Donnerstag , 19. September 2019
Aktuell
Home | Lokales | „Krasse“ Sache
Maja Göpel ist Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Screenshot: YouTube.com

„Krasse“ Sache

Lüneburg. „Die Zerstörung der CDU“. Seit Sonnabend kursiert ein Video durchs Netz, das unter genau diesem Titel gegen die Christdemokraten wettert. Der Beitrag des YouTubers Rezo wurde über vier Millionen Mal abgerufen (Stand: 23. Mai). Von rund vier Millionen Menschen, die nun auch Maja Göpel kennen dürften, denn Rezo nutzt Aufnahmen von der Professorin der Leuphana Universität Lüneburg, um seine klimapolitischen Aussagen zu untermauern. Seit Tagen ist das Video heiß diskutiert – aus Göpels Sicht ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über die Erderwärmung. „Der Wissenschaft allein wäre das wohl so nie gelungen.“

In dem Video geht der 26-jährige Blauschopf Rezo mit der Politik, primär der CDU, streng ins Gericht. Mit polemisch-jugendlichem Slang und einem Wust an Zitaten, Zahlen und Diagrammen analysiert er die vergangene und aktuelle Situation: Chancenungleichheit, Urheberrechtsdebatte, Wohlstandsverteilung – allem voran jedoch wirf Rezo der Partei eine unverantwortliche Klimapolitik vor.

Expertin in Nachhaltigkeitsfragen

Und da kommt Maja Göpel ins Spiel: Sie ist Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), saß erst kürzlich bei Anne Will, um über das Thema CO2-Steuer zu sprechen und ist seit ein paar Wochen Honorar-Professorin der Fakultät Nachhaltigkeit an der Lüneburger Uni – sprich: Expertin in Nachhaltigkeitsfragen. Und weil man einem gewitzten YouTube-Sternchen nun mal nicht immer alles umgehend glaubt, hat Rezo Szenen aus der Scientists-for-Future-Pressekonferenz in sein Video geschnitten. Die Frau, die dort spricht, ist Maja Göpel.

Sie selbst ist erst am Sonntag auf das Video gestoßen – und sei „erstaunt“ gewesen, sagt sie, denn die Analyse sei „handwerklich gut gemacht“, sauber dokumentiert und daher „völlig legitim“. „Für mich ist das ein Zeichen, dass wir mit dem, was wir bei der Konferenz gesagt haben, einen Nerv getroffen haben.“ Auch wenn sie vorher nie gefragt wurde, ob sie in diesem Beitrag auftauchen wollte und nach eigenen Angaben keiner Partei angehört, zählt für Göpel eigentlich nur eins: die Befreiung der Klimadebatte von Vorwürfen wie „Spaßverderber, Verzichtsprediger und Fortschrittsleugner“, die über solche Formate nun mal gelinge.

„Kein Wiederaufbauen, kein Rückgängigmachen“

Göpel sagt in dem Video solche Sätze wie: „Die Irreversibilität der Veränderung ökologischer Systeme in ihrer Regeneration ist, glaube ich, einfach noch nicht begriffen worden.“ Rezo wiederum hilft als Übersetzer für die Jugend: „Also kein Wiederaufbauen, kein Rückgängigmachen. Also, die Erde wird dann wärmer und wärmer und wir können nichts mehr dagegen tun, es gibt immer krassere und immer stärkere Naturkatastrophen (…).“

Lüneburgs CDU-Kreisvorsitzender Felix Petersen nimmt’s gelassen. Mitten im Wahlkampfstress habe er sich das Video zwar noch nicht ansehen können, gesteht er am Mittwoch, die Debatte dazu aber durchaus verfolgt: „Drei Millionen Klicks? Das berührt mich tatsächlich kaum“, erklärt Petersen zu besagtem Zeitpunkt, zumal solche Videos doch recht schnell wieder in Vergessenheit gerieten. Und trotzdem zeige es noch einmal deutlich, dass die Parteien mit klassischen Wahlplakaten das junge Klientel nicht mehr erreichten. Das schaut YouTube.

Übrigens: Maja Göpel ist regelmäßig mit allen Parteien im deutschen Bundestag im Gespräch. Wissenschaftliche Erkenntnisse fänden dort also durchaus Gehör. „Was daraus politisch gemacht wird, können wir leider nicht beeinflussen.“

Von Anna Petersen