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Diskutierten sachlich und fair beim Wahlforum der LZ im Schützenhaus Kirchgellersen (v.l.): Jörn Krack, Oliver Glodzei, Anikó Hauch und Steffen Gärtner. Foto: t&w

Gellerser haben die Qual der Wahl

Kirchgellersen. Den Gellersern ist es wichtig, wer in den kommenden Jahren an der Spitze ihrer Samtgemeinde steht. So stieß das LZ-Wahlforum am Montagabend im Schützenhaus Kirchgellersen auf reges Interesse. Mehr als 100 Bürger waren neugierig, wie sich die vier Kandidaten, die den Chefsessel im Reppenstedter Rathaus erobern wollen, präsentieren und politisch positionieren. Zur Wahl stellen sich am kommenden Sonntag, 26. Mai: Steffen Gärtner (CDU), Jörn Krack (SPD), Oliver Glodzei (Grüne) und Anikó Hauch (FDP).

Moderiert wurde die Veranstaltung von den LZ-Redakteuren Malte Lühr und Marc Rath. „Die Bürger in der Samtgemeinde Gellersen haben die Qual der Wahl, denn alle Kandidaten ticken gut“, fasste Marc Rath in seinem Schlusswort die vorangegangenen Fragerunden zusammen. Dabei standen trotz der Konkurrenz Fairness und Respekt gleichermaßen im Vordergrund. Alle Wortbeiträge erhielten Applaus, von den Mitbewerbern und vom Publikum. Einige Themen, um die es ging, waren:

Finanzen

Anikó Hauch: Die Schulden sind zu hoch und müssen daher dringend abgebaut werden, damit wir langfristig gesehen weiter investieren können. Einsparpotenzial sehe ich vor allem darin, dass weniger teure externe Berater beauftragt werden als bisher. Wir haben in der Verwaltung das entsprechende Wissen.
Oliver Glodzei: Der Schuldenstand von 12,8 Millionen Euro zum Ende dieses Jahres ist eine plakative Zahl. Es handelt sich um Geld, das wir zurückzahlen müssen und das unseren Haushalt schmälert. Die Samtgemeinde ist weit davon entfernt, überschuldet zu sein. Künftig müssen wir den Haushalt kräftig durchschütteln, um in diesem Sparpotenziale ausfindig zu machen. Ich bin überzeugt, da findet sich einiges.
Jörn Krack: Trotz der Schulden müssen wir den Mut haben, weiter sinnvoll in die Zukunft zu investieren. Zu einem guten Risikomanagement gehört, dass die schwarze Null stehen muss. Aber nicht auf Biegen oder Brechen. Geld lässt sich einsparen, indem auf sinnlose Gutachten verzichtet wird, die oft in Auftrag gegeben werden, ohne dass die Fragestellung dafür vorher feststeht. Lieber sollten wir auf das Know-how unserer Bürger setzen, bei denen es viele intelligente Fachleute gibt.
Steffen Gärtner: Der Schuldenstand von 12,8 Millionen Euro bedeutet eine Zinsbelastung von 170 000 Euro im Jahr. Das ist tragbar, spannend wird es jedoch, wenn die Zinsen wieder steigen. Auf diesen Fall müssen wir uns vorbereiten, indem wir uns zum Beispiel Gedanken darüber machen, wie wir Drittmittel einwerben. Außerdem müssen wir als Kommune versuchen, Bund und Land stärker bei Kostenerstattungen in die Verantwortung zu nehmen.

Kinderbetreuung

Oliver Glodzei: Wir haben eine hervorragende Kinderbetreuung in der Samtgemeinde, die wir uns etwas kosten lassen. Ich möchte jedoch, dass das Land mit Blick auf die Beitragsfreiheit im Kindergarten, die gut ist und bestehen bleiben muss, mehr zahlt. Wir machen derzeit ein Minus von 200 000 Euro im Jahr. Wir haben hervorragendes und auch bei anderen begehrtes Personal. Durch gute Fortbildungsangebote müssen wir versuchen, es zu halten. Ein Ziel muss sein, den Bedarf an weiteren Angeboten bei den Eltern zu erfragen, auch bei denen, die ihre Kinder nicht mehr im Kindergarten haben.
Jörn Krack: Es wäre falsch, an der Kinderbetreuung zu sparen, denn es ist gut investiertes Geld für die Zukunft. Wir müssen versuchen, die Qualität weiter zu steigern durch die Absenkung des Betreuungsschlüssels. Das geht nur, wenn wir mehr Personal einstellen. Das ist für mich eine gesunde Investition. Darüber hinaus benötigen wir Ganztagskoordination, die fachlich für die Planung der Nachmittage zuständig ist, zum Beispiel bei der Koordination des Personals.
Steffen Gärtner: Es wird in den nächsten fünf Jahren schwerer für die Samtgemeinde, gut qualifiziertes Personal zu finden. Und wir werden mehr einstellen müssen. Deshalb müssen wir künftig die Ausbildung der Erzieher bezahlen, die jetzt noch Schulgeld aus eigener Tasche aufbringen müssen. Außerdem müssen wir für die berufsbegleitende Weiterbildung sorgen. Aber es wir können bei den bestehenden Angeboten noch einiges besser machen und sollten versuchen, die Kinderbetreuung mit der Jugendarbeit zu verknüpfen.
Anikó Hauch: Wir müssen Beihilfen für die Ausbildung der Erzieher zahlen, dafür Mittel von der EU und aus Förderprogrammen einwerben. Zumal die Anforderungen in der Ausbildung immer höher werden und schon fast auf dem Niveau eines pädagogischen Studiums sind. Wir müssen die Nachmittagsbetreuung ausbauen, nicht nur mit weiteren Angeboten, sondern auch personell. Auch fehlt in der Samtgemeinde eine Ferienbetreuung.

Grüngürtel-West

Jörn Krack: Ich möchte, dass der Grüngürtel zwischen Reppenstedt und Lüneburg bleibt.
Steffen Gärtner: Ich sehe die Planung als problematisch an. Wir können uns kritisch einbringen oder alternativ ganz selbstbewusst dafür werben, dass der 3 D-Campus in Reppenstedt entsteht. Wir haben die dafür nötige Infrastruktur.
Anikó Hauch: Ich finde es bedauerlich, dass die Fläche bebaut werden soll. Wir benötigen sie als Frischluft-Korridor. Doch wir entscheiden da leider nichts.
Oliver Glodzei: Die grünen Lungen der Orte dürfen nicht weiter zugepflastert werden.

Bahntrassen in Gellersen

Oliver Glodzei: Bahntrassen durch Wald und Heide lehne ich ab, werde mit den Kommunen klare Kante dagegen zeigen.
Anikó Hauch: Wir müssen uns jetzt positionieren und das ganz klar kommunizieren: keine Bahntrasse in Gellersen.
Steffen Gärtner: Ich will keine Bahntrasse. Sollte es Planungen geben, wird es enormen Protest dagegen geben.
Jörn Krack: Ich will keine Schienen, die durch Gellerser Dörfer verlaufen.

Von Stefan Bohlmann