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Melbecks Gemeindedirektor Carsten Riegel steht vor dem Regenbecken, das ausgebaggert wurde. Dass diese Arbeiten in der Brut- und Setzzeit durchgeführt wurden, empört Anwohner. (Foto: kre)

Baggereinsatz erregt die Gemüter

Melbeck. Der Bagger hat beim Auskoffern des Regenrückhaltebeckens am Wietacker ganze Arbeit geleistet: Jetzt lagern rund 150 Tonnen schwarzen Schlamms zum Abtrocknen am Ufer. Bereit zur Entsorgung auf einer Deponie. Doch Anwohner sind entsetzt: „Warum mussten die Baggerarbeiten ausgerechnet jetzt in der Brut- und Setzzeit durchgeführt werden?“, empört sich ein LZ-Leser und verweist darauf, dass bei den Arbeiten auch das Brutgelege von Teichhühnern zerstört worden sei: „Von Amphibien und Froschlaich ganz zu schweigen!“

In Auftrag gegeben hat die Arbeiten die Gemeinde Melbeck. „Der Regenwasserkanal aus dem Baugebiet am ‚Wietacker‘ war zur Hälfte bereits versandet, da mussten wir handeln“, erklärt Gemeindedirektor Carsten Riegel auf LZ-Anfrage. Rund 20 000 Euro kostet seinen Worten zufolge das Freibaggern des Beckens, in dem Regenwasser gesammelt wird. Dass die Arbeiten aber ausgerechnet jetzt durchgeführt wurden, empfindet auch er als nicht besonders glücklich. „Natürlich sind wir bemüht, auf Fauna und Flora Rücksicht zu nehmen. Aber wenn etwas schiefgeht, dann gründlich!“

Falsches Gutachten verschickt

Denn eigentlich sollten die Baggerarbeiten schon im vergangenen Jahr erledigt werden. Probleme – und damit zeitliche Verzögerungen – gab es aber nach Riegels Worten schon beim Erstellen eines Bodengutachtens. „Das konnten wir erst im November in Auftrag geben“, berichtet der Gemeindedirektor. Als die Expertise endlich im Rathaus eintraf, war es die falsche. „Anstatt unseres eigenen wurde uns irrtümlich ein Gutachten aus Bardowick geschickt.“

„Der März war zu nass und im April beginnt die Laichzeit. Die wollten wir jetzt auch noch abwarten.“ – Carsten Riegel, Gemeindedirektor

Als der Fehler vermeintlich korrigiert war, passierte die nächste Panne: „Die Entsorgungsfirma wies uns darauf hin, dass das aktuelle Gutachten nicht der Deponieverordnung entspricht“, erklärt Riegel, ergo musste im Februar noch einmal ein komplett neues Gutachten erstellt werden. Das lag am 12. März endlich vor.

Jetzt also hätte es losgehen können mit den Baggerarbeiten, doch nun spielte das Wetter nicht mit. „Der März war zu nass und im April beginnt die Laichzeit. Die wollten wir jetzt auch noch abwarten“, nennt Riegel als Grund für die zeitliche Verzögerungen.

Sonderregelung für technische Bauwerke

Gleichzeitig weist der Melbecker Verwaltungschef aber unmissverständlich darauf hin, dass es sich beim Regensammelbecken um ein sogenanntes Technisches Bauwerk handelt. Das heißt: „Gesetzlich sind wir also nicht dazu verpflichtet, uns bei der Wartung solcher Anlagen an die Brut- und Setzzeit zu halten.“ Das könne sich allerdings ändern, wenn über Jahre hinweg die Anlage nicht gewartet werde und sich das technische Bauwerk zum Biotop wandle. „Dann müssten wir beispielsweise einen Bauantrag stellen und die Untere Naturschutzbehörde hören“, erklärt er. Soweit werde man es in Melbeck aber nicht kommen lassen.

Und zur Sorge der Anwohner um die Teichhühner sagt der Gemeindedirektor: „Ich glaube nicht, dass das Gelege der Vögel durch den Bagger zerstört wurde. Meines Wissens befindet sich das Gelege der Teichhühner weiter oberhalb, dort wo der Bagger gar nicht zum Einsatz gekommen ist.“ Dass Bürger ein kritisches Auge auf die Baggerarbeiten haben, findet Riegel aber gut und er verspricht: „Beim nächsten Mal werden wir versuchen, die Maßnahme im Spätherbst, beziehungsweise im Februar/März durchzuführen.

Von Klaus Reschke