Aktuell
Home | Lokales | Wem gehört Lüneburg? Was wir vorhaben:
Die Aktion "Wem gehört Lüneburg?" will die Bürger der Stadt zum Thema Wohnen ins gespräch bringen. Foto: t&w

Wem gehört Lüneburg? Was wir vorhaben:

Gemeinsam mit den Bürgern der Stadt möchte die Landeszeitung mehr über den Wohnungsmarkt herausfinden und startet dafür ein gemeinsames Projekt mit dem Recherchezentrum Correctiv.

Lüneburg. Die Mieten steigen, die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen gehen durch die Decke. In Berlin oder Hamburg haben sich die Preise für Neuvermietungen allein in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Ein Problem der Metropolen ist das längst nicht mehr, auch in Städten wie Lüneburg ist der Markt angespannt. Wohnen, ein Grundrecht, wird mehr und mehr zur Existenzfrage.

Die Preise kennen nur eine Richtung: nach oben!

Manch junge Familie schafft den Sprung nicht mehr, sich räumlich zu vergrößern, wenn es Nachwuchs gibt. Nebenkosten werden falsch abgerechnet, Mieten nach Sanierungen kräftig erhöht, manche Hausverwaltungen sind gar nicht erreichbar. Einige müssen sich plötzlich fragen: Wie lange können wir hier noch bleiben?

Es gibt viele Gründe, warum die Preise steigen: Haushalte benötigen heute mehr Fläche, weil immer mehr Menschen alleine leben. Lüneburg ist für Zuzügler aus Hamburg sehr attraktiv geworden. Sie können sich hier ein Leben ermöglichen, dass in ihrer alten Heimat so vielleicht nicht mehr möglich gewesen ist. Hinzu kommt: Mittlerweile kaufen Investoren auch in Lüneburg Immobilien, um hohe Renditen zu erwirtschaften. Das ist in den Großstädten kaum noch möglich. Aktien und Anleihen sind für Anleger unattraktiv geworden, damit lassen sich kaum noch Gewinne erwirtschaften. Sehr wohl aber mit Immobilien: Über höhere Mieten sollen die Renditen eingespielt werden.

Eine Recherche mit den Bürgern der Stadt

Hier kommt „Wem gehört Lüneburg?“ ins Spiel, ein Projekt, das die Landeszeitung mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv durchführt. In den nächsten Wochen werden wir den hiesigen Wohnungsmarkt von allen Seiten beleuchten, Geschichten, Daten, Zahlen und Fakten sammeln. Das ist jedoch nur mit den Menschen möglich, die hier zu Hause sind. Ab heute, Sonnabend, können alle Lüneburger auf der Internetseite www.wemgehoertlueneburg.de einen Online-Fragebogen ausfüllen und uns auf diesem Wege dabei helfen, mehr über die Eigentumsstrukturen in der Stadt zu erfahren (siehe Infobox).

Mit den Informationen kann ein neues Bild von Lüneburg entstehen: Am Ende wissen wir vielleicht, welche Firmen sich hinter Häusern oder Hausverwaltungen verbergen, die Mietern Probleme bereiten. Wir können uns Einzelschicksalen und Problemen annehmen, Schwachstellen aufdecken. Genauso werden wir den Fokus aber auch auf die vielen verantwortungsvollen Vermieter legen, die ein gutes Verhältnis zu ihren Mietern pflegen und stets engagiert auftreten. Wir möchten neue Eigentumsmodelle und Wohnformen vorstellen, bundesweit diskutierte Themen ins Lokale holen und in der täglichen Berichterstattung gezielt Schwerpunkte setzen.

Anleitung

Zusammen recherchieren: So geht‘s

Wem gehört Lüneburg? Diesen Satz werden Sie in den nächsten Wochen häufiger lesen. Auf unserer Plattform www.wemgehoertlueneburg.de können Sie der LZ-Redaktion mitteilen, ob Sie selbst in Ihrer Immobile wohnen, ob Sie diese vermieten oder ob Sie zur Miete leben. Dann wüssten wir gern, wem die Wohnung oder das Haus gehört.

Damit wir Ihre Angaben auch überprüfen können, ist es wichtig, dass Sie einen Beleg hochladen. Das kann zum Beispiel ein Grundbucheintrag oder ein Mieterhöhungsschreiben sein, genauso aber auch eine Kopie oder ein Scan Ihres Mietvertrags.

Wir hoffen auch, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählen, sowohl positive als auch negative Erlebnisse mit uns teilen. Nur mit Ihrer Hilfe und den gewonnenen Daten sind wir in der Lage, ein neues Bild der Stadt zusammenzusetzen und zu recherchieren, wo sich Missstände zeigen.

Die Leidtragenden sind die Mieter

Ganz wichtig ist: Bei „Wem gehört Lüneburg?“ geht es nicht darum, einzelne Eigentümer ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Lüneburg ist auch eine Stadt der Hausbesitzer und Einzeleigentümer. Um sie soll es nicht gehen. Dass der Markt sich aber gedreht hat, hin zu Investoren mit undurchschaubaren Firmengeflechten, möchten und müssen wir sogar thematisieren. Denn: Die Leidtragenden sind vor allem die Mieter, die die Kosten der Spekulation am Ende bezahlen müssen.

Correctiv hat dieses Projekt unlängst in Hamburg mit dem Hamburger Abendblatt durchgeführt und eine spannende Debatte darüber ausgelöst, ob mehr Transparenz im Immobilienmarkt helfen kann, den Wohnungsmarkt zu gestalten. Auch weil durch die Recherche Großinvestoren auftauchten, die selbst die Stadt Hamburg nicht kannte.

Das Grundbuchamt gibt Auskunft

Die Realität sieht so aus, dass Mieter manchmal selbst nicht wissen, wem die Wohnung gehört, in der sie leben. Oft ist dann keine Privatperson, die insgesamt nur ein oder zwei Immobilien besitzt, der Eigentümer. In vielen Fällen ist im Mietvertrag nur eine Hausverwaltung angegeben, dahinter verbirgt sich wiederum eine anonyme Firma. Das Grundbuchamt kann Mietern in solchen Fällen helfen: Dort kann abgefragt werden, wem die Immobilie gehört, in der man zur Miete wohnt. Bei dem Prozedere leistet die LZ-Redaktion Hilfestellung.

Hintergrund

Correctiv

„Wem gehört Lüneburg?“ ist eine Kooperation der Landeszeitung mit Correctiv, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Die Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden von Bürgern und Stiftungen. Mehr Informationen unter www.correctiv.org.

Die Bürger können wiederum da helfen, wo Journalisten nicht weiterkommen. Viele amtliche Informationen werden nicht preisgegeben, weil es in Niedersachsen kein Informationsfreiheitsgesetz, kurz IFG, gibt. Hinzu kommt, dass der deutsche Immobilienmarkt insgesamt deutlich undurchsichtiger ist als in anderen EU-Ländern. Grundbücher sind hier nicht öffentlich einsehbar. Das nützt vor allem denen, die den Markt kennen, also den großen Immobilienfirmen. Für Mieter und Bürger ist es schwer, Auswüchse auf dem Wohnungsmarkt zu erkennen.

Wir geben auf Ihre Daten Acht

Wenn Sie uns einbinden, persönliche Informationen preisgeben, sammeln wir sie in erster Linie für die Recherche. Listen, die die Namen von Eigentümern aufführen, werden wir nicht veröffentlichen, ebenso wenig Mietverträge oder andere Dokumente, die Sie uns als Beleg anvertrauen. Der Datenschutz ist uns sehr wichtig.

Niemand soll Bedenken haben, wenn er uns gegenüber etwas offenlegt. Berichten werden wir nur, wenn ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit vorliegt. Wenn ein Eigentümer etwa mehrere Mieter in einem Zimmer unterbringt, für unwürdige Wohnumstände horrende Summen verlangt oder Kautionen über Jahre nicht zurückzahlt. Solche Fälle hat es in Lüneburg gegeben – eine Antwort auf die Frage, ob das Einzelfälle waren, kann vielleicht auch das Projekt „Wem gehört Lüneburg?“ in einigen Wochen liefern.

Sprechen Sie uns an

Das Projektteam

So erreichen Sie uns:
▶ Anna Paarmann, Projektkoordinatorin: (04131) 740-281
▶ Katja Grundmann, Koordination Digitales: -236
▶ Marc Rath, Chefredakteur: -356

oder unter der Mailadresse wemgehoertlueneburg@landeszeitung.de.

von Anna Paarmann und Katja Grundmann