Aktuell
Home | Lokales | „Bombentrichter“ vorerst tabu
Am Holzstamm ist Schluss: Das Forstamt sperrte die Mountainbike-Strecke in der Neuen Forst. Sehr zum Frust der Kinder. (Foto: kre)

„Bombentrichter“ vorerst tabu

Lüneburg/Barendorf. „Kinder und Jugendliche sollen sich doch an der frischen Luft bewegen, im Freien spielen. Hier aber wird ihnen die Gelegenheit dazu im Wortsinne versperrt“, wundert sich Kerstin Barton. Die Lüneburgerin ist an diesem Tag nicht die einzige, die sich für den Erhalt der Mountainbike-Strecke in der Neuen Forst stark macht.

Seit rund 30 Jahren kurven Radsportbegeisterte mit ihren Moutainbikes auf dem Rundkurs durch das Gehölz. Damit ist vorerst Schluss. Das Forstamt Sellhorn hat die Strecke dicht gemacht – zehn dicke Baumstämme liegen als Hindernisse über den Trails. Die Sperrung begründet Lutz Kulenkampff, Leiter des Forstamtes Sellhorn, zu der die Revierförsterei Barendorf gehört, mit erheblichen Sicherheitsbedenken. „Hier drohen Gefahren, für die wir nicht die Haftung übernehmen können, denn die Verkehrssicherungspflicht liegt bei den Landesforsten.“ (LZ berichtete).

Weniger gefährlich als im Straßenverkehr

Zu denen, die traurig sind über die Sperrung, gehört Colin. „Ich hoffe, dass die Strecke bald wieder geöffnet wird“, sagt der 13-Jährige. Sein Vater Sascha Kotzur unterstützt die Forderung: „Mein Junge macht seine Hausaufgaben, setzt sich dann aufs Fahrrad und kommt hierher zum Fahren – abseits des gefährlichen Straßenverkehrs.“ So viele Gelegenheiten dafür gebe es nicht. „Das ist doch besser als wenn die Jugendlichen nur vor dem Computer hängen oder mit ihren Handys daddeln.“

60 bis 70 Mountainbiker nutzen die Strecke, die bei vielen nur als „Bombentrichter“ bekannt ist. „Es sind Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene“, weiß Sven Barton und fügt hinzu – das funktioniert prima. Kimbaley Wilms kann das bestätigen: „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, in der wir uns absprechen“, erklärt die 22-jährige angehende Fahrrad-Mechatronikerin, denn: „Wir achten darauf, dass hier immer mindestens fünf bis zehn Fahrer vor Ort sind, der Sicherheit wegen.“ Helm sei Pflicht, zudem tragen viele Jugendliche Brustprotektoren. Und wenn an einen Fahrrad mal etwas kaputt geht, hilft Kimbaley Wilms vor Ort mit kleineren Reparaturen. „Ich fahre hier seit 14 Jahren“, berichtet sie. In der Zeit seien tolle Freundschaften entstanden.

Wenige Kilometer weiter – im Wald auf der Steinhöhe zwischen Fernsehturm und Elbe-Seitenkanal – gibt es ebenfalls eine Moutainbike-Strecke. Die ist seit etwa 2008 offizielle Radsportstrecke des Ortsclubs Lüneburg im ADAC, gepachtet von den Niedersächsischen Landesforsten. Vorher hatten die Biker des ,,Salt-City-Rider-Teams“ mehr oder weniger heimlich in dem hügeligen Waldstück trainiert. Bis der damalige Barendorfer Revierförster Oliver Christmann die Strecke im Wald entdeckte, die von mal zu mal ein bisschen größer geworden war. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der „Salt-City-Riders“, eine Abteilung des ADAC-Ortsclubs fand man schließlich eine Lösung: Der ADAC hat die Bahn im Wald jetzt offiziell gepachtet, der Streckenverlauf wurde in den Karten genau eingetragen. Wer heute die Strecke nutzen will, muss Mitglied im Ortsclub sein.

Suche nach einem Partner für die Strecke

Eine ähnliche Lösung erhofft sich der neue Barendorfer Förster Holger Kapell für die Strecke im „Bombentrichter“. Denn dass die Strecke dauerhaft geschlossen wird, will auch er nicht, im Gegenteil: „Es wäre schön, wenn es uns gelänge auch hier einen Vertragspartner zu finden, der die Verkehrssicherung und die Bündelung der Nutzungsinteressen übernimmt“, sagt Kapell.

Mit der Stadt Lüneburg habe er bereits Kontakt aufgenommen. Der Vorschlag stößt auch bei den anwesenden Eltern auf Zustimmung: „Die Stadt ist attraktiv und wird durch Neubaugebiete immer größer. Für die Kleinen gibt es Spielplätze, die Bahn wäre daher ein schönes Angebot für Jugendliche“, findet einer der Anwesenden. „Wichtig ist, dass die Strecke auch künftig für die radfahrbegeisterten Jugendlichen frei zugänglich bleibt“, mahnt Sven Barton an – ohne den Zwang, Mitglied in einem Verein zu werden. Doch bis ein Partner gefunden ist, bleibt die Strecke offiziell gesperrt.

Von Klaus Reschke