Dienstag , 17. September 2019
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Einen Fisch fachgerecht zu zerlegen und zu filetieren stand auch auf dem Programm des Seminars, das Jörg Strehlow (vorne rechts) für die Teilnehmer zusammengestellt und sich dafür mit Sebastian Bruns, Koch und Fischexperte von Deutsche See (vorne links), einen Fachmann organisiert hatte. Michael Geile (vorne Mitte) demonstriert, dass er in den fünf Tagen nicht nur viel Spaß hatte, sondern auch viel gelernt hat. Foto: t&w

Mit Demut zur Natur

Barendorf. Bildung und Urlaub zu verbinden ist eine durchaus sinnvolle Sache. Das sieht auch der Gesetzgeber so. Einmal pro Jahr dürfen Arbeitnehmer deshalb eine außerbetriebliche Veranstaltung besuchen, fünf Tage soll sie umfassen, politischer, beruflicher oder auch allgemeinbildender Natur sein. Am Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide in Barendorf fand jetzt zum zweiten Mal ein ganz besonderes Seminar statt – und stieß auf große Resonanz.

„Fließgewässer und Fischbestand – nachhaltiges Angeln“ lautet der Titel des Angebots, das seine Jungfernauflage bereits 2018 hatte und jetzt erneut auf dem Programm zu finden war. „Wir haben einen derart großen Zuspruch erfahren, dass wir den Workshop in diesem Jahr gleich dreimal auflegen können“, sagt Andrea Huber, pädagogische Mitarbeiterin der Einrichtung. „Das liegt wohl an der guten Mischung aus Theorie und Praxis in Kombination mit einem großen Wohlfühlfaktor und fachlicher Kompetenz.“

Verständnis für Flora und Fauna

Die bekommen die zwölf Teilnehmer – alle im Besitz eines gültigen Fischereischeins – von zahlreichen Experten aus den Bereichen Umwelt, Verbandsarbeit und Küche – allen voran Jörg Strehlow, der als Pionier im nachhaltigen Angelsport gilt und seit 1995 eine Angelschule in Bleckede betreibt. „Ziel des Seminars ist es, der Gruppe fisch- und umweltgerechtes Angeln zu zeigen“, erklärt der Hamburger, „dabei geht es unter anderem darum, maßvoll in die Natur einzugreifen, das Verständnis für Flora und Fauna, aber auch den Zusammenhang zwischen Fischbestand und Umweltschutz zu begreifen.“

So habe beispielsweise der Zander – einer seiner Lieblingsfische – jetzt keine Schonzeit mehr, befinde sich aber aufgrund unterschiedlicher Einflüsse doch häufig noch in der Laich. „Hier gilt es, die entsprechenden Merkmale am Tier zu erkennen und dieses gegebenenfalls wieder zurückzusetzen, damit es seinen biologischen Auftrag erfüllen kann“, sagt Jörg Strehlow, und Andrea Huber ergänzt: „Der Klimawandel bringt viele Veränderungen mit sich, wichtig ist, dass wir mit der Natur zukunftsbewusster umgehen – und dafür müssen uns deren Zusammenhänge klar sein.“

Vorträge über die „Gewässergüte-Entwicklung der Elbe“

Neben der Kenntnis über das Zielobjekt standen deshalb auch weitreichendere Informationen und Aktionen auf dem Programm: „So haben wir eine Floßfahrt auf der Elbe unternommen, um Verständnis für das Gewässer zu bekommen, haben dann – aufgeteilt in zwei Gruppen – auf Fried- und Raubfische geangelt und diese dann anschließend fachgerecht zubereitet“, berichtet der ausgebildete Natur- und Landschaftsführer. Zudem haben Fachleute Vorträge über die „Gewässergüte-Entwicklung der Elbe“ oder „das Angeln in seiner politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung“ gehalten.

„Letztlich wollen wir den Teilnehmern vermitteln, dass Angeln mehr ist als Fische fangen, dass es nicht darum geht, den größten Fang mit nach Hause zu bringen, dass es sogar auch ein guter Tag ist, wenn wir einfach nur in der Natur waren und auch mal nichts aus dem Gewässer geholt haben.“ Deshalb stand auch eine umfangreiche Müllsammel­aktion auf der Tagesordnung. „Das gehört bei mir immer dazu“, sagt Jörg Strehlow.

Gegessen wurde auch – vornehmlich Fisch: Sebastian Bruns, Seminarleiter Deutsche See, demonstrierte, wie Fänge leicht und doch delikat zubereitet werden können. „Der ist selbst leidenschaftlicher Angler“, verriet Jörg Strehlow augenzwinkernd, „und hat mit mir zusammen ein Kochbuch publiziert.“

Von Ute Lühr