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Ein Blick aus der Luft auf den wachsenden Ort Brietlingen: Die Gemeinde möchte die Versorgung der Einwohner ausbauen, will dafür vom Landkreis als Grundzentrum anerkannt werden. Foto: skyimage21

Eine Frage der Größe

Brietlingen. Es darf schon etwas mehr sein in Brietlingen – darüber herrscht Einigkeit in der Gemeinde. Etwas mehr Wohnraum, eine Pflegeeinrichtung, mehr Einkau fsmöglichkeiten und Ärzte. Potenzielle Investoren gibt es schon, Interessenten sowieso.

Angela Lütjohann, SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Brietlingen, hält viel davon, die Gemeinde mit Bauprojekten wie diesen für die Zukunft aufzustellen. „Wir sind die größte Gemeinde in der Samtgemeinde“, sagt sie und nennt mit dem Verweis auf die rund 3500 Einwohner nur einen Grund für den Ausbau der eigenen Infrastruktur.

Brietlingen soll also weiter wachsen. Aber all das geht nicht einfach so. Denn laut Regionalem Raumordnungsprogramm (RROP) ist die Gemeinde kein Grundzentrum und damit auch nicht für die Grundversorgung der Bürger aus dem Umland verantwortlich.

Grundzentrum mit Schwerpunktaufgaben

Die Möglichkeiten des Wachstums sind deshalb beschränkt und der Gemeinderat mit vielen Bauvorhaben auf das Wohlwollen des Kreises angewiesen. Das will die SPD-Fraktion nun ändern und stellte im Gemeinderat Brietlingen einen Antrag auf Anmeldung der Gemeinde als Grundzentrum mit Schwerpunktaufgaben.

Die Gründe dafür sind vielfältig: „Wir wünschen uns einen Vollversorger vor Ort und wir haben bald keine medizinische Versorgung mehr in der Gemeinde. Für unsere ältere Bevölkerung ist es außerdem wichtig, eine tolle Option zu haben, im Ort alt werden zu können“, erklärte Lütjohann.

Lebensmittelmärkte, Kitas, Schulen, Ärzte

„Regionales Raumordnungsprogramm“ – es hat wohl schon so manche Politikerträume platzen lassen. Aufgestellt wird es vom Landkreis, darin ist festgelegt, wie sich regionale Flächen im Hinblick auf Wohn- oder Gewerbeflächen, Naturschutz und Nahversorgung entwickeln. Gemeinden mit dem Status „Grundzentrum“ kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie sind für die Versorgung des täglichen Grundbedarfs in der Region verantwortlich, etwa in Form von Lebensmittelmärkten, aber auch Kitas, Schulen oder Ärzten.

In der Samtgemeinde Scharnebeck kommt diese Aufgabe derzeit nur der Gemeinde Scharnebeck zu. Das könnte sich aber bald ändern, zumindest wenn es nach Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) geht. „Brietlingen scheint in der Samtgemeinde so wichtig zu sein, dass wir unsere Infrastruktur verbessern und die Aufgaben des Ortes weiterentwickeln wollen“, sagt Gerstenkorn.

Auch Hohnstorf ein Ort mit zunehmender Bedeutung

Aber nicht nur Brietlingen, auch Hohnstorf sei, seiner Meinung nach, ein Ort mit zunehmender Bedeutung. In anderen Samtgemeinden gibt es zum Teil schon mehrere Grundzentren: in der Samtgemeinde Ilmenau etwa sind das Embsen und Melbeck, in der Ostheide Barendorf und Neetze. Da sei doch auch ein Blick nach Brietlingen und Hohnstorf erlaubt, „schließlich ist Scharnebeck mit 16.000 Einwohnern die zweitgrößte Samtgemeinde kreisweit“.

Die Festlegung mehrerer Grundzentren in einer Samtgemeinde ist laut Angaben des Landkreises nur dann möglich, wenn die Erreichbarkeit der Einrichtungen nicht anders gewährleistet werden kann, die Grundzentren ihren Versorgungsauftrag vollumfänglich erfüllen können und wenn allen Grundzentren ausreichend Einwohner zugeordnet werden können. Spätestens alle zehn Jahre wird der RROP aktualisiert und angepasst, für den Landkreis Lüneburg findet aktuell eine Neuaufstellung statt.

„Wir tun jetzt alles, was wir können“

Die Bestrebungen Brietlingens, als Grundzentrum anerkannt zu werden, habe man beim Landkreis Lüneburg zunächst eher belächelt, sagt Laars Gerstenkorn. Er gibt sich trotzdem vorsichtig optimistisch: „Es ist nicht nur ein Mittel zum Zweck. Die Beziehungen passen schlicht und ergreifend nicht.“ So gehen etwa die Verkehrsbeziehungen der Brietlinger nicht unbedingt nach Scharnebeck, sondern vielmehr nach Hohnstorf oder Lüneburg.

„Es ist für unsere Entwicklung in der Gemeinde sehr wichtig. Sonst sind wir immer auf Gedeih und Verderb auf den Kreis angewiesen“, sagt Angela Lütjohann und ihr Parteigenosse Tobias Twesten wird noch deutlicher: „So kann es hier nicht weitergehen, wir tun jetzt alles, was wir können, um die Situation zu ändern.“

Etwas ändern, das wollen die Brietlinger, indem sie offensiv mit ihren Wünschen und Forderungen umgehen und das Gespräch mit dem Landkreis suchen. Eine erste Stellungnahme zum Antrag hat der Landkreis frühestens für die zweite Jahreshälfte angekündigt.

Von Anke Dankers