Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) und seine Herausforderin Anne-Carin Büttner (SPD). (Fotos: t&w)

Kandidaten im Kreuzverhör

Scharnebeck. Anne-Carin Büttner (SPD) möchte Samtgemeindebürgermeisterin werden, Laars Gerstenkorn (CDU) will Rathauschef bleiben: Das ist die Ausgangslage für die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 26. Mai, in Scharnebeck. Bereits am Mittwoch, 15. Mai, werden die beiden Kandidaten den LZ-Redakteuren Malte Lühr und Klaus Reschke im LZ-Wahlforum Rede und Antwort stehen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Domäne in Scharnebeck. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an die offizielle Fragerunde werden auch die Besucher die Möglichkeit haben, ebenfalls Fragen an die beiden Kandidaten zu stellen. Wir stellen hier die beiden Kandidaten vor. Klicken Sie auf die Namen.

  • Laars Gerstenkorn (CDU)
  • Anne-Carin Büttner (SPD)

„Nicht meckern, sondern machen“

Scharnebeck. „Heimat ist mir wichtig“, sagt Laars Gerstenkorn. Auch wenn der Begriff strapaziert und abgedroschen klingen mag – Gerstenkorn steht dazu: „Mit Heimat verbinde ich auch die Nähe zu den Menschen“, erklärt der Scharnebecker Rathauschef, der bei der Samtgemeindebürgermeisterwahl am 26. Mai für eine zweite Amtszeit antreten will. Es ist Freitagabend, 18 Uhr. Während viele Berufstätige sich bereits auf das bevorstehende Wochenende freuen, muss Gerstenkorn noch einen Termin absolvieren. Dieses Mal in eigener Sache. Eine Stunde hat der Christdemokrat im LZ-Kandidatengespräch Zeit, sich und seine Agenda vorzustellen.

Zum obligatorischen Fototermin hat der 47-Jährige den LZ-Fotografen nach Echem gebeten. „Hier wohne ich mit meiner Familie“ erklärt der Rathauschef, hier sei sein Lebensmittelpunkt. Dass sein Großvater einst die Eiche im Kirchgarten in Echem pflanzte, ist ein schönes Symbol dafür, wie sehr Gerstenkorn sich in der Region verwurzelt fühlt. Gerstenkorn, verheiratet, zwei Kinder, ist aktives Mitglied der Feuerwehr und Präsident des Schützenvereins Echem.

In dem von Landwirtschaft geprägten Ort hat auch seine politische Laufbahn ihren Anfang genommen. Gemeinsam mit Jens Böther, dem heutigen Bleckeder Bürgermeister und CDU-Landratskandidaten, der ebenfalls in Echem wohnt, hatte Gerstenkorn 2001 die „Erste Unabhängige Liste Echem“ – kurz EULE – gegründet. Gerstenkorn erinnert sich mit einem Schmunzeln an die Zeiten – und mit welchen rustikalen Mitteln die Polit-Neulinge damals um Stimmen warben: „Wir hatten einen Holzpfosten in den Boden gerammt, daran eine alte Holztür genagelt und auf die den Slogan ‚EULE wählen‘ gepinselt“. Mit Erfolg – die Erste Unabhängige Liste Echems“ holte auf Anhieb vier von neun Sitzen. „Das waren spannende

Zeiten“, sagt Gestenkorn. Böther wurde ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde, Gerstenkorn Verwaltungsvertreter.
Bei der Wahl 2006 trat Gerstenkorn dann erneut für die EULE an – wurde gewählt und als Böthers Nachfolger neuer ehrenamtlicher Bürgermeister. Zugleich löste Gerstenkorn 2006 das Ticket für den Samtgemeinderat Scharnebeck.

2011 – inzwischen CDU-Mitglied – entschied sich der gelernte Verwaltungsfachangestellte und Verwaltungswirt, für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Scharnebeck zu kandidieren. „Weil ich mich für die Gemeinschaft engagieren will“, begründet er seine Entscheidung – „nicht meckern, sondern es selbst besser machen“, laute seine Devise. Dass er es dabei nicht allen Recht machen kann, ist ihm bewusst. Und dass der Job des Bürgermeisters nicht abends mit dem Verlassen des Büros endet, weiß der Echemer auch: „Wer damit nicht klar kommt, dass er auch mal beim Rundgang durchs Dorf Feedback auf seine Arbeit bekommt, der darf sich eben nicht kommunalpolitisch engagieren“, rät der 47-Jährige – der sei im Europaparlament besser aufgehoben. „Da ist die Gefahr gering, dass ihm Wähler über den Weg laufen.“

Gerstenkorn dagegen will gar nichts anderes machen als das, was er in den vergangenen Jahren gemacht hat – nämlich eine kommunale Verwaltung führen: „Mit Herzblut, Idealismus und Lokalpatriotismus“, sagt er. Eine bürgernahe Verwaltung, moderne Grundschulen und eine gute ärztliche Versorgung hat sich Gerstenkorn genauso auf die Fahne geschrieben, wie eine einsatzkräftige Feuerwehr. Die Stunde ist vorüber, die LZ verabschiedet sich. Gerstenkorn aber zieht die Feuerwehr-Uniform an und eilt zum Übungsdienst. Jetzt hat er Feierabend…

Hintergrund:

Steckbrief des CDU-Kandidaten

Laars Gerstenkorn ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Jungen, fünf und sieben Jahre alt. Er wohnt in Echem.

Werdegang: Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Samtgemeinde Scharnebeck, Studium an der Fachhochschule Hannover mit dem Abschluss Dipl-Verwaltungswirt (FH). Tätigkeiten beim Landkreis Lüneburg in verschiedenen Bereichen. Seit acht Jahren Bürgermeister der Samtgemeinde Scharnebeck.

Ehrenämter: Aktives Mitglied der Feuerwehr und Präsident des Schützenvereins Echem.

„Wenn ich es angehe, dann richtig“

Scharnebeck. Das Schiffshebewerk hat Symbolcharakter. Jedenfalls für Anne-Carin Büttner. „Für mich steht das Bauwerk stellvertretend für die Samtgemeinde“, begründet die 46-Jährige ihre Entscheidung, sich vom LZ-Fotografen vor dem Hebewerk fotografieren zu lassen. Anne-Carin Büttner will Bürgermeisterin der Samtgemeinde Scharnebeck werden. Deshalb tritt sie für die SPD bei der Wahl am 26. Mai in Scharnebeck an. Unterstützt wird ihre Kandidatur von den Grünen und der Gruppe FwGUBS.

Doch wer ist die Herausforderin von Amtsinhaber Laars Gerstenkorn (CDU)? Im Kandidaten-Gespräch mit der LZ hat Anne-Carin Büttner eine Stunde Zeit sich, ihr Programm und ihre Ziele vorzustellen.

Es ist unangenehm frisch an diesem Morgen, die Temperaturen liegen im einstelligen Bereich. Anne-Carin Büttner ist froh, als die Aufnahmen endlich im „Kasten“ sind. „Zum Interview treffen wir uns am besten im ‚Café vom Herzen‘ in Brietlingen“, schlägt sie vor.

Dass sie für die SPD in Scharnebeck als Bürgermeister-Kandidatin ins Rennen gehen wird, hätte sich die selbstständige Unternehmensberaterin aus Embsen in der Samtgemeinde Ilmenau noch bis vor wenigen Wochen nicht träumen lassen. Es war die SPD-Unterbezirksvorsitzende Andrea Schröder-Ehlers, die bei Anne-Carin Büttner angerufen und gefragt hatte, ob sie sich die Kandidatur vorstellen könne. Nach ein „paar ruhelosen Nächten“ und Beratungen mit der Familie, sagt die Sozialdemokratin aus Embsen zu. Und sie betont: „Wenn ich etwas angehe, dann richtig!“ Seitdem ist sie oft und viel in der Samtgemeinde unterwegs, besucht Veranstaltungen, Hauptversammlungen und Ratssitzungen. Die Samtgemeinde Scharnebeck und die Menschen kennenlernen, sich bekannt machen – das steht zurzeit primär auf Büttners Agenda.

Zur „Alltagspolitik“ kann und will sich Büttner daher noch nicht äußern, konkrete politische Ziele – noch – nicht benennen. Was sie aber jetzt schon mit aller Deutlichkeit sagen kann ist, „dass ich mich nicht des Geldes wegen um das Bürgermeisteramt bewerbe“, denn: „Finanziell würde ich mich nicht verbessern.“ Bei einer ihrer Vorstellungsrunden wurde sie von einer Komunalpoltikerin gefragt, welches Denkmal sie sich denn in der Samtgemeinde setzen wolle. „Keines!“, habe sie geantwortet, sagt Anne-Carin Büttner schmunzelnd und sagt im LZ-Gespräch, worauf es ihr wirklich ankomme: „Es geht um Inhalte, nicht um Personen!“

Die Förderung von Kindertagesstätten, Schaffung von altersgerechten Wohnraum für die 60+-Generation sowie der Ausbau und Erhalt der Infrastruktur hat sich die Sozialdemokratin in ihr Wahlprogramm geschrieben – genauso Umweltschutz und die Förderung und Unterstützung der Feuerwehren und Vereine. Ein bunter Strauß an Vorhaben.

Kommunalpolitik ist für die Pschologin kein Neuland: In ihrem Heimatort Embsen war Anne-Carin Büttner von 2011 bis 2016 Bürgermeisterin und stellvertretende Gemeindedirektorin, zudem Mitglied im Samtgemeinderat Ilmenau. Angst vor der neuen Aufgabe habe sie nicht, aber Respekt – sollte sie am 26. Mai bei der Bürgermeisterwahl die Mehrheit der Wählerstimmen holen. Doch bis dahin muss Anne-Carin Büttner neben ihren Wahlkampfauftritten auch noch in ihrem eigentlichen Beruf als Unternehmensberaterin arbeiten. Die Embsenerin schaut auf die Uhr, die Stunde mit der LZ neigt sich dem Ende. Anne-Carin Büttner verabschiedet sich, steigt ins Auto – der nächste Geschäftstermin wartet.

Hintergrund:

Steckbrief der SPD-Kandidatin

Anne-Carin Büttner wurde 1972 geboren, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Beruflicher Werdegang: Diplom-Psychologin, Supervisorin, Coach und Dozentin, selbstständige Unternehmensberaterin seit 2001

Ehrenämter: Mitglied im Gemeinderat Embsen von 2006 bis 2011, Vorsitzende des Jugend-, Sport- und Sozialausschusses; Mitglied im Gemeinderat Embsen und Samtgemeinderat Ilmenau von 2011 bis 2016; Bürgermeisterin und stellv. Gemeindedirektorin in Embsen. Mitglied in den Fördervereinen der Feuerwehren Embsen und Scharnebeck.

Von Klaus Reschke