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Weniger junge Leute als sonst tummelten sich gestern am Inselsee. Foto: be

Party bis der Arzt kommt

Scharnebeck. Die Rückkehr Jesu Christi wird hier heute nicht gefeiert, wohl aber „dass ich noch nicht Vater bin“, „dass ich Vater werde“, „dass alle dabei sind“ , oder ganz einfach auf den Punkt gebracht: „Saufen halt!“

Wie in den vergangenen Jahren haben sich am Vatertag wieder zahlreiche partywütige junge Leute am Inselsee eingefunden, der Altersschnitt liegt etwa zwischen 15 und 25 Jahren.

Laute Musik dröhnt über die Straße, zerbrochene Flaschen liegen auf dem Asphalt, rund 400 Jugendliche und junge Erwachsene stehen herum, tanzen und trinken. Viele von ihnen haben sich mit ihren teilweise extravagant dekorierten Bollerwagen schon früh am Morgen auf den Weg Richtung Scharnebeck gemacht, dementsprechend alkoholgeschwängert ist die Stimmung bereits am Mittag.

Früh auf den Beinen war auch Jonas mit seiner Clique aus Bardowick. Die Bierhelme hat die etwa 20-köpfige Gruppe extra für heute bestellt, Vatertag am Inselsee hat für sie Tradition. Die meisten von ihnen haben zum Glück morgen frei. „Der Plan ist schon, bis heute abend durchzuhalten. Mal gucken, ob das klappt.“

Weniger Ausflügler als sonst unterwegs

Leon aus Amelinghausen ist das erste Mal dabei und positiv überrascht. „Ich habe es mir irgendwie asiger vorgestellt. Aber die Atmosphäre ist super, man kann mit Leuten Spaß haben, die man überhaupt nicht kennt, kommt leicht ins Gespräch.“

Neben dem „Zungenlöser“ Alkohol könnte der Bollerwagen seiner Gruppe Interessierte anlocken: Eine Konstruktion mit integriertem Grill. „So halten wir auf jeden Fall schon viel länger durch.“

Polizeioberkommissar Uwe Frohloff von der Polzeistation Scharnebeck zeigt sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. „Bislang ist alles recht ruhig und friedlich.“ Zum einen, weil vermutlich wegen des durchwachsenen Wetters weniger Jugendliche unterwegs seien als sonst, aber auch, weil sich ein Generationenwechsel vollzogen habe. „Einige auffällige Personen, die sonst immer mitgefeiert haben, scheinen aus der Veranstaltung herausgewachsen zu sein, ein Segen für uns.“

„Wir kennen unsere Leute“

Das Konzept der Beamten: Deeskalation. Präsenz zeigen, so oft wie möglich durch die Menge gehen, und Störenfriede möglichst zur Räson rufen, bevor etwas passiert.

„Ein Vorteil des Dienstes auf dem Dorf ist, dass wir unsere Leute kennen, die persönlichen Kontakte helfen uns sehr,“ so Frohloff. „Ich habe nichts dagegen, dass hier gefeiert wird, ist doch besser als nur am Handy zu sitzen. Es müssen einfach ein paar Regeln eingehalten werden. Und dafür sind wir da.“

Ein junger Mann tippt Frohloff an die Schulter, bedankt sich bei ihm. „Es gibt so viele Leute, die sich über Euch aufregen. Aber Ihr macht gute Arbeit, das ist nicht selbstverständlich, das ist echt kein einfacher Job.“ Anerkennung, die den Polizisten Frohloff freut, gerade an solchen Tagen.

Ab 15.30 Uhr ging es etwas heftiger zur Sache

Auch die Bundespolizei ist mit zwei Beamten vertreten, die den Schienenverkehr beobachten. Einer sagt: „Im vergangenen Jahr sind auch Leute besoffen von der Brücke gesprungen, das kann lebensgefährlich sein. Wir hatten da schon mal einen tragischen Todesfall.“

Zu späterer Stunde war dann allerdings klar, dass sich die Hoffnung auf einen verhältnismäßig ruhigen Einsatz am Inselsee doch nicht bewahrheitet hatte: „Ab 15.30 Uhr ging es etwas heftiger zur Sache. Zahlreiche Körperverletzungen, die des Einsatzes von Pfefferspray bedurften, und Platzverweise, die nur unter Einsatz von Pfefferspray ausgeführt werden konnten.“ So lautet das erste Fazit des Dienstabteilungsleiters der Polizei Stefan Gust von Loh am frühen Abend.

Von Lea Schulze