Donnerstag , 19. September 2019
Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | „Noch ein paar Jahre zusammen wären schön“
Anita und Alfred Möller feiern heute ihren diamantenen Hochzeitstag. (Foto: t&w)

„Noch ein paar Jahre zusammen wären schön“

Radbruch. Die Wände im Wohnzimmer von Anita und Alfred Möller sind voll mit Familienfotos, auch Regale und Schränke zieren Bilder ihrer Lieben. 60 Jahre sind die beiden verheiratet, haben drei Kinder, sieben Enkel und zehn Urenkel, das elfte Urenkelkind ist unterwegs. Nun sitzen sie zusammen auf der Couch und erinnern sich daran, wie alles begann, damals, 1957.

Ein halbes Jahr lang nur Briefe

Alfred Möller arbeitete bei der Werft Blohm und Voss in Hamburg, für ein Fußballturnier mit einer befreundeten Firma reiste die Belegschaft nach Salzwedel, in die damalige Ostzone. „Es war schwierig in die Zone zu kommen, aber das hat der Chef alles geregelt.“

Untergebracht wurde man privat, Alfred Möller landete bei der Familie seiner künftigen Frau, die damals gerade 17 war. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 82-Jährige. Doch schon nach wenigen Tagen musste Möller zurück nach Radbruch, der Lackmustest für das junge Glück. Frisch verliebt schrieben sich Anita und Alfred Möller ein halbes Jahr lang Briefe.

Abschied aus Salzwedel

Dann die Chance: „Mein Großvater hatte eine Hütte im Harz, dorthin durften meine Eltern, mein Bruder und ich für drei Tage reisen“, erzählt Anita Möller. Bei der Abreise wusste sie nicht, dass ihre Eltern langfristig geplant und schon vorher alles wichtige Hab und Gut in den Westen geschickt hatten. Die Familie kehrte nie mehr nach Salzwedel zurück. „Mein Mann sagt immer, ich sei mit einem Pappkarton gekommen“, sagt die 80-Jährige schmunzelnd. Am 6. April 1958 hielt ihr Mann um ihre Hand an, am 14. Mai 1959 heirateten Möllers, aus finanziellen Gründen im ganz kleinen Kreis. Anita Möller war damals schon schwanger mit der ältesten Tochter, 1961 und 1964 kamen ihre zweite Tochter und der Sohn zur Welt.

Urlaub hat nie eine Rolle gespielt

Ein Meilenstein der 60-Jährigen Ehe war der Hausbau. „Zwei Jahre haben wir gebaut und alles allein gemacht“, blickt Alfred Möller zurück. „Wenn man Geld hatte ging es weiter, wenn nicht, dann nicht. Der Bau hat auch oft mal geruht.“ 1964 dann endlich der Einzug und nun sitzen Möllers, einige Anbauten später, immer noch hier. In ihrem Haus haben sie sich stets wohl gefühlt, so wohl, dass Urlaub in ihrem Leben nie eine Rolle spielte. Nur einmal seien sie für zehn Tage in Bayern gewesen, so Anita Möller. „Das ist für uns beide nichts, wir haben doch ein gutes Zuhause, wir wüssten gar nicht, was wir da im Urlaub machen sollten den ganzen Tag.“ Alfred Möller war leidenschaftlicher Kaninchenzüchter, davon zeugen zig Pokale. Das hat die Eheleute an den Wochenenden oft zu Ausstellungen in größere Städte geführt. Das habe ihnen gereicht, sagen Möllers.

Familie und Freunde halten Möllers auf Trab

Überhaupt haben sie viel zu tun, auch jetzt sind sie wieder auf dem Sprung zu Freunden, außerdem muss der Rasen noch gemäht werden. „Durch die Kaninchen und das Dorfleben haben wir viele Bekannte, und dann die große Familie. Irgendjemand hat immer Geburtstag, wir sind sehr viel auf Achse.“ Möllers freuen sich auch, wenn sie auf ihre Urenkelkinder aufpassen dürfen, denn die sind ihr ganzer Stolz. „Für unsere Kinder und Enkel hatten wir ja wegen der vielen Arbeit früher gar nicht soviel Zeit“, denkt Anita Möller zurück.

Aufregeung vor der Feier

Zeit nehmen sie sich jetzt gerne, zum Beispiel für sonntägliche Fahrten zu zweit in ihr Lieblings-Café, auf ein Stück Kuchen. Oder für den Gemüsegarten. Alfred Möller pflanzt das Gemüse an, seine Frau verarbeitet es in der Küche. „Es ist egal was sie auf den Tisch bringt, es schmeckt immer gut“, schwärmt Alfred Möller von den Kochkünsten seiner Frau. Möllers sind zufrieden mit dem was hinter ihnen liegt. „Wenn wir noch ein paar Jahre zusammen hätten, das wäre schon schön“, sagt Anita Möller. Gerade erst ist eine Freundin von ihr gestorben. „Es gehen immer mehr weg. Daran muss man sich im Alter gewöhnen.“ Doch jetzt freuen sie sich auf ihre Feier, ein bisschen aufgeregt sind sie. Rund 80 Gäste hatte das diamantene Ehepaar in eine Gastwirtschaft in Radbruch eingeladen. Zum Glück wussten sie, dass nichts schief gehen konnte: Auch ihre silberne und goldene Hochzeit haben sie schon dort gefeiert.

Von Lea Schulze