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Stefan Schulz, Leiter des Gymnasiums Oedeme. Foto: t&w

„Lösbar, aber unnötig kompliziert“

Lüneburg. Das Klagelied erklang nicht zum ersten Mal, aber es war in diesem Jahr ähnlich laut wie 2016: Die Abiturprüfungen im Fach Mathematik seien zu schwer gewesen. Nicht nur Schüler selbst empfanden das so, auch Lehrer kamen zu dieser Einschätzung. Die Kritik war immerhin so vehement, dass sich das Kultusministerium in Niedersachsen damit beschäftigt hat. Doch am Mittowch nun verkündete Minister Grant Hendrik Tonne: Am Bewertungsmaßstab wird in Niedersachsen – anders als in Hamburg, wo die Schulbehörde den Schlüssel nachträglich änderte – nicht gerüttelt. „Anspruchsvoll, aber lösbar“ seien die Prüfungen gewesen, wertete Minister Tonne. Und damit mag er manche verärgern, aber er erhält durchaus auch Unterstützung aus Lüneburg.

Auch Zeitmangel sei ein Thema

Michael Fügener, Oberstufenkoordinator des Johanneums, findet, dass die Aufgaben keineswegs schwieriger als üblich gewesen seien. „Keiner meiner Schüler war der Meinung, die Klausur sei nicht zu schaffen gewesen“, berichtet er. Allerdings sei seit einigen Jahren erkennbar, dass die Rechenaufgaben in Sachzusammenhänge gesetzt würden, die das Lösen der Aufgaben spürbar erschwerten, analysiert der Pädagoge und zeigt damit Verständnis für aufkommende Kritik. „Bei der Abiturprüfung in Mathematik sollten die rechnerischen Fähigkeiten des Schülers im Fokus liegen, nicht etwa sein Textverständnis“, betont er. Auch Zeitmangel sei zum wiederholten Male ein Thema gewesen: „Einige der Aufgaben hatten einen zu großen Umfang und waren daher im vorhergesehenen Zeitrahmen nur bedingt lösbar. Wählt der Prüfling einen zu komplizierten Lösungsansatz und braucht so zwanzig Minuten für etwas, was im Idealfall in drei Minuten erledigt ist, kommt er ganz schön in Bedrängnis.“

„Die Prüfung war machbar“

Gerade das sei das Hauptproblem gewesen, bestätigt Christian Schneider, Abiturient am Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck: „Die Prüfung war machbar, aber man hätte bei jeder Aufgabe von vornherein schon den Lösungsweg kennen müssen, um gut durchzukommen“, fasst er seine Einschätzung zusammen „Es war einfach zu vollgepackt.“

„Ein paar der Teilaufgaben hätte man weglassen können,“ findet auch eine Mitschülerin von ihm, die die Aufgaben als „lösbar, aber unnötig kompliziert“ bezeichnet.

Vor allem der Faktor Zeit bereitete vielen Probleme

Besonders die Formelherleitung im hilfsmittelfreien Teil habe viel Zeit in Anspruch genommen, zeigt Schulleiter Stefan Schulz vom Gymnasium Oedeme Verständnis für Kritik von Prüflingen. „Mehrere Schüler haben erzählt, dass sie sich wirklich sputen mussten.“ Auf der anderen Seite warnt der Direktor davor, Statistiken aus ihrem Kontext zu reißen: „Es muss nicht immer an den Aufgaben liegen, wenn die Notenschnitte sinken. Das kann alle möglichen Gründe haben. Um zu ermitteln, wie schwierig das Abitur tatsächlich war, sollte man eher das Prüfungsergebnis jedes einzelnen Schülers mit seinen vorangegangenen Klausuren vergleichen.“ Das diesjährige Prüfungsniveau in Mathematik sei seiner Meinung nach „ambitioniert, aber absolut akzeptabel“ gewesen.

Von Josephine Wabnitz