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Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht, doch als wahrscheinlich gilt, dass ein Wolf die Schafe gerissen hat. Foto: AdobeStock

Schutzlos trotz Schutzzaun

Wendisch Evern. Solveig Hecht kann es immer noch nicht richtig fassen: „Drei Jahre lange hatte ich überhaupt keinen Stress“, berichtet die Gärtnermeisterin. Hinter dem eigens errichteten Zaun wähnte sie ihre Schafe geschützt und sicher. Ein Irrglaube, wie sie jetzt festellen musste. Denn in der Nacht zu Freitag wurden auf der Weide zwischen Reinstorf und Wendhausen zwei Schafe gerissen, zwei weitere verletzt. Ob die rauwolligen pommerschen Landschafe Opfer eines Wolfsangriffes wurden oder ein wildernder Hund in die Herde eingefallen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt.

Vor Ort hat auch Wolfsberaterin Ulrike Kruse die „Ermittlungen“ aufgenommen, versucht herauszufinden, wie das Grautier – wenn es denn ein Wolf war – den vermeintlich wolfssicheren Zaun überwinden konnte.

Zaun muss gar nicht so hoch sein

Es gibt allerdings Stimmen, die daran überhaupt keinen Zweifel haben und fürchten, dass der Wolf schneller dazu lernt, als es den Nutztierhaltern lieb ist. Die Schafsweide zwischen Reinstorf und Wendhausen galt schließlich bis Freitag als ein Musterbeispiel für eine gut gesicherte Wiese: Mitglieder des Freundeskreises Wolf, von Wikiwolves und vom Nabu hatten im Oktober 2016 tatkräftig mit angepackt, den Zaun zu stellen. Damit der Wolf sich nicht unter der Abgrenzung hindurch zu den Nutztieren durchquetscht, buddelten die vielen Helfer damals den Zaun 20 Zentimeter tief ein – als Untergrabungschutz. Denn der Wolf geht meist unter den Zäunen durch, nur ganz selten springt er. „Deshalb muss der Zaun gar nicht so hoch sein“, erklärte damals Wolfsberater Uwe Martens, der auch Mitglied im Freundeskreis Wolf ist. Wichtig sei eine Stromleitung am Boden.

Zaunschutz muss aufgerüstet werden

Die Zaunbauaktion war damals die erste im Landkreis Lüneburg und die zweite in Niedersachsen. Jetzt gehen allerdings erste Vermutungen in die Richtung, dass der vierbeinige Räuber über den Zaun gekommen sein könnte. Und das wiederum bedeutet, dass der Zaunschutz aufgerüstet werden muss. Auch mit einer Stromleitung am oberen Ende, denn der Zaun von Solveig Hecht war ihren Worten zufolge zwei Meter hoch. Trotzdem: Da kommen zum Beispiel Schäferhunde drüber, ist die Schafsbesitzerin überzeugt, womöglich also auch Wölfe.

Für Solveig Hecht ist es daher wichtig, die Attacke auf die Schafe möglichst exakt zu rekonstruieren. „Ich will nicht auch noch die anderen Schafe verlieren“, sagt sie.

Von Klaus Reschke