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Förster Holger Kapell inspiziert die alten Autoreifen, die Unbekannte illegal im Barendorfer Forst entsorgt haben. (Foto: be)

Alte Autoreifen im Wald

Barendorf. Seit wenigen Monaten ist Holger Kapell der neue Förster in Barendorf – und muss sich mit den gleichen Umweltsünden rumschlagen, wie sein Vorgänger Oliver Christmann. Vor genau einem Jahr – noch zu Christmanns Zeiten – hatten Unbekannte mehr als 150 Altreifen illegal im Barendorfer Forst entsorgt (LZ berichtete). Jetzt machte Holger Kapell genau die gleiche Entdeckung. Wieder wurden mehr als 150 abefahrene Pneus illegal in seinem Revier abgekippt. Mitten auf einem Waldweg. Dieses Mal im „Vastorfer Holz“, keine 200 Meter vom „Reinstorfer Kreuz“ entfernt. „Das hat System“, ist Kapell überzeugt, der Anzeige bei der Polizei wegen illegaler Müllentsorgung erstattet hat.

Dass der Wald vor Lüneburg bevorzugt für die illegale Müllentsorgung angefahren wird, ist wohl vor allem seiner strategisch günstigen Lage geschuldet: Das Revier ist stadtnah gelegen, wird durchschnitten von der Bundesstraße 216 und liegt nahe der Ostumgehung. Schnell von der Straße runter, rein in den Wald, abladen und zurück auf die Straße – für kriminelle Müllentsorger scheint das ein sicheres Geschäftsmodell zu sein.

Alles andere als ein Kavaliersdelikt

„Müllentsorgung im Wald ist aber alles andere als ein Kavaliersdelikt“, stellt Kapell klar und zählt auf, gegen welche Gesetze die Müllsünder vestoßen: „Gegen das Naturschutzrecht, gegen das Abfallbeseitigungsgesetz und auch gegen das Landschaftsschutzgesetz.“ Mit anderen Worten: Wer erwischt wird, für den kann es richtig teuer werden.

Wie teuer, rechnete Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten bereits vor einem Jahr vor: „Solche Verstöße werden nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz geahndet, berichtete er damals. Das Bußgeld setze die Untere Abfallbehörde fest. Werden mehr als fünf Reifen illegal entsorgt, sehe der Bußgeldkatalog bereits Strafen von 1000 Euro bis zu 25 000 Euro vor, erklärt Knut Sierk, der von einem ähnlichen Fall aus dem benachbarten Heidekreis zu berichten wusste: „Da mussten die Täter 5000 Euro Strafe bezahlen.“

Dass die Umweltfrevler, die die Reifen im „Vastorfer Holz“ entsorgt haben, jetzt ebenfalls schnell ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden, wünscht sich Holger Kapell.

Spur der Täter führte nach Polen

Beim Fall vor einem Jahr führt die Spur die Ermittler in eine Hamburger Autowerkstatt. Damals hatte der Schrauber gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben , dass die Reifen gegen Gebühr von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt worden seien. Der Abholer komme alle zwei Wochen vorbei. Grund zur Skepsis habe er deshalb nicht gehabt. Doch statt die Reifen zur Deponie zu bringen, hat der Entsorger sie dann offenbar im Wald illegal abgeladen.

Damals hatten die Ermittler einen polnischen Entsorger im Visier. Angeblich einen katholischen Priester, der für das Abholen der Reifen extra nach Deutschland komme. Der Kontakt sei über seinen Cousin zustande gekommen, der in Hamburg wohne und den angeblichen Gottesmann immer dann informiere, wenn ein Reifenhändler wieder Altreifen entsorgen muss. „Diese Ermittlungsergebnisse hatten wir dem Ordnungamt des Landkreises Lüneburg weitergeleitet“, berichtet der Barendorfer Oberkommissar Ludger Wilkens. Inwieweit dann ein Rechtshilfeersuchen der deutschen Behörden in Polen gestellt wurde und mit welchem Ergebnis, entziehe sich seiner Kenntnis.

Ob es die gleichen Täter wie damals sind, die die Altreifen illegal im Wald entsorgen oder aber andere in das Müllgeschäft eingestiegen sind, ist zum jetztigen Zeitpunkt ebenfalls noch unklar: “Wir ermitteln“, sagt Wilkens.

Die Entsorgung der alten Schlappen hat nun die der kommunale Abfallentsorger GfA übernommen: „Dazu sind wir im Rahmen des niedersächsischen Abfallgesetzes verpflichtet“, erklärt GfA-Mitarbeiter Erich Tegtmeyer, der den Umweltfrevel ebenfalls nicht nachvollziehen kann. Die Krux an der Sache: Können die Verursacher nicht ermittelt werden, muss die Allgemeinheit für die Entsorgung über die Müllgebühren aufkommen. Da kommt ziemlich schnell eine stattliche Summe zusammen – pro Jahr laut GfA zwischen 15.000 bis 20.000 Euro.

Von Klaus Reschke