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Erik Meyer (3.v.r.) bringt Aaron, Christian und Tom (v.r.) vor der Bardowicker Mühle das Tellerdrehen bei. (Foto: phs)

Die Faszination der alten Windkraft

Artlenburg/Bardowick. Anlässlich des Deutschen Mühlentages veranstalteten die Windmühlenbetreiber in Bardowick und Artlen­burg am Pfingstmontag jeweils ein buntes Fest und Tausende Besucher machten mit. In Artlen­burg erwies sich neben der Mühle abermals die vom Lüneburger Oldtimer-Club organisierte Fahrzeugschau als Besuchermagnet: Mehr als 100 alte Pkw und Traktoren waren auf den Wiesen rundum die Mühle aufgereiht. In Badowick weckte insbesondere die alte Mühlentechnik selbst das Interesse der Gäste, zumal die Bardowicker Mühle zu den letzten „historisch produzierenden, technischen Denkmälern“ ihrer Art in Deutschland gehört. Während sich auf dem Hof Erwachsene wie Kinder beim Mitmachzirkus versuchten, bildeten sich vor dem Galerie-Holländer immer wieder Besucherschlangen, die auf Einlass zu einer der begehrten Mühlenführungen warteten.

Die Touren in Bardowick übernimmt diesmal auch Scott Philip Hennigfeld, wahrscheinlich der letzte angehende Müller, der noch nach alter Ausbildungsverordnung lernt. Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr. Die Besucher leitet er souverän durch das Dickicht aus Mehlsäcken, Mahlwerken und hölzernen Zahnrädern.

Familienbetrieb in sechster Generation

In der sechsten Generation führt die Familie Meyer den Bardowicker Müllerbetrieb. Müllermeister Eckhard Meyer freut sich über die große Besucherresonanz. Er klopft sich etwas Mehlstaub von der Kleidung, als er sagt: „Das ist heute keine Arbeit, das ist pure Freude.“ Dass sein traditionelles Handwerk soviel Interesse hervorruft, macht ihn sichtlich stolz. Immerhin hat er es mit seinen Mitstreitern im Verein „Die Müllergilde“ geschafft, den Müllerberuf im vergangenen Jahr von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Und die Begeisterung ist ansteckend: So kann beispielsweise Tom (11) aus Barendorf schon gar nicht mehr zählen, wie oft er die Bardowicker Mühle mit Mutter Cordula Zeuner schon besichtigt hat. Er sagt: „Es ist faszinierend, wie Windkraft in der Lage ist, tonnenschwere Mühlsteine zu bewegen, um Getreide zu mahlen.“

Dass die Bardowicker Mühle auch nach 206 Jahren noch heute mit Windkraft produzieren kann, ist nicht zuletzt auch dem Bardowicker Mühlenverein zu verdanken. Der war vor rund 25 Jahren gegründet worden, um unter anderem Geld für die damalige Sanierung und den Betrieb des Bauwerks beizusteuern. Im September, zum Tag des offenen Denkmals, plant der Verein seine Geburtstagsfeier.

Drehkreuz hat Schaden genommen

Finanzielle Unterstützung benötigen jetzt allerdings auch die Betreiber der Artlenburger Windmühle. Vor wenigen Wochen hat das Drehkreuz der Mühle Schaden genommen, die Reparaturkosten werden auf mehrere Tausend Euro beziffert, sagt der ehemalige Müller Hans-Jürgen Brügmann. Aber auch Artlen­burgs Bürgermeister Rolf Twesten hofft, dass mit Hilfe von Spenden das Geld schnell zusammen kommt, damit sich der Mühlenkopf pünktlich zum großen Artlenburger Mühlenfest am 6. Oktober wieder drehen kann. Der Defekt tut der Stimmung beim Fest rund um das Denkmal gestern allerdings keinen Abbruch.

Vom Lkw-Anhänger aus sorgt eine neue Pop-Rock-Coverband aus Hohnstorf/Elbe um die Sängerinnen Christiane und Ramona Schmidt für Stimmung. Zahlreiche Menschen flanieren derweil zwischen den ausgestellten Oldtimern. Bei den Traktoren gehört unter anderem ein Lanz-Bulldog zu den Hinguckern: Der 17-jährige Luca Kathmann präsentiert die gut erhaltene Maschine vom Typ D7500, Baujahr 1937. Auch Bernhard Kallus führt sein Fahrzeug vor, ein alter Mühlenwagen der Marke Henschel, ein L3500, Baujahr 1953. Er kommt gleich ins Gespräch mit Harald Bardowieck aus Stade, der ebenfalls mit einem Lastenwagen von Henschel, Baujahr 1966, vor Ort ist. Bardowieck sagt: „Der Wagen stammt noch aus einer Zeit, als mit kleinen Lkw noch Geld verdient wurde.“ Das Fahrzeug sei damals der „Brot- und Butterlaster“ der Familie gewesen, sei im Erd-, Straßen- und Deichbau eingesetzt worden. Auch diese alte Technik fasziniert an diesem Tag viele Besucher rund um die Mühle.

Von Dennis Thomas