Aktuell
Home | Lokales | Fledermausbeauftragte aus Leidenschaft
Meike Martin ist Diplom-Biologin, wird künftig als ehrenamtliche Fledermausbeauftragte für den Landkreis tätig sein. Foto: t&w

Fledermausbeauftragte aus Leidenschaft

Lüneburg. Wenn Meike Martin über Fledermäuse spricht, dann strahlt die 39-Jährige über das ganze Gesicht. Einen Platz in ihrem Herzen haben die Säugetiere über verschiedene Wege gefunden. „Ich fand es schon immer faszinierend, Fledermäuse abends bei mir im Garten zu beobachten. Als Biologin für Artenschutz am Bau kümmere ich mich darum, dass sie lebendig bleiben“, erzählt Martin. Richtig erwischt hat es sie aber erst, als sie in der Fledermauspflegestelle „Stella Luna“ selbst das erste Mal eins der kleinen Säugetiere auf dem Arm gehabt hat, schwärmt Martin. Ihre schönste Erfahrung mit den Jägern der Nacht: „Fledermäusen das Fliegen beizubringen.“ Jahrelang hat Meike Martin sich weitergebildet, beim NABU eine Ausbildung zur „Fledermausbotschafterin“ gemacht und „alles gelesen, was mir an Literatur zwischen die Finger gekommen ist“. Ihr Wissen sei nun so groß, dass sie sich bereit fühle für mehr Verantwortung. Das Ehrenamt der Fledermausbeauftragten des Landkreises Lüneburg ist ihr also wie auf den Leib geschneidert.

Ansprechpartnerin bei Fledermausfunden

Die Aufgaben der Fledermausbeauftragten sind vielfältig, so versteht Martin sich vor allem als Ansprechpartnerin bei Fledermausfunden. „Die meisten Arten stehen auf der Vorwarnstufe der roten Liste, es gilt unbedingt zu verhindern, dass sie in der Mülltonne landen. Wer sich unsicher ist, wie er sich verhalten soll, dem stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite“, so die Wissenschaftlerin. Wichtig sei es zum Beispiel, die Tiere erst ab Dämmerungseinbruch auszusetzen, möglichst erhöht, um sie vor Katzen zu schützen. „Und immer am Fundort. Fledermäuse sind absolute Herdentiere, niemand weiß, wie sie es machen, aber sie kommunizieren und finden nur so zu ihrer Familie zurück.“ Dass es so schlecht um die Fledermaus stehe liege vor allem daran, dass es immer weniger Insekten gebe, ihr Hauptnahrungsmittel, und gerade hier in Lüneburg viele Straßenbäume gefällt worden seien.

„Hochfliegende Fledermausarten werden von Windkraftanlagen geschreddert, die tieffliegenden gelangen immer häufiger vors Auto. Dieser Tage ist überall die Rede davon, dass wir mehr Natur erleben wollen. Aber gleichzeitig schmeißen wir sie raus“, ärgert sich Martin. Viele Quartierverluste gehen auch mit Renovierungsarbeiten, Sanierungen und Wärmedämmungen einher. Um diese zu minimieren macht Martin an Berufsschulen angehende Handwerker mit dem Thema Artenschutz am Bau vertraut, möchte an Baustellen durch Gespräche vermitteln.

Wichtig für unser Ökosystem

Was ihr außerdem sehr am Herzen liegt, ist Öffentlichkeitsarbeit für die Fledermaus: „Sie sind genauso wichtig für unser Ökosystem wie Vögel, nur sehen die Menschen sie seltener und erachten sie deshalb als weniger wichtig. Und leider empfinden viele bei dem Gedanken an Fledermäuse auch Ekel und Furcht. Das möchte ich ändern, Begeisterung und ein positives Interesse für diese intelligenten Tiere wecken.“ Ihre Kinder hat die zweifache Mutter schon angesteckt, berichtet Martin: „Madita und Justus genießen es genauso wie ich, abends am Wasser zu sitzen, den Blick gen Himmel gerichtet. Sie hoffen, dass wir schon bald den ersten Schützling in Pflege bekommen.“

Interessierte können sich mit Fragen zu Fledermäusen melden unter (04131) 26-1373/ -1586 oder per E-Mail an umwelt@landkreis-lueneburg.de.

Von Lea Schulze