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Die Grundschüler aus Brietlingen sind vorbildliche Radfahrer, lobt Martin Schwanitz. Der Oberkommissar der Lüneburger Polizei muss auf den Sülzwiesen kaum eingreifen, die Schüler folgen seinen Erklärungen gewissenhaft. Foto: t&w

Fridolin muss dran glauben

Lüneburg. „Mädchen, mal aufgepasst: Wir Männer sind das Problem im Straßenverkehr, nicht Ihr!“ Martin Schwanitz weiß, wovon er spricht. Der Verkehrssicherheitsberater der Lüneburger Polizei kann auf viele Statistiken zurückgreifen, die besagen, dass männliche Verkehrsteilnehmer mehr Unfälle verursachen als die weiblichen. Das ist an diesem Morgen aber kein Problem: Die zwei Klassen der Grundschule Brietlingen verursachen keine geschlechtsspezifischen Probleme, im Gegenteil: „Die sind alle vorbildlich, das habe ich nicht immer“, freut sich Schwanitz.

Die Realität sehe anders aus: Die Fähigkeit, sich auf dem Fahrrad sicher und regelkonform durch den Straßenverkehr zu bewegen, werde immer schlechter, sagt Schwanitz. Aus diesem Grund sei das Üben ein enorm wichtiger Faktor. Genau das geschieht auf den Sülzwiesen.

Schon seit Jahren arbeitet die Polizei gemeinsam mit der Verkehrswacht daran, Grundschülern die wichtigsten Regeln beizubringen. Und die sind wahrlich überlebenswichtig – denn was soll ein achtjähriges Mädchen auf einem kleinen Rad schon einem zwei Tonnen schweren Auto entgegensetzen? „Nur Theorie bringt gar nichts – die Kinder müssen die auch in der Praxis umsetzen, nur dann geht das auch in Fleisch und Blut über“, sagt Oberkommissar Schwanitz.

1200 Kinder aus 30 Schulen machen in diesem Jahr mit

Dieses Jahr sind es 30 Schulen, die von Schwanitz auf die Sülz-wiesen eingeladen werden – insgesamt 1200 Kinder. Seit Jahren sind die Schulen aus dem Landkreis immer stärker vertreten. „Das geht aber nur, weil die KVG mit an Bord ist: Ein Bus holt die Kinder ab und bringt sie auch wieder zurück“, erklärt Schwanitz. Dafür muss das Unternehmen das Fahrzeug und einen Fahrer aus dem Fahrplan herauslösen und zur Verfügung stellen.

Rupert Quednau von der KVG zeigt den Kindern auch, was es mit dem toten Winkel auf sich hat. „Ihr könnt noch so gut auf dem Fahrrad unterwegs sein – es gibt Stellen, da kann Euch der Fahrer nicht sehen!“ Zu diesem Zweck breitet er ein großes Dreieck der Verkehrswacht auf dem Boden neben dem Bus aus, auf das sich alle Kinder stellen sollen. Es stellt den toten Winkel dar – und es ist erstaunlich, wie groß besagter wirklich ist.

Und dass ein Bus auch ausscheren kann und vorne schon mal über den Bordstein ragt, wenn er sich der Haltestelle nähert – das muss der arme Fridolin am eigenen Leib erfahren. Rupert Quednau macht eigentlich alles richtig – nur das rote Knautsch­kissen hat sich leider einen schlechten Ort zum Warten ausgesucht und wird kurzerhand vom Bus umgenietet. Für die Kinder eine wichtige Erfahrung. Bei Quednau lernen sie übrigens auch, dass es immer nett ist, den Busfahrer zu grüßen. „Der grüßt dann nämlich zurück“, sagt Quednau und lächelt.

Kinder bekommen ein Rund-um-sorglos-Paket

Seit vielen Jahren ist der Verkehrsübungsplatz bevorzugt im Mai und Juni auf den Sülzwiesen ein wichtiger Lernort. Dann werden die Container vor Ort am Morgen geöffnet und die mobile Ampelanlage sowie die Verkehrsschilder entsprechend platziert. Auch die Fahrräder werden von Polizei und Verkehrswacht zur Verfügung gestellt.

Bei seiner Arbeit bekommt Schwanitz Unterstützung: Ihm zur Seite stehen Sigbert Tuch und Thomas Schulze, ehrenamtliche Mitarbeiter der Verkehrswacht. Auch die Kontaktbeamten der Polizei helfen dem Verkehrssicherheitsberater bei seiner Arbeit. „Das hier ist nicht nur Verkehrserziehung“, sagt Schwanitz. „Den Kindern wird auch soziales Verhalten, Sportlichkeit und Umweltschutz schmackhaft gemacht. Ein Rund-um-sorglos-Paket, wenn man so will.“

Von Thorsten Lustmann