Aktuell
Home | Lokales | Umwelt und Erholung sichern
Die Ilmenau ist bei Kanuten und Kajakfahrern beliebt, aber auch für die biologische Vielfalt hat sie eine enorme Bedeutung. Foto: phs

Umwelt und Erholung sichern

Lüneburg. „Ich kann dem in Details nicht mehr folgen.“ SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski sprach den meisten Ausschussmitgliedern vermutlich aus der Seele, als er am Ende der gemeinsamen Sitzung von Bau- und und Umweltausschuss dafür plädierte, das Thema zunächst in den Fraktionen zu diskutieren. Seinem Vorschlag war die Präsentation des künftigen Landschaftsplans für Lüneburg mit einer Fülle an Fachinformationen vorausgegangen. Den sollten die Ausschussmitglieder eigentlich abnicken. Doch dazu kam es nicht.

Trittsteinachsen, Biotopverbund, Zerschneidungswirkung, Pufferflächen – Landschaftsarchitektin Ute Johannes mutete den Ausschussmitgliedern mit ihrer Vorstellung des Entwurfs für den künftigen Landschaftsplan eine Menge zu. Eine gute halbe Stunde breitete die Mitarbeiterin der Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH aus Hamburg das Spektrum der Möglichkeiten aus, die der Stadt mit dem neuen Landschaftsplan blühen, sollte er denn so umgesetzt werden.

Ilmenau hat europäische Bedeutung

Das Planungsbüro war von der Stadt beauftragt worden, den längst überholten Landschaftsplan aus dem Jahr 1996 auf den neuesten Stand zu bringen. Vorausgegangen waren die Erstellung einer flächendeckenden Biotoptypenkartierung sowie ein gesamtstädtisches Klimagutachten, parallel wurde zudem der Landschaftsrahmenplan des Landkreises fertiggestellt. Alles greife ineinander oder baue aufeinander auf.

Ziel ist es, ein binnenstädtisches Biotopverbundsystem zu entwickeln, die biologische Vielfalt zu schützen, Kompensationsflächen bereitzustellen und generell das Lokalklima zu verbessern. Eine wichtige Funktion haben dabei die Flussniederungen und Bachläufe von Ilmenau, Raderbach, Hasenburger Mühlenbach und Oelzebach, „unseren Perlen“, wie Ute Johannes mit Blick auf die Flussachsen erklärte. Der Ilmenau sprach sie dabei „europäische Bedeutung“ zu.

Erhalt von Flächen für die Erholung

Doch nicht nur die Natur, auch der Mensch soll beim Landschaftsplan nicht zu kurz kommen. So gehe es auch um den Erhalt von Flächen für die Erholung. „Halten Sie die siedlungsnahen Freiflächen frei!“, appellierte Johannes deshalb an die Ausschussmitglieder. Mit Blick auf die umstrittenen Pläne zur Bebauung des Grüngürtels West für den Digitalcampus sagte sie: „Aus fachlicher Sicht sehe ich es für erforderlich an, das Gebiet von Bebauung freizuhalten.“

Das reichte Umweltschützer Thomas Mitschke vom Naturschutzbund nicht. Er plädierte dafür, das Areal wegen seiner bedeutenden Funktion als Kaltluftentstehungsgebiet unter Schutz zu stellen. Zwar entgegnete Landschaftsarchitektin Ute Johannes, dafür sei nicht die Kommune, sondern der Kreis als Untere Naturschutzbehörde zuständig, „der Antrag dafür muss aber von der Kommune kommen“, erklärte Mitschke.

Umsetzung soll Stück für Stück erfolgen

Oberbürgermeister Ulrich Mädge kündigte an, den Landschaftsplan „Stück für Stück“ umzusetzen, einen genauen Zeitraum wollte er aber nicht nennen: „Nicht in ein oder fünf Jahren, sondern vielleicht in zehn.“ Vorausgesetzt, der Rat stimme dem Entwurf noch in diesem Jahr zu.

Zuvor aber soll es eine „zweite Lesung“ des Entwurfs geben, nachdem die Fraktionen sich intern darüber ausgetauscht haben. Zwar hatte die Verwaltung bereits in der Sitzung auf Zustimmung zu dem Entwurf gehofft, sie musste eine Abstimmung darüber aber vertagen. Sie hatte vergessen, den Entwurf den Ausschussmitgliedern zuvor zuzuleiten.

Von Ulf Stüwe