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Auf dem Acker von Florian Schröder (orange Weste) in Tellmer kamen Politiker und Landwirte ins Gespräch. Foto: t&w

Miteinander statt übereinander sprechen

Betzendorf/Tellmer. Auf dem Acker des Landwirts Florian Schröder in Tellmer ging es hoch her: Der Bauernverband Nordostniedersachsen hatte anlässlich des landesweiten Pflanzenschutztages Landwirte sowie Verantwortungsträger aus Politik und Wirtschaft zu einer Diskussionsrunde eingeladen, das Interesse war groß. „Es ist schön, dass wir endlich mal miteinander reden, nicht nur übereinander. Hier sind alle Fraktionen vertreten, auch Fachkollegen aus der Landwirtschaft. Hier bekommt jeder von uns viel Input, um die Dinge auch mal anders zu sehen“, freute sich Lüneburgs stellvertretender Landrat Norbert Thiemann über die Zusammenkunft bei strahlendem Sonnenschein, Kaffee und Kuchen.

Gummistiefel und Latzhose gehören der Vergangenheit an

Dass in ganz grundsätzlicher Hinsicht Gesprächsbedarf besteht, machte Florian Schröder bereits in seiner Willkommensrede deutlich: „Gummistiefel und Latzhose, dieses Bild vom Bauern gehört doch der Vergangenheit an. Inzwischen finden zwei Drittel unserer Arbeit im Büro statt, Organisationsaufgaben abarbeiten.“ Die Regel sei eine 74-Stunden-Woche. „Natürlich fällt es da schwer Nachwuchs zu finden. Ich habe nichts anders als meinen Boden, den hege und pflege ich“, erklärte Schröder. „Man macht und tut, trotzdem sinkt das Ansehen des konventionellen Bauern in der Gesellschaft immer mehr.“

Der Landwirt berichtete zudem vom Fachkräftemangel und wie der Mindestlohn den Betrieben zu schaffen macht. „Zwölf Euro würden viele in eine große Krise stürzen. Die satteln dann zwangsläufig auf Maschinen um, aber ist das besser?“ Auch sei Bio nicht der Heilsbringer, obwohl es in den Medien oft so dargestellt und von den Verbrauchern nicht hinterfragt werde. „Wegen des Klimas hier ist der norddeutsche Raum auch einfach nicht so prädestiniert für biologischen Anbau wie der süddeutsche, da muss man den Tatsachen auch mal ins Auge blicken“, so Schröder. Ob die Landwirte nur passive Opfer seien, stellte Ralf Gros, der für die Grünen im Kreistag sitzt, kritisch infrage.

Emotionalität in der Debatte

Schröder hingegen bedauerte es, dass die Pflanzenschutzdebatte oft ohne ausreichendes Hintergrundwissen geführt wird. „Wir essen und trinken, und die Pflanzen auch. Wir errechnen ihren Nährstoffbedarf, ziehen das, was vom Boden durch Zwischenfrüchte nachgeliefert wird, ab und füttern den Rest zu. Der normale Lauf der Dinge. Trotzdem bin ich Anfeindungen ausgesetzt, und zeitweise sogar meine Kinder in der Schule.“

„In Punkto Pflanzenschutz haben wir in Europa die weltweit höchsten Standards.“
Johannes Heuer
(Geschäftsführer Bauernverband Nordostniedersachsen)

Die Emotionalität in der Debatte, etwa um Glyphosat findet auch der Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Johannes Heuer, bedenklich. „Wir haben in Europa ein sehr gutes Zulassungssystem und die weltweit höchsten Standards. Da wird nichts mal eben so durchgewunken.“ Das falle leider in der medialen Öffentlichkeit oft hinten runter.

Sein Fazit zu der Veranstaltung fiel positiv aus: „Wir wollten über Themen ins Gespräch kommen, die in Medien und Politik kontrovers diskutiert werden. Das hat geklappt, sachlich und auf fachlich hohem Niveau.“

Von Lea Schulze