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Gemeinsam mit der Samtgemeinde Bardowick feilt Gastwirt Rudolf Bardowicks an einem Konzept für die Zukunft. Einen Nachfolger, der die Familientradition weiterführt, gibt es nicht. Foto: t&w

Zukunftspläne reifen im Anker

Bardowick. Wer nicht sattelfest in der Bardowicker Geschichte ist, hat mit der Einladung „Wir feiern beim Brenner“ meist ein Problem. Denn als Brenner wird seit Ende des 18. Jahrhunderts stets der Gastwirt bezeichnet, der Speis und Trank im Gasthaus Zum Anker an der Bardowicker Ilmenaubrücke serviert. Aktuell ist es Rudolf Bardowicks. „Unsere Familie betreibt seit mehr als 150 Jahren hier im Haus eine Kneipe“, erzählt der Wirt. Und das soll auch noch einige Jahre so weitergehen.

Doch gleichzeitig feilen Rudolf Bardowicks und seine Frau Ulrike an einem Konzept für die Zukunft – mit der Samtgemeinde Bardowick. Denn schon jetzt zeichnet sich ab: Einen Nachfolger, der die Familientradition weiterführt, wird es nicht geben.

Für Verwirrung im Ort hatte Mitte Mai ein Bericht der Landeszeitung* gesorgt, demzufolge das Gasthaus Zum Anker in Kürze schließen werde. Dem widerspricht Rudolf Bardowicks: „Schließen werden wir in absehbarer Zeit sicherlich nicht.“ Vielmehr sei das Gasthaus für etliche Veranstaltungen schon Monate im Voraus gebucht, Klubräume, der große Saal, in dem 250 Gäste Platz finden, sowie die Kegelbahnen könnten auch weiterhin für Veranstaltungen aller Art reserviert werden. „Selbstverständlich finden auch Feuerwehr-, Schiffer- und Schützenball sowie alle anderen Termine und Veranstaltungen weiterhin bei uns statt.“ Auch das Tagesgeschäft laufe wie gewohnt weiter.

Doch denkt das Wirtspaar auch an die Zukunft – und plant mit Weitblick den eigenen Ruhestand. „Daher liegt es uns sehr am Herzen, für unser Traditionshaus ein schlüssiges Zukunftskonzept zu entwickeln. Wir wünschen uns, dass eines Tages die Übernahme aus dem laufenden Betrieb heraus erfolgen kann.“

Mit der Samtgemeinde auf Lösungssuche

Eine Idee ist, mit der Samtgemeinde eine gemeinsame und tragbare Lösung zu finden. „Daher haben wir bereits Gespräche geführt. Wenn die Samtgemeinde unser Gasthaus übernehmen will, dann helfe ich gerne“, sagt Rudolf Bardowicks. Die Samtgemeinde habe andere Möglichkeiten als er und seine Frau.

Bei Bürgermeister Heiner Luhmann hat er ein offenes Ohr gefunden. Für den Verwaltungschef steht fest: „Der Charme muss bleiben. Das Gasthaus mit seiner Lage am Treidelpfad an der Ilmenau ist ortsbildprägend.“ Auch den großen Saal will Luhmann unbedingt erhalten. „Wir brauchen ihn in Bardowick, er ist äußerst wichtig für den Ort. Einen anderen für größere Veranstaltungen haben wir nicht.“

Treffpunkt für alle Gruppen und Vereine

Und der gerade erst wiedergewählte Rathauschef hat auch schon etliche Ideen, die sich im Gasthaus Zum Anker verwirklichen ließen. So könnte aus dem historischen Gebäude eine Anlaufstelle für die Gemeinschaft, ein Treffpunkt für alle Gruppen und Vereine werden. Auch einen überdachten Wochenmarkt am Freitag kann sich Luhmann in den Räumen vorstellen. „Denkbar ist zudem, in dem Gasthaus Fremdenzimmer einzurichten. Daran mangelt es in Bardowick“, sagt der Bürgermeister.

Noch dringender muss Luhmann allerdings das Problem der Mittagsverpflegung an den Kitas und Schulen der Samtgemeinde lösen. Dort werden derzeit 120.000 Essen jährlich serviert. In den kommenden Jahren wird diese Zahl auf 300.000 steigen. „Mit dem bisherigen Caterer-System ist das nicht mehr zu leisten“, erklärt Luhmann und erläutert seinen Plan: Er möchte im Gasthaus Zum Anker eine Art Logistikzentrum für die Betreuungseinrichtungen aufbauen. Das vorbereitete Essen würde dort angeliefert, in den nächsten Schritten portioniert, fertig zubereitet und ausgeliefert. „Das System haben wir uns an anderer Stelle bereits angesehen. Es funktioniert super, und das Essen schmeckt“, berichtet der Verwaltungschef. Und auch ältere Menschen finden einen Platz in Luhmanns Konzept: „Sie können direkt vor Ort eine warme Mahlzeit bekommen.“ Doch erst einmal läuft der Betrieb im Brenner für einige Jahre noch weiter wie gewohnt.

Geschichte der Hofstelle reicht bis ins Jahr 1612 zurück

Laut Rudolf Bardowicks reicht die Historie der Hofstelle bis in das Jahr 1612 zurück. Die Bezeichnung Brenner kommt übrigens noch aus der Zeit, als am Wirtshaus ein Anleger für Ewer war, an der Gemüse verladen wurde. Die Bardowicker versorgten früher Hamburg mit knackigem und gesundem Grünzeug, das sie mit kleinen Schiffe über die Ilmenau nach Hamburg transportierten. „Meine Familie hatte aufgrund der Lage unseres Gasthauses direkt an der Verladestelle Mitte des 19. Jahrhunderts das Brenn- und Verschnittrecht für Schnaps erhalten“, erzählt Rudolf Bardowicks. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs durfte Hochprozentiges gebrannt werden, danach endete die Lizenz. Das ist lange her, doch zum Brenner gehen die Bardowicker noch heute.

* Missverständnisse, die der Artikel im Mai ausgelöst hat, bittet die Redaktion zu entschuldigen.

Von Stefan Bohlmann