Dienstag , 17. September 2019
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Die Arena-Baustelle an der Lüner Rennbahn aus der Luft. Das Projekt und die aus dem Ruder gelaufenen Kosten sorgen weiter für Zündstoff, ein Baustopp fand im Kreistag allerdings keine Mehrheit. Foto: t&w

Kreistag gibt der Arena eine weitere Chance

Lüneburg. „Hier sind Fehler gemacht worden. Die politische Verantwortung liegt bei mir. Ich habe Ihnen am 17. Dezember eine unkorrekte Bausumme vorgelegt. Hierfür entschuldige ich mich“ – mit diesen Worten eröffnete Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) am Montagnachmittag im Kreistag eine genau zweistündige Debatte zum Arena-Desaster.

An deren Ende verwarf das Gremium mit breiter Mehrheit sowohl die von der AfD eingebrachten beiden Anträge für einen Baustopp und eine Einwohnerbefragung sowie den von den Linken geforderten Verkauf des Rohbaus, um an einem anderen Standort eine kostengünstigere Halle zu realisieren.

Knapp – mit 27 zu 23 Stimmen – scheiterte auch der Grünen-Antrag, dem früheren Projektverantwortlichen, Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer (SPD), in der Arena-Frage das Misstrauen auszusprechen. Hiefür gab es nur Stimmen aus den Reihen von CDU und Grünen.

Klar durchsetzen konnte sich dagegen der Antrag von SPD und CDU. Er sieht unter anderem eine genaue Überprüfung der aus dem Ruder gelaufenen Kosten vor. Zudem soll ein externer Projektsteuerer eingesetzt werden. Der Kreistag will den weiteren Baufortschritt künftig eng begleiten und über „jegliches Einsparpotenzial“ für den Bau, dessen Kostenrahmen von der Verwaltung aktuell auf 25,8 Millionen Euro beziffert wird, mit entscheiden. Für diesen Antrag der Grünen gab es ebenfalls eine breite Mehrheit.

Ende Dezember 2019 soll der Rohbau stehen

Bis Ende Dezember 2019 werde der Rohbau der Arena fertig sein, schätzte Projekt-Koordinator Hans-Richard Maul vor dem Kreistag ein. Gut 10,2 Millionen Euro seien dann verbaut. Neue Aufträge werden erst nach den Sommerferien auszulösen sein. Bis dahin sei auch die genauere Ursachenprüfung für das Desaster abgeschlossen. Ende nächster Woche dürften bereits erste Einsparvorschläge vorliegen, die Planer und Politik diskutieren müssten.

Trotz des klaren Votums werteten die Chefs der sechs Kreistagsfraktionen die Situation durchaus unterschiedlich. Franz-Josef Kamp (SPD) appellierte, die „schlingernde Arena wieder ins richtige Fahrwasser zu bringen“. Es seien „offensichtlich Fehler“ gemacht worden, die jetzt aber aufgearbeitet würden. Nun gehe es um eine „zweite Chance“. Günter Dubber (CDU) betonte: „Der Image- und Vertrauensschaden ist immens.“ Er kritisierte „mehrfach unvollständige Informationen“ durch die Verwaltung. Jetzt gelte es, „das Beste aus einer rundum misslichen Situation zu machen“.

Petra Kruse-Runge (Grüne) unterstrich: „Wir haben eindeutig das Vertrauen verloren, welches wichtig ist für eine weitere Zusammenarbeit.“ Damit begründete sie, warum ihre Fraktion dem Ersten Kreisrat das Misstrauen aussprach. „Das ist kein Schildbürgerstreich, sondern ein politischer Skandal erster Güte“, erklärte FDP/Unabhängige-Gruppenchefin Gisela Plaschka. Dies bezog sie nicht nur auf die Planungspannen, sondern auch auf Aufträge wie gepolsterte Sitze auf der Tribüne.

Linker Galgenhumor: Arena nicht teurer als Gorch Fock

Christian-Eberhard Niemeyer (AfD) mahnte: „Wir brauchen hier keinen BER II. Die Arena wird uns mit Sicherheit in Atem halten“, plädierte er für eine Einwohnerbefragung, um die Akzeptanz zu messen. Linke-Fraktionschef Stoll übte sich in Galgenhumor: „Es gibt auch noch positive Nachrichten – die Kosten für die Arena übertreffen noch nicht die der Gorch Fock.“ Für die Linke sei aber die finanzielle Schmerzgrenze „deutlich überschritten“.

Von Marc Rath

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