Aktuell
Home | Lokales | Das älteste Haus in Salzhausen
„Auf den Spuren des alten Salzhausen“ – unter diesem Motto führte Kreisarchäologe Dr. Jochen Brandt bei einem Pressetermin über die Ausgrabungsstelle auf dem Josthof. Foto: mhe

Das älteste Haus in Salzhausen

Salzhausen. Unter dem 2017 abgebrannten Josthof im Herzen Salzhausens haben Mitarbeiter des Archäologischen Museums Hamburg Baustrukturen des ältesten Hauses in Salzhausen entdeckt – anhand von Erdverfärbungen. Es handelt sich dabei um ein kleines Gebäude aus dem 10. bis 11. Jahrhundert.

„Direkt neben der Kirche, die hier in der Region eine der ältesten gewesen sein dürfte, gelangen wir damit bis an die Geburtsstunde Salzhausens zurück“, sagte Kreisarchäologe Dr. Jochen Brandt vom Archäologischen Museum Hamburg. Dr. Brandt führte auf einem Ortstermin in Kooperation mit dem Landkreis Harburg eine ganze Reihe interessierter Medienvertreter über den Josthof und erklärte den aktuellen Stand der Ausgrabung. Seit April wird auf dem Josthof nach den ältesten Besiedlungs- spuren Salzhausens gesucht.

Ein Tieropfer soll vor bösen Geistern schützen

Im vergangenen Jahr stießen die Archäologen unter dem in den 1830er-Jahren gebauten Josthof auf Baureste aus dem 17. Jahrhundert. Nur wenige Zentimeter tiefer fanden sie Erdschichten aus dem Mittelalter. In den letzten Wochen bargen die Archäologen Fundmaterial aus dem 10. bis 15. Jahrhundert. Unter dem Dielenpflaster hinter dem Eingang zu dem Gebäude stellte das Team des Museums das Skelett eines Tieres sicher. Was in der Presseeinladung zunächst mutig als Pferdeskelett deklariert wurde, wurde von einem Tierarzt später als Paarhufer identifiziert. „Es handelt sich dabei wahrscheinlich um ein Tieropfer, das das Gebäude vor bösen Geistern schützen sollte“, erklärte Dr. Jochen Brandt. Eine andere Überlegung wäre, dass jemand das tote Tier heimlich versteckt hat, um sich die Kosten des Abdeckers zu sparen.

Der Großteil der Ausgrabungsfläche wird mit der Kelle frei geputzt. „Wir suchen nach feinen Verfärbungen“, sagte Dr. Brandt. Unter den Bauresten aus dem 17. Jahrhundert fanden die Archäologen eine graue Schicht aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, die ausschließlich aus Keramik aus dem Mittelalter besteht.

Wie sieht die Zukunft des Josthofes aus?

Die Frage bleibt, was aus dem Gelände wird, wenn die Ausgrabungsarbeiten beendet sind. „Nicht nur die Gemeinde und die Samtgemeinde Salzhausen trauern um den Josthof, wir bekommen viele Anrufe und Briefe von ehemaligen Gästen“, sagte Wolfgang Krause, Salzhausens Samtgemeindebürgermeister. Er bedankte sich auch bei Josthofbesitzer Jörg Hansen für die Möglichkeit, die Ausgrabungen durchzuführen. „Bis jetzt gab es von den interessierten Investoren noch keine nachhaltigen Vorschläge“, sagte Krause. Ein neues Gebäude muss vor Ort in das Ensemble passen. Eine Entscheidung kann nur in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und dem Grundbesitzer getroffen werden. Einen konkreten Zeitplan gibt es allerdings nicht.

Der Josthofbesitzer Jörg Hansen hat zwischenzeitlich einen Interimsantrag gestellt, um vor dem Josthof vorübergehend einen Biergarten aufzustellen.

Von Marieke Henning