Klooket seggen künnt. Ik bruuk ümmer Tiet to´n Nadinken.

Wenn Se een Book över ehr Leven schrieven mööt: Woans heet de erste Satz?

Wo scheun, dat´n sik för Platt nich mehr schamen mutt!

Wat deit Se düchtig weh in´t Binnerst?

Wenn Kinner lieden mööt oder jüm wat andaan warrt.

Wat gifft Se Troost?

Dat op Regen ümmer ok Sünnschien nakummt.

Wobi künnt Se sik verpusten?

In de Sauna un bi´t Doppelkoppspelen.

Wat smeckt goot?

Swiensbraden mit Kartüffeln, Soße un Rotkohl oder Bohnensalat sööt/suur. Is aver nich goot för mi.

Wat rüükt goot?

Gras, frisch meiht un andröögt.

Wannehr beedt Se?

In de Kark un faken still för mi.

Wannehr singt Se?

Wenn ik „Oldies“ in´t Radio hören do.

Wannehr schimpt Se düchtig?

Bi´t Autoföhren kann ik mi fix opregen un denn mutt dat rut.

Wannehr hebbt Se dat letzt Mol weent – un worüm?

Wiehnachten, as mien Dochter mi wat ganz Persönlichet schenkt hett.

Wat is Se hüüt noch pienlich ut de Jugendtiet?

Dat wi faken duun in´n Kopp mit´n Moped oder Auto föhrt sünd.

Günther Wagener (72), früher Lehrer, ist seit 2011 Plattdeutschbeauftragter für Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Er ist der Chef der Plattsnackers Adendorf und im Vorstand des Vereins Lüneplatt e.V. Er wohnt in Scharnebeck, ist verheiratet und hat acht Enkelkinder.

Wer hat sich zuletzt über Sie geärgert und warum?

Bestimmt meine Frau. Ich habe mal wieder nicht richtig zugehört oder ich mache zuviel Plattdeutsch.

Welche Chance im Leben trauern Sie nach?

Mir tut es leid, dass ich nicht Gitarre spielen kann. Ich war zu faul zum Üben.

Was ist ihnen lieber: Strandurlaub oder Städtetrip?

Ich bin neugierig und sehe mir gern etwas in anderen Städten an oder andere Landschaften. Am Strand liegen ist mir ein Gräuel.

Was kommt nach der Arbeit?

Da verschnaufe ich, rede gern mit Freunden bei einem Feierabendbier oder lese ein Buch.

Was kommt nach dem Tod?

Das weiß keiner. Aber ich denke, das Leben vergeht und die Seele „lebt“.

Sie sind der einzige Menschen auf der Welt. Welches Tier wäre Ihr Begleiter?

Ein Hund.

Was ist für Sie das größte Glück?

Meine Familie und wenn ich meine acht Großkinder um mich habe.

Wenn Ihr Haus in Flammen steht: Was retten Sie als erstes? Und was wäre Ihnen total egal?

Zuerst alle Menschen und dann meine Bilder von früher.

Welche Eigenschaft beneiden Sie bei anderen am meisten?

Dass sie auf Anhieb zu allen Sachen was Kluges sagen können. Ich brauche immer Zeit zum Nachdenken.

Wenn Sie ein Buch über Ihr Leben schreiben müssten: Wie würde der erste Satz lauten?

Wie schön, dass man sich für das Plattdeutsche nicht mehr schämen muss!

Was tut Ihnen in der Seele weh?

Wenn Kinder leiden müssen oder ihnen etwas angetan wird.

Was spendet Ihnen Trost?

Das auf Regen immer auch Sonnenscheint nachkommt.

Wobei entspannen Sie?

In der Sauna und beim Doppelkopfspielen.

Was schmeckt gut?

Schweinebraten mit Kartoffeln, Soße und Rotkohl oder Bohnensalat süß/sauer. Ist aber nicht gut für mich.

Was riecht gut?

Gras, frisch gemäht und angetrocknet.

Wann beten Sie?

In der Kirche und häufig still für mich.

Wann singen Sie?

Wenn ich „Oldies“ im Radio höre.

Wann fluchen Sie?

Beim Autofahren kann ich mich ordentlich aufregen und dann muss das raus.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint – und warum?

Weihnachten, als meine Tochter mir etwas ganz Persönliches geschenkt hat.

Welche Jugendsünde ist Ihnen noch heute peinlich?

Dass wir häufig beschwipst im Kopf mit dem Moped oder dem Auto gefahren sind.

Interview: Ingo Petersen