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77 536 Menschen leben heute in Lüneburg. Und die Hansestadt wächst weiter. Foto: boldt

Wo in Lüneburg am meisten Bewegung ist

Lüneburg. Seit 1987 wächst Lüneburg kontinuierlich. Lebten damals noch rund 59 600 Menschen in der Hansestadt sind es heute 77 536. Das bedeutet einen Zuwachs von fast 30 Prozent in drei Jahrzehnten. Diese Entwicklung belegt die Attraktivität der Stadt. Woher kommen die Menschen und wo in Lüneburg finden sie eine Bleibe?

Die meisten Neu-Lüneburger kommen aus Hamburg: 3425 Hamburger haben in den vergangenen fünf Jahren ihren Wohnsitz in die kleinere Hansestadt verlegt. Allerdings zogen auch 3491 Menschen von Lüneburg in die Elbmetropole.

Die meisten Umzüge im Lüneburger Stadtgebiet gab es seit 2014 in der Altstadt. 1346 Menschen fanden hier durchschnittlich aufs Jahr gesehen eine neue Bleibe, 1283 Menschen zogen im selben Zeitraum weg. Bleibt unterm Strich ein mageres Plus von 63 Personen pro Jahr – angesichts des begrenzten Platzes für Neubauten erklärbar. Am kräftigsten gewachsen ist seit 2014 Neu Hagen mit durchschnittlich 203 Neubürgern pro Jahr, gefolgt von Kaltenmoor mit 177 Einwohnern, die pro Jahr hergezogen sind. Dagegen haben zwei Stadtteile durch die Migration im Saldo sogar verloren: Am Ebensberg zogen seit 2014 jährlich im Fünf-Jahres-Durchschnitt 16 Einwohner mehr weg, als zuzogen, in Häcklingen waren es 6. Umzugskartons wurden am seltensten in Wilschenbruch benötigt, dort gab es aufs Jahr gerechnet 101 Zuzüge und 84 Wegzüge.

Dennoch gibt es in Lüneburg einiges zu tun für Umzugsunternehmen: Im Jahr 2018 zogen 6510 Menschen von außerhalb in die Stadt, während 6087 Personen der Stadt den Rücken kehrten. Die Zuzügler kamen aus etwa 1000 verschiedenen deutschen Gemeinden und aus etwa 100 Ländern weltweit. Die meisten Umzüge gab es aber innerhalb Lüneburgs: 5194 Menschen melden pro Jahr im Stadtgebiet ihre Adresse um.

Nicht erst seit die Roten Rosen Tag für Tag allerbeste Werbung für ein Millionenpublikum machen ist Lüneburg attraktiv, und zwar nicht nur für Touristen, sondern auch als Ort, um hier gut zu leben. Seit vielen Jahren wächst die Stadt. Menschen aus ganz Deutschland ziehen her, weil sie hier einen Arbeitsplatz finden, an der Leuphana studieren oder sich ihren Traum vom Eigenheim in einer reizvollen Stadt verwirklichen wollen. Das macht Lüneburg auch zu einem teuren Pflaster, denn Attraktivität hat ihren Preis.

Das gilt gerade für Immobilien, Grundstücke und Mieten. Viele Menschen können sich das Wohnen an der Ilmenau nicht mehr leisten. Sie ziehen in die Umlandgemeinden, wo die Mieten zumeist noch etwas moderater sind. Doch für Hamburger erscheint Lüneburg dagegen günstig, viele ziehen von dort her, pendeln lieber fortan täglich zur Arbeit oder machen Homeoffice, weil sie in Lüneburg fürs Wohnen deutlich weniger ausgeben müssen.

Der genaue Blick auf die Wanderungsbewegungen belegt diesen preislichen Verdrängungswettbewerb zumindest in Teilen. In den vergangenen fünf Jahren zogen zuletzt rund 3400 Hamburger nach Lüneburg, so viel wie aus keiner anderen Stadt oder Gemeinde in Deutschland. Erstaunlich attraktiv scheint die alte Salzstadt aber auch bei Berlinern zu sein, 628 Personen zogen aus der Bundeshauptstadt von 2014 bis einschließlich 2018 an die Ilmenau. Regen Zulauf hat Lüneburg aber auch aus anderen Städten in Norddeutschland wie Hannover (407), Bremen (267), Lübeck (243), Kiel (225) und Göttingen (174), aber selbst in München (135), Köln (107) und Leipzig (94) lockt die Wahlheimat der Roten Rosen.

Auch die Flüchtlingswelle spiegelt sich in der Statistik wieder: So kamen im Jahr 2015 insgesamt 2548 Ausländer nach Lüneburg. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor waren es 650, im Jahr 1995 allerdings mehr als 3000. Weil aber auch viele Ausländer Lüneburg verließen – 1995 zum Beispiel fast ebenso viele wie herkamen –, war der Saldo stets deutlich geringer (im Jahr 1995 etwa nur ein Plus von knapp 40). Die große Ausnahme gab es 2015, als unter dem Strich ein Plus von 1531 Ausländern stand.

Rechnet man Zu- und Wegzüge gegeneinander auf, hat Lüneburg innerhalb Deutschlands am meisten Einwohner aus Braunschweig (plus 439 in fünf Jahren) und der Gemeinde Friedland (+ 419) gewonnen, hier spielt vor allem das Grenzdurchgangslager eine Rolle, von dort aus werden Flüchtlinge aus Krisenländern in aller Welt auf die Kommunen verteilt.

Am meisten „verloren“ hat die Hansestadt an ihre Umlandgemeinden Reppenstedt (-234 von 2014 bis 2018), Bienenbüttel (-196) und Adendorf (-183), Bardowick (-169) und Deutsch Evern (-118). Auch hier dürfte in den meisten Fällen der Preis des Wohnens eine Rolle spielen: Das Baugrundstück oder die Mietwohnung ist dort eben noch ein bisschen günstiger als in Lüneburg selbst.

Von Alexander Hempelmann